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Vorreiter in der Region Göttingen

von , am
19.11.2014

Der Flecken Bovenden hat die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung zertifizieren lassen und ist damit Vorreiter in der Region Göttingen. Das Sicherungssystem könnte Modellcharakter haben.

Von links: Klaus Melnikow, Holger Beckmann, Heidrun Bäcker, Volker Grothey, Jörg Uhlendorff und Dirk Friedrich vor der Flüssigschlammanlage in Bovenden. © Grothey

Um der aktuell geführten Diskussion entgegen zu treten, hat die Gemeinde ihre Abwasserreinigungsanlage und die Verwertung des Klärschlamms strengen Prüfungen unterzogen. Mit der Überreichung des Zertifikates "Qualitätssicherung Landwirtschaftliche Abfallverwertung" bestätigen die Prüfer, dass der Klärschlamm unbedenklich als Dünger auf landwirtschaftliche Nutzflächen aufgebracht werden kann.

Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung hat im Süden von Niedersachsen eine lange Tradition. In den Landkreisen Göttingen, Northeim, Osterode und Hildesheim werden seit Jahren annährend 100 % der kommunalen Klärschlämme landwirtschaftlich verwertet. So auch in der Kläranlage des Flecken Bovenden. Jährlich fallen laut Thomas Wedemeyer, Leiter der Kläranlage, rund 1.000 t entwässerter Klärschlamm an.

Mit der Rückführung der Nährstoffe, insbesondere Phosphate, in die Landwirtschaft wird ein wichtiger Schritt unternommen, um Nährstoffkreisläufe wieder zu schließen.

Drei Kontrollbereiche


Als freiwillige Gütesicherung bei der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung hat sich die "Qualitätssicherung landbauliche Abfallverwertung" (QLA) gegründet, der sich die Kläranlage Bovenden schon vor rund acht Jahren angeschlossen hat. Die QLA ist ein gemeinsames Gütesicherungssystem des Verbandes Deutscher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA) und der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). In drei Kategorien werden die eingeleiteten Stoffe, die Reinigung in der Kläranlage und die landwirtschaftliche Verwertung nach den strengen Vorgaben der QLA kontrolliert. Die Kategorien I und II sind bereits vor sechs Jahren zertifiziert worden. Den wesentlichen Anteil hierzu hat der Qualitätssicherungsbeauftragte des Flecken Bovenden, Holger Beckmann, beigetragen. Mit der Überreichung des Zertifikates wird ein wichtiger Schritt in Richtung Sicherung der Güte des Klärschlammes unternommen.

"Die Landwirte wollen Sicherheit bei der Verwertung des Klärschlamms haben", so die Bürgermeisterin des Flecken Bovenden, Heidrun Bäcker. "Das Gütesiegel QLA schafft Vertrauen auf beiden Seiten“ meint Bäcker und betont, „dass wir natürlich schauen, wo und wie wir unsere Prozesse weiter optimieren können, damit die von der QLA ohnehin niedrig gesetzten und streng kontrollierten Schadstoffwerte weiterhin deutlich unterschritten werden".

Große Akzeptanz

Die Vorgaben der QLA bei der Verwertung von Klärschlamm werden von der zuständigen Dienststelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen umgesetzt. Volker Grothey, Bezirksstelle Northeim, kennt die Kläranlage und die beteiligten Landwirte seit über 20 Jahren. "Eine für die Landwirtschaft sichere Verwertung mit einer großen Akzeptanz in der Bevölkerung stehen im Vordergrund", so Grothey. "Mit der Umsetzung der QLA-Richtlinien sind wir dem ein gutes Stück näher gekommen".

Schwerpunkt der Beratung ist die Umsetzungen der rechtlichen Standards. Klärschlamm ist einer der am besten untersuchten Dünger. Trotzdem sind Vorgaben einzuhalten, die teilweise höher sind als die für andere organische Nährstoffträger. "Hier hat sich gezeigt, dass eine umfangreiche Unterstützung des Kläranlagenbetreibers und die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe auf sehr fruchtbaren Boden fallen", so Grothey. Er hofft auf eine weiterhin sinnvolle Verwertung des Klärschlammes in der Landwirtschaft. 
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