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Sonderthemen

Winterkulturen zeigen sich gut erholt

von , am
30.04.2013

Der lange Winter mit sehr frostigen Temperaturen und eisigen Ostwinden im März: Wie die Vegetation sich nach diesen Extrembedingungen entwickelt hat, lesen Sie hier.

Viele Bauern haben nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle des Rapsglanzkäfers bereits vor der Blüte zweimal ein Insektizid appliziert und zum Teil gleich Bor mit eingemischt. © Raupert

Pflanzenverluste waren regional besonders beim spät gesäten Winterweizen und beim Winterraps zu beklagen. Aber auch hier zeigte sich das erstaunliche Regenerationsvermögen der Kulturen. Zumeist präsentieren sich die Bestände mittlerweile wieder sehr gut erholt, nur dort, wo das Wasser knapp ist, hinkt die Entwicklung hinterher. Dies zeigt sich besonders in ausgedünnten und kaum bestockten Getreidebeständen. Raps hat die zum Teil starken Blattverluste meist wettgemacht.

Eine Bestandsaufnahme beim Winterraps erfolgt jährlich auf den Feldrundfahrten der LWK Niedersachsen. Am Donnerstag vergangener Woche trafen sich hierzu Landwirte, Berater und Industrievertreter in der Region Hannover auf dem Betrieb von Arnd von Hugo in Groß Munzel bei Barsinghausen. Beim anschließenden Rundgang auf den von der Bezirksstelle Hannover angelegten Winterraps-Versuchsflächen konnten sich die Praktiker selbst ein Bild davon machen, welche Maßnahmen zurzeit in dieser Kultur anstehen und wie die Berater die Befalls- und Krankheitssituation vor Ort einschätzen.

Schädlinge fliegen ein

Vorweg gleich die gute Nachricht: Die Rapsbestände haben sich meist gut regeneriert und waren zumindest bis Ende der vergangenen Woche auch wegen der längeren Trockenheit weitgehend gesund. Ein Pilzdruck ist derzeit nicht vorhanden. Ganz anders liegen die Dinge beim Schädlingsaufkommen. Ein früher Zuflug des Rapsstängelrüsslers hat in vielen Regionen bereits Anfang April einen Insektizideinsatz erforderlich gemacht.

Wo der Schädling allein auftrat und die Bekämpfungsschwelle überschritt, funktionierte die kostengünstige Lösung mit Karate Zeon oder Bulldock, wo auch der Rapsglanzkäfer in bekämpfungswürdigem Ausmaß gesichtet worden ist, wurde zu Trebon geraten. Wo nur der Rapsglanzkäfer bekämpft werden musste, haben die Bauern meist die B1-Präparate Plenum WG oder Avaunt eingesetzt. Bei Zumischung von z. B. Fury konnte auch der Rüssler bekämpft werden.

Aktuell geht für die Bestände nur eine Gefahr vom Rapsglanzkäfer aus. Gelbschalenfänge haben bereits ab Mitte April einen deutlichen Zuflug signalisiert, der weiter anhält. Da dieser Schädling den Raps ab dem Knospenstadium massiv schädigen kann, indem er die Knospen anfrisst, um an den Pollen zu kommen, sind die Bekämpfungsschwellen zu diesem frühen Zeitpunkt mit 1 bis 2 Käfern je Haupttrieb sehr tief angesetzt, berichtete der Kammerberater Dr. Bernhard Werner auf der Rundfahrt. Kurz vor dem Öffnen der ersten Blüten liegt die Schadschwelle mit 2 bis 4 Käfern pro Pflanze schon etwas höher, in der Blüte selbst müssen schon 6 bis 8 Käfer je Pflanze gezählt werden.

Kurze Wirkungsdauer

Beim Einsatz der Insektizide muss laut Werner konsequent auf die Bienengefährlichkeit der Präparate geachtet werden. Sobald sich die ersten Knospen öffnen und die ersten Vorblüher oder blühende Unkräuter im Bestand gesichtet werden, dürfen nur noch bienenungefährliche B4-Mittel wie Biscaya eingesetzt werden. Bei dem verzettelten Zuflug der Rapsglanzkäfer sind regional im Mittel bereits zwei Anwendungen vor der Blüte erfolgt, auch weil die Mittel nur 70 bis 80 % der Schädlinge erfassen und zudem nur eine Wirkung von 3 bis 7 Tagen aufweisen. Zumindest eine Maßnahme ist wohl noch in der Blüte zu erwarten, wenn es um die später auftretenden Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücken geht. Dort kann in einigen Fällen laut Werner bereits eine Randbehandlung ausreichen. Das Problem sei hier aber, die Schädlingsdichte exakt zu erfassen.

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war auf dem Versuchsfeld der Einsatz der Wachstumsregulatoren, der im Frühjahr je nach Entwicklungsstand des Rapsbestandes mit der Insektizidmaßnahme kombiniert werden kann. Diese Mittel werden in der Regel zweimal eingesetzt, einmal im Herbst und einmal im Frühjahr. Die Herbstanwendung hat nach Aussage des Kammerberaters Friedrich Windheim weniger eine Wirkung auf die Standfestigkeit. Die Hauptwirkung liegt vor allem auf der Erhöhung der Winterhärte. Behandelte Winterrapse überstehen die tiefen Temperaturen einfach besser. "Je kürzer der Raps im Herbst ist, desto geringer fällt die Auswinterung aus", brachte es Windheim auf den Punkt.

Einkürzung später sichtbar

Die Frühjahrsspritzung kürzt dagegen die Bestände erkennbar ein und trägt so zur Verbesserung der Standfestigkeit und Vermeidung von Lagerverlusten bei. Dazu kommt, dass auch züchterisch in dieser Richtung gute Fortschritte bei den neuen Sorten gemacht worden sind. Mit dem Anstieg der Temperaturen sind die Rapsbestände bei genügend Feuchtigkeit im Boden pro Woche etwa 5 cm gewachsen. Am letzten Donnerstag waren die Bestände in Groß Munzel bereits bis zu 65 cm hoch, die ersten Vorblüher zeigten sich bereits in den frühreifen Sorten. Dennoch, so die Experten, war man Ende April noch etwa ein bis zwei Wochen gegenüber normalen Jahren zurück, in Höhenlagen wie z. B. der Ottensteiner Hochebene war der Rückstand sogar noch etwas größer.

Die Versuche haben gezeigt, dass zwischen den einzelnen Wachstumsregler-Varianten und der unbehandelten Kontrolle kaum Größenunterschiede auftraten. Dies belegt die Erkenntnis, dass Herbstbehandlungen nur wenig einkürzend wirken. Größere Unterschiede werden sich jedoch in den nächsten Wochen zeigen, wenn die ab Mitte bis Ende April ausgebrachte zweite Wachstumsreglerspritzung Wirkung zeigen wird. Die größte Einkürzung bewirken die Mittel Carax und Toprex, danach folgen Folicur und Tilmor.

Pilzdruck herrscht 2013 in den Beständen bisher nicht. Alle Blätter sind befallsfrei, nur in den unteren Blattetagen finden sich zum Teil noch Frostschäden an den Blättern, was aber nicht ertragsrelevant ist. Wie Dr. Werner dazu ergänzte, war auch die Empfehlung der Offizialberatung richtig, in 2013 aufgrund der geringen Auswinterungsschäden nicht gegen den Schwächeparasiten  Botrytis zu behandeln.

Dr. Ulrich Lehrke wies im Rapssortenversuch darauf hin, dass die Entwicklung klar zu den Hybriden geht. Liniensorten werden in der Praxis nur noch wenig angebaut, was sich auch auf die Sortenzusammenstellung der Versuche auswirkt. Beliebte Sorten sind seit mehreren Jahren z. B. die seit 2007 bzw. 2008 zugelassenen Hybriden Visby und PR46W20, die aber mittlerweile große Konkurrenz durch noch leistungsstärkere Sorten wie z.B. Avatar, Sherpa, Genie oder Marquis bekommen. Die mit jeweils BSA-Note 8 beim Ertrag und Ölgehalt eingestufte Sorte Compass ist laut Lehrke über die Jahre sehr schwankend im Ertrag. "Wenn es an Wasser mangelt, schwächelt die Sorte", war sein Urteil. Visby und Sherpa seien hier ausgeglichener.

Leistung beweisen

Die Erfahrung zeigt, dass frühe Sorten wesentlich stabiler gegenüber den Frühjahrs-
trockenheiten reagieren. Bei der Sortenwahl müsse jedoch auch die Krankheitsanfälligkeit beachtet werden. Sherpa sei z.B. bei Phoma mit der BSA-Note 5 eingestuft worden, also schlechter als Visby mit  der Note 4, was sich in Befallsjahren negativ auswirken könnte. Die neue Sorte Avatar (drei Mal Höchstnote 9 im Ertrag und Ölgehalt), die sich im Praxisversuch bisher sehr gut präsentiert, hat laut Lehrke sehr gute Ergebnisse in der Wertprüfung erhalten. Dieses hohe Leistungsvermögen müsse sie aber jetzt in den Landessortenversuchen beweisen.

Die neue Hybride PT206 von Pioneer verspreche mit drei Mal BSA-Note 8 ebenso sehr viel. Die Sorte sei zwar sehr kurz, aber kein Halbzwerg.  Marquis sei sehr frohwüchsig, in 2012 aber stark ausgewintert. Der Bestand sei im Vergleich zu Avatar sehr viel heterogener. DK Exstorm habe bei Phoma die Einstufung 2 erhalten, was auf eine gute Gesundheit schließen lässt. 2012 erzielte die Sorte laut Lehrke gute Ergebnisse, ein Nachteil sei aber die späte Abreife. Die Hybride Tores zeige, dass Syngenta jetzt  im Hybridmarkt mitmischen wolle, aber noch nicht die Leistung der Wettbewerber bringe. Eine Bemerkung machte der Experte noch zur Sorte SY Alister, die eine Kohlhernieresistenz aufweist und deshalb ertraglich gegenüber den anderen Hybriden abfällt. Seinen Angaben nach nimmt diese Krankheit auch in den Regionen Hannover und Braunschweig zu.

Die Landwirte sollten auf Befallssymptome achten und ihr Anbaumanagement anpassen. So müsse bei Verdacht der Ausfallraps schon nach 10 bis 14 Tagen umgebrochen werden, also wesentlich früher als bei der Nematodenbekämpfung. Gegensteuern könne man mit weiten Fruchtfolgen und angepassten pH-Werten. Wichtig sei es, kohlhernieresistente Sorten nicht vorbeugend anzubauen, da sonst die Resistenz schnell durchbrochen werden könnte.

Lehrkes Fazit zum Sortenmarkt lautete: Die Hybriden dominieren den Markt. Bei der Sortenplanung sollten sich die Praktiker auf frühe Sorten konzentrieren. Als Beispiele nannte er z. B. Visby, Avatar, PR46W20, Sherpa oder auch Marquis. In den Landessortenversuchen seien ertraglich zwischen den Sorten nicht sehr große Unterschiede aufgetreten. Aus diesem Grund riet er dazu, auch die Winterhärte, die Gesundheit und die Standfestigkeit bei der Sortenwahl zu beachten.

Aktuell gab er den Bauern noch mit auf den Weg, darauf zu achten, dass den Pflanzen ausreichend Bor zur Verfügung steht. Bei trockenen Verhältnissen könne dieses Spurenelement auch auf besseren Standorten leicht ins Defizit geraten. Dies sei bei der Düngung zu berücksichtigen.

Rüben und Getreide

Die Zuckerrüben sind in diesem Frühjahr etwa 14 Tage später als in den Vorjahren gedrillt worden. Für hohe Feldaufgänge kamen die Niederschläge  am Freitag und Samstag vergangener Woche gerade richtig. Bei den Herbizidspritzungen, die jetzt anstehen, müsse je nach Witterung auch immer die Verträglichkeit der Mischung beachtet werden. Das letzte Jahr habe gezeigt, dass hier mehr Sorgfalt aufgebracht werden müsse.

Auch das Getreide hat sich  je nach Wasserverfügbarkeit gut entwickelt. Auswinterungen gebe es kaum und in der Regel seien die Bestände sehr gesund. Auch vonseiten der Schädlinge gebe es keinen Druck, da die Blattläuse im Winter abgestorben seien und erst von den Winterwirten wieder in die Bestände einfliegen müssen. Trotz der erst sehr spät einsetzenden Vegetation sieht Werner keinen Grund, ertraglich bereits jetzt Abstriche zu machen. Wenn die Bedingungen normal verlaufen könne das Getreide durch eine bessere Bekörnung und höhere TKGs auch dünnere Bestandesdichten noch ausgleichen.
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