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Bodenbearbeitung zur Aussaat

Zuckerrüben: Frühsaaten bergen höheres Risiko

Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen
am
17.03.2016

Nach den schlechten Erfahrungen im Vorjahr steht bei der anstehenden Rübenaussaat die Frage im Raum, ob die Aussaat so früh wie möglich stattfinden sollte. Die andere Möglichkeit wäre, auf Nummer Sicher zu gehen und erst Anfang April loszulegen.

Noch vor wenigen Jahren war es üblich, die Zuckerrüben ab Anfang April zu säen. Frühsaaten ab dem 20. März waren die Ausnahme und häufig durch Feldaufgangsverluste wegen Verschlämmung und Frost gekennzeichnet.

Früher Reihenschluss für gute Erträge

In den letzten Jahren ist die Aussaat der Zuckerrüben immer früher vorgenommen worden. Es ist bekannt, dass ein früher Reihenschluss die Grundlage hoher Erträge ist. Je schneller die Rüben das Land schließen, umso produktiver ist der Bestand.

Frühe Bestände sind aufgrund ihres Vorsprungs und der besseren Bewurzelung zudem toleranter bei Trockenstress im Sommer, haben einen geringeren Düngebedarf und reagieren weniger empfindlich auf den Befall durch Nematoden.

Frühsaat hat auch Nachteile

Frühsaaten bergen jedoch auch Risiken. Neben der Gefahr der Verschlämmung nach Starkregenereignissen sind dies vor allem die Gefahr der Auswinterung sowie das Risiko der Schosserbildung.

Saatzeitpunkt beeinflusst Gefahr der Verschlämmung

Verschlämmung und Schosser waren das Thema des letzten Jahres. Hier konnte ein eindeutiger Bezug zum Saatzeitpunkt hergestellt werden. Vor allem Flächen, die Ende März 2015 direkt vor dem Regenereignis von 60 bis 80 mm gesät wurden, mussten vielfach umgebrochen werden.

Betroffen waren vor allem Böden mit höherem Schluffanteil. Jedoch hatte auch die Intensität der Bodenbearbeitung Einfluss auf den Feldaufgang. Im weiteren Verlauf der Vegetation zeigte sich in den Frühsaaten eine verstärkte Schosserbildung. Untersuchungen belegen, dass als Hauptursache die frühe Aussaat betrachtet werden muss, da es offensichtlich zu einem Vernalisationsreiz gekommen ist.

Verstärkte Schosserbildung bei Frühsaat

Hinweise auf weitere Einflüsse, wie die Sorte, haben sich derzeit nicht erhärtet. Auf Standorten, auf denen die Seitenschosser ein großes Thema waren, sollte daher in diesem Jahr abgewogen werden, ob der Vorteil der früheren Saat den Aufwand für die Beseitigung der Schosser rechtfertigt.

Aufgrund der hohen Zuwächse im Herbst sind die Standorte mit Saatterminen ab Mitte April auch kaum abgefallen. Die Züchter haben jedoch auch die Aufgabe, weiter an der Entwicklung schosstoleranter Sorten zu arbeiten.

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