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Zwischenfrüchte

Zwischenfrüchte frischen Boden auf

von , am
02.07.2014

Die Zwischenfrüchte erleben durch die Greening-Auflagen eine Renaissance. Auch in Energiefruchtfolgen mit hohem Maisanteil sorgen sie für Auflockerung. Mehr dazu von den DLG-Feldtagen.

Mischungen aus Roggen und Wicken könnten in Zukunft in noch mehr Energiefruchtfolgen zu sehen sein. Bei den Leguminosen sind Anbaupausen von vier bis fünf Jahren zu beachten.   © Gaul

Mais dürfte zwar auf absehbare Zeit das wichtigste Substrat für Biogasanlagen bleiben. Dennoch wird sich die Produktionstechnik in Energiefruchtfolgen ändern. Die Gründe dafür sind politische Vorgaben wie das "Greening", die dafür sorgen werden, dass die Felder über einen längeren Zeitraum des Jahres begrünt sind.

Biogasanlagen-Betreiber erkennen aber auch, dass sich einseitige Fruchtfolgen negativ auf die biologische Aktivität im Fermenter auswirken können und die Bodenfruchtbarkeit aus dem Gleichgewicht gerät. Ein weiterer Aspekt ist die negative öffentliche Darstellung der Biogasproduktion, die an der Konzentration auf wenige Kulturen festgemacht wird.

Gewichtungsfaktor

Zwischenfrüchte dürften daher eine Renaissance erleben. Denn mit ihnen lässt sich die Auflage, von 2015 an 5 % der Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche bereitzustellen, auch in Energiefruchtfolgen am einfachsten realisieren. Das gilt selbst unter der Prämisse, dass bei Zwischenfrüchten der Gewichtungsfaktor 0,3 angewendet wird. Bei den angebauten Zwischenfrüchten muss es sich nach dem derzeitigen Stand der Diskussion um Mischungen handeln, die bis spätestens 1. Oktober einzusäen sind. Eine Futternutzung im Folgejahr ist nicht erlaubt, eine Verwertung des Aufwuchses in der Biogasanlage dagegen schon. Zur Düngung zugelassen sind nur Wirtschaftsdünger.

Die Saatgutfirmen haben entsprechende Mischungen im Programm. Die Hersteller argumentieren damit, dass die unterschiedlichen Arten in einer Mischung den Boden in verschiedenen Tiefen durchwurzeln. Die Ausscheidungen der Wurzeln (Exsudate) erhöhen den Humusgehalt des Bodens und liefern auch organische Säuren, Vitamine und Mineralien. Ludger Laurenz, Pflanzenbauberater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, sieht diese Aussagen jedoch skeptisch: "Es gibt noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Wurzelausscheidungen." Und ob sich mit den Mischungen größere Bodentiefen erschließen lassen oder der Biomasseertrag gesteigert wird, zog Laurenz auf den DLG-Feldtagen auch in Zweifel: "Diese Ziele ließen sich mit den entsprechenden Arten in Reinsaat eher erreichen."

Nährstoffmobilisierung?


Unzweifelhaft ist jedoch, dass sich Zwischenfrüchte positiv auf die biologische Aktivität des Bodens auswirken, was Nährstoffe mobilisiert. Ein Ungleichgewicht bei Nährstoffen entsteht z.B.bei Phosphor, das insbesondere bei nicht wendender Bodenbearbeitung in den oberen Bodenschichten festgelegt wird. Buchweizen und Phacelia sollen hier für eine höhere Phosphorverfügbarkeit sorgen. "Bodenfruchtbarkeit ist aber kein Ziel, auf das man züchten kann", bringt Michaela Schlathölter, Zwischenfrucht-Züchterin bei der Saaten-Union, das Dilemma der Saatgutfirmen auf den Punkt. Denn der Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit hängt entscheidend von der Wurzelentwicklung der Zwischenfrucht ab. Fest steht jedoch, dass gerade Betriebe mit intensivem Maisanbau dem Boden auch etwas zurückgeben müssen.  

Der Regenwurm als Indikator für biologische Aktivität lässt mit seinen senkrechten Röhren Wasser und Luft besser in den Boden einziehen, was den Pflanzen beim Erschließen von Nährstoffen hilft. Vor allem Ölrettich kann mit seinem tiefreichenden Wurzelwerk ein wichtiger Helfer sein.

Neben der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit ist die Steigerung des Biomasseertrags ein wichtiger Aspekt in Biogasfruchtfolgen. Durch den Einbau von Zwischenfrüchten sind hier drei Ernten in zwei Jahren zu erzielen. Zu erreichen ist das durch die Aufnahme von Sommergetreide wie Rauhafer oder Triticale, die nach der Ernte von Getreide-GPS ausgesät werden und noch im Herbst einen Trockenmasseertrag von 3 bis (unter sehr günstigen Bedingungen) 6 t liefern können. Speziell für die Biogasproduktion gibt es eine Reihe von Grünschnittroggen, die sich für den Winterzwischenfruchtanbau eignen. Neben der Reinsaat kann Grünschnittroggen auch in einer leguminosenhaltigen Mischung mit Winterwicken und Wintererbsen ausgesät werden. Ohnehin geht der Trend wieder mehr in Richtung Leguminosen, dabei ist jedoch zu beachten, dass Leguminosen Anbaupausen von vier bis fünf Jahren benötigen.

Ohnehin ist noch nicht wissenschaftlich geklärt, wie sich ein verstärkter Zwischenfruchtanbau mit zum Teil neuen Arten auf das Verhalten von Schädlingen und Krankheiten in der Hauptkultur auswirkt. In dieser Hinsicht unproblematisch sind Gräser, die als Biomasselieferant für Biogas zunehmend interessant werden (als Untersaat im Mais, im Getreide als Vorfrucht).

Gräser von Vorteil

Im Mais verbessern die Gräser die Befahrbarkeit bereits zur Ernte. Durch das anhaltende Wachstum auch über Winter machen sie die frühzeitige Ausbringung von Wirtschaftsdünger und Gärsubstraten möglich und entzerren damit die Lagerung und Ausbringung. Die bodenverbessernde Wirkung lässt sich durch die Beimischung von Klee oder Luzerne noch verbessern. Als Zwischenfrucht nach der Getreideernte kommen auch Blühmischungen in Frage, die bisher eigentlich nur als Randstreifenbegrünung für Mais eingesetzt wurden.

Laut Prof. Joachim Aurbacher von der Justus-Liebig-Universität Gießen lohnt sich der Zwischenfruchtanbau umso mehr, je weiter die Pachtpreise steigen.
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