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Kommentar

90 Minuten ohne die Landwirtschaft

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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
06.09.2017

Nach dem Brimborium um das TV-Duell frage ich mich: Spielt Landwirtschaft gar keine Rolle im Leben von Merkel und Schulz?

Für das TV-Duell der Kanzlerkandidaten Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) hätte ich noch ein paar Themen gehabt. Umwelt- und Naturschutz spielten ebenso wenig eine Rolle wie Landwirtschaft und Verbraucher. Gut, das mag der Choreografie der Sendeverantwortlichen geschuldet sein. Für eine gute Quote sollten Dieselskandal, Flüchtlinge und Erdogan sorgen. Was sind dagegen Tierwohl, Fipronil-Eier und Glyphosat?

Wer sich mit den Programmen der Parteien befasst, die zur Bundestagswahl antreten, dem begegnet ein sehr unterschiedlicher Umgang mit dem Themenkomplex „Landwirtschaft“. Die Alternative für Deutschland (AfD) schafft es, ihre bundespolitische Sicht der Dinge auf knapp zweieinhalb Seiten darzulegen. Wohl gemerkt: Landwirtschaft inklusive Umwelt-, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz.

Bei SPD-Spitzenmann Martin Schulz musste ich schon verdammt lange suchen, um ein Zitat zu finden, das sich auf die Landwirtschaft bezieht. Er betonte im März beim Bayerischen Bauernverband in Vilshofen: „Ich will auch künftig eine starke Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel.“
Das hätte er gerne beim TV-Duell wiederholen können. Immerhin wies er kurz auf die Marktmacht der Discounter hin. Diese würden sich nicht drum scheren, wenn die Mehrwertsteuer gesenkt werde, sondern die Preise stabil halten und den höheren Gewinn einfach einstreichen.

 

Hoffnung auf pfiffiges Personal

Kanzlerin Angela Merkel agiert seit zwölf Jahren so, dass man sie „an der Seite der Bauern“ verorten könnte. „Wir haben Ihnen unser tägliches Brot zu verdanken und deshalb stehen wir zu Ihnen“, versicherte sie zuletzt auf dem Deutschen Bauerntag im Juni. Die Freude über dieses Bekenntnis würde bei den Bauern sicher noch wachsen, wenn Merkel in der nächsten Legislaturperiode entsprechend pfiffiges Personal an die Spitze des Landwirtschaftsministeriums berufen würde.

Seid wählerisch

Am 24. September haben über sechs Millionen Niedersachsen das Privileg, den Deutschen Bundestag zu wählen. Bei aller Enttäuschung über das TV-Duell, das eher wie TV-Eintracht daherkam, sollten wir nicht vergessen, welche Chance uns die Demokratie damit bietet. „Dass man wählt, ist wichtiger, als was man wählt“, sagte Liedermacher Wolf Biermann jüngst in einem Interview. Er tourt mit über 80 Jahren noch, um die junge Generation aufzurütteln. Demokratie ist kein Selbstläufer. Deshalb kann ich mich Biermanns Forderung nur anschließen: „Seid wählerisch!“

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