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Achim (Kreis Verden): Flächenverlust bedroht Existenzen

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (M.) informierte sich bei Jörn Ehlers (Landvolk) und  Carolin Grieshop (KÖN) über „Achim-West“.
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Katja Schukies, LAND & Forst
am
05.09.2019

Weisen Kommunen neue Gewerbegebiete aus, stehen die Interessen der Landwirte öfter hintenan. Wie jetzt in Achim im Kreis Verden.

Rund 90 Hektar will die Stadt Achim (Landkreis Verden) dem neuen Gewerbegebiet samt Autobahnanschlussstelle „Achim West“ reservieren. Direkt am Bremer Kreuz zwischen A1 und A27 soll das gemeinsame Großprojekt „Achim-West“ der Städte Bremen und Achim entstehen.

Geplantes Investitionsvolumen: rund 140 Millionen Euro. Mit dem Großprojekt soll Industrie angesiedelt werden, sollen Arbeitsplätze entstehen und das chronisch verstopfte Bremer Kreuz entlastet werden.

Flächen bisher landwirtschaftlich genutzt

Doch die dafür vorgesehenen Flächen werden bisher landwirtschaftlich genutzt. „Es hat den Anschein, dass die existenzielle Bedrohung der Landwirtsfamilien überhaupt keine Rolle bei der Planung spielt“, ärgert sich Jörn Ehlers über die Vorgehensweise bei „Achim-West“. Er ist 1. Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Rotenburg-Verden.

Neun Landwirte bewirtschaften dort mindestens zehn Prozent ihrer Fläche. Einige könnten bis zu 70 Prozent ihrer Flächen verlieren, wenn das Gewerbegebiet tatsächlich kommt. „Die Landwirte fürchten um ihre Existenz“, macht Ehlers deutlich.

Bewirtschaftung restlicher Flächen unrentabel

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Zum einen sind die Landwirte größtenteils Pächter der Flächen. „Verkauft der Eigentümer seine Flächen an die Stadt, können sie nichts unternehmen und verlieren Ackerflächen“, betont Jörn Ehlers.

Zum anderen befinden sich in dem Gebiet zahlreiche kleine Parzellen, sodass ein Betrieb manchmal Flächen von bis zu 30 Eigentümern pachtet. Insgesamt gibt es 81 Eigentümer. Der Verkauf einiger weniger Flächen führt bereits dazu, dass die Bewirtschaftung der restlichen Flächen unrentabel wird.

Flächenpreise steigen

„Landwirte verlieren bei solchen Bauprojekten mehrmals“, erklärt der Landvolk-Vorsitzende. Sie verlieren Ackerflächen, die für das Projekt selbst und für vorgesehene Ausgleichsmaßnahmen benötigt werden.

Mit dem Kaufinteresse der Stadt Achim sind außerdem die Flächenpreise gestiegen, sodass sich der Ankauf für die jetzigen Pächter betriebswirtschaftlich nicht lohnt. Ersatzflächen sind dementsprechend ebenso teuer, falls sie überhaupt zu bekommen sind.

Betroffenheitsanalyse bei LWK beauftragt

Die Betroffenheit der Landwirte sei bisher in keiner Weise berücksichtigt worden. „Vor kurzem hat die Stadt zumindest eine Betroffenheitsanalyse bei der Landwirtschaftskammer in Auftrag gegeben, in der die Landwirte ihre Lage darstellen können. Deren Ergebnisse sollen in die Projektplanung mit einfließen“, erklärt Ehlers.

Für den Kreisverband und für die Landwirte ist dieser Schritt der einzig verbliebene, da rechtliche Schritte ausgeschlossen sind. Der Verband hat kein Klagerecht und da die Landwirte größtenteils Pächter und nicht Eigentümer der Flächen sind, gilt dasselbe auch für sie.

Ein Interview mit Jörn Ehlers lesen Sie in der LAND & Forst 36/19.

Mit Material von Silke Aswald
LAND&Forst

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