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Kommentar

Bauerndemos: Satthaben oder Sattmachen

Externer Autor ,
am
13.01.2016

Zur Grünen Woche in Berlin werden wieder Bauern demonstrieren. Zum letzten Mal getrennt voneinander? Das fragt sich Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst.

Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst © Phillip von Ditfurth

An Einladungen zu Pressekonferenzen vor der Grünen Woche besteht kein Mangel. Aber diese E-Mail ließ aufhorchen. Der Verein „Die Lebensmittelwirtschaft“ hatte in seinen Räumen - also quasi auf neutralem Boden - die Veranstalter jener beiden Demos zusammengebracht, bei denen Bauern getrennt voneinander auf sich aufmerksam machen. Positiv: Keine der beiden Seiten versuchte, sich vor der reichlich versammelten Hauptstadtpresse auf Kosten der anderen zu profilieren. Jeder machte deutlich, wofür er steht und welche Unterschiede er zum anderen sieht.

Gemeinsamkeit tut gut

Zwangsläufig kamen Gemeinsamkeiten zur Sprache: niedrige Milch- und Fleischpreise, übermächtige Strukturen im Einzelhandel, unzureichend informierte Verbraucher, landwirtschaftsferne Öffentlichkeit, fehlende Begleitung der begonnenen Veränderungsprozesse durch die Politik ... Mehr Gemeinsamkeit würde in der Tat gut tun in diesen Zeiten, in denen sich die Landwirtschaft nicht nur berechtigten Forderungen, sondern auch überzogenen Erwartungen und offenen Anfeindungen gegenübersieht.Zu begrüßen ist, dass sich die Veranstalter der Kampagne „Wir haben es satt!“ nun offiziell von Gruppen distanziert haben, zu deren Geschäftsmodell die Diffamierung von Landwirten und Landwirtschaft gehört. Man wird sehen, wie konsequent damit umgegangen wird. Schließlich diffamieren nicht nur die Trittbrettfahrer. Auch unter den offiziellen Trägern sind welche, die selbst Bioerzeuger in gute Biobauern und böses „Agrarindustrie-Bio“ unterteilen zu müssen glauben.

Wer ist die „Agrarindustrie“?

Und nicht immer ist das Gleiche gemeint, wenn die gleichen Begriffe benutzt werden. Das macht sich schon beim diesjährigen Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!“ fest. Wer genau diese „Agrarindustrie“ ist, bleibt im Ungewissen. Der durchschnittliche Familienbetrieb kann nicht gemeint sein, steht aber mit am Pranger, wenn mit dem Finger auf die Landwirtschaft gezeigt wird.

Guter Schritt zu mehr Dialog

„Solange die Diffamierer mitlaufen, sind wir nicht dabei“, stellte Marcus Holtkötter vom Gegenpol „Wir machen Euch satt!“ in Berlin klar. Das begonnene Gespräch will er fortsetzen. Dazu gibt es überraschend schnell Gelegenheit. Denn inzwischen hat man auch beim Bundeslandwirtschaftsminister gemerkt, dass es eigentlich seine Aufgabe ist, die Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft zu moderieren, und für Freitag eine Einladung ausgeprochen. Das ist guter Schritt zu mehr Dialog zwischen denen, die ihn tatsächlich wollen. Für eine gemeinsame Demo aber braucht es weit mehr.

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