Login
Kommentar

Bauerntag: Warme Worte, neue Töne

Thumbnail
Ralf Stephan, LAND & Forst
am
06.07.2017

Zwei Botschaften gingen vom Bauerntag aus. Die eine kam aus der Politik, die wichtigere aber aus dem Verband. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan war dabei.

So kurz vor den Wahlen herrschte an politischer Prominenz auf dem Deutschen Bauerntag kein Mangel: die Kanzlerin, ein EU-Kommissar (noch dazu der für den Haushalt zuständige), Spitzenpersonal aus allen Bundestagsfraktionen.

Sie alle machten deutlich, dass ihnen die Landwirtschaft wichtig ist. Das schien tatsächlich mehr als Höflichkeit zu sein. Die Worte waren wohlgesetzt, man stand also gut im Stoff oder hatte sich zumindest ordentlich vorbereitet.

Bauerntag: Politiker diskutieren über Massentierhaltung

Die Botschaft aus der Politik ist deshalb zunächst einmal eine erfreuliche: Alle Parteien wissen, wie wichtig die Landwirtschaft für die Gesellschaft ist und mit welcher großen Hingabe sie betrieben wird. Alle wollen sie nach Kräften auf dem Weg der bevorstehenden Veränderungen begleiten.

Und da beginnen die Unterschiede. Zwischen den Parteien bestehen zum Teil gegensätzliche Auffassungen, wohin dieser Weg führen soll. Symptomatisch für die Kluft war der Schlagabtausch, den CDU-Vertreterin Gitta Connemann und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt auf offener Bühne über den Begriff „Massentierhaltung“ führten.

Rukwied fordert eigene Vorschläge und Angebote

Mit der gleichen Offenheit muss man jedoch auch die vielen wohltuenden Worte bewerten, die im Tagungssaal zu hören waren. Das Bekenntnis zu einem auch nach dem Brexit gut ausgestatteten Brüsseler Agrarhaushalt einschließlich starker Erster Säule ist zweifellos ein ganz wichtiges Signal. Gerade in Zeiten, in denen manche am liebsten sofort Bauerngelder umschichten wollen.

Die in Berlin zeitgleich zum Bauerntag diskutierte „Ehe für alle“ erinnert jedoch daran, dass jähe Wendungen der Bundesregierung nie auszuschließen sind, wenn der politische oder finanzielle Druck nur groß genug ist.

Deshalb kam die eigentlich bedeutsame Botschaft aus dem Verband selbst. Präsident Rukwied schwor die Delegierten darauf ein, die immer wieder bekundete Veränderungsbereitschaft künftig mit eigenen Vorschlägen und Angeboten zu belegen.

Richtungsstreit im Bauernverband wird zunehmen

Wer darauf pocht, Bestehendes einfach unverändert fortzuführen, mahnte er, wird zu den Verlierern gehören - in der EU-Agrarpolitik wie in der gesellschaftlichen Debatte zuhause.

Der Verband würde damit in die Rolle des politischen Gestalters kommen und nicht länger die Vorschläge anderer nur bewerten müssen. Der interne Richtungsstreit zwischen Nord, Süd, Ost und West jedoch wird an Intensität zunehmen, das Verbandsleben sicher nicht bequemer. Dennoch ist der Kursschwenk, um den höchsten Gast des Bauerntages zu zitieren, alternativlos.

Auch interessant