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Kommentar

Auch beim Messen präzise sein

Ralf Stephan
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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
18.04.2019

Die Aussagekraft der Messstellen für Wassergüte wird oft bezweifelt.
Um gezielt handeln zu können, muss jedoch Klarheit her.

Diskussion um Düngerverordnung

Reden hilft, das sieht man gerade in der Politik. Berlin und Brüssel nehmen sich endlich die Zeit und sprechen ausführlich über die deutschen Anstrengungen, die EU-Nitratrichtlinie zu erfüllen. Und plötzlich ändert sich der Ton, Argumente werden hörbar. Die alte politische Tugend, miteinander zu reden statt übereinander, scheint immer noch zu funktionieren.


Die Offenheit, mit der jetzt über die Düngeverordnung gesprochen wird, hätte man sich ein paar Monate früher gewünscht. Dann wäre auch gar nicht erst das fast schon EU-feindliche Gerücht aufgetaucht, Brüssel wolle die deutschen Bauern zwingen, in nitratsensiblen Gebieten pauschal 20 % weniger zu düngen, als Pflanzen es benötigen. Nein, dieser fachliche Unsinn entsprang nicht den Hirnen weltfremder EU-Beamter. Vielmehr ist er ausdrücklicher Wunsch des Bundesumweltministeriums. In landwirtschaftlichen Fachfragen, so scheint es, hat diese Bundesregierung durchaus noch Gesprächsbedarf.

Daten müssen verlässlich sein

Weil jetzt alle Karten auf den Tisch kommen, wird auch die Frage nach der Verlässlichkeit des Nitrat-Messnetzes für unser Grundwasser neu gestellt. Darüber gab es schon bei der Novelle der Düngeverordnung vor zwei Jahren immer wieder Streit. Offen diskutiert wurde das Thema aber kaum. Nordrhein-Westfalens Umweltministerin will in ihrem Bundesland nun den Hinweisen nachgehen und lässt das Messnetz überprüfen. In Niedersachsen fordert die CDU vom Umweltminister, dem Beispiel der Nachbarn zu folgen.


Der Nabu-Landesverband wettert heftig dagegen. Statt die Probleme anzugehen, würden Daten und Fakten in Zweifel gezogen, schimpft der Nabu – und führt als sein schlagkräftigstes Argument Zahlen aus eben diesem Messnetz an. Das kann man machen. Es hilft nur nicht weiter. Denn um die Probleme wirksam anzugehen, muss man zunächst möglichst genau wissen, wo sie ihre Ursache haben. Kein Zweifel: Es gibt einen Überschuss an Stickstoff im Land. Ihn abzubauen ist ein klarer Auftrag, dem sich die Landwirtschaft stellt. Die neuplattdeutsch „Hotspots“ genannten Problemzonen sind bekannt, die Arbeit dort ist im Gange. Doch was ist mit den potenziell Roten Gebieten, in denen offenkundig die Landwirtschaft keinen Anteil an erhöhten Nitratwerten im Wasser hat? Gilt hier der Grundsatz „Mitgefangen, mitgehangen“? Oder will man vielleicht doch den tatsächlichen Quellen für die Einträge auf die Spur kommen? Dafür aber muss man wissen, was das Messnetz kann und was nicht. Präzision ist deshalb auch an dieser Stelle nötig.

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