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Agrarexport

Brexit wird Niedersachsens Agrarhandel schaden

Schinken
© pixabay.com
Birgit Greuner, LAND & Forst ,
am
07.05.2018

Der EU-Ausstieg Großbritanniens wird auch Folgen für Niedersachsens Land- und Agrarwirtschaft haben. Mit welchen negativen Entwicklungen wir rechnen müssen.

Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, auch Brexit genannt, hätte gravierende Folgen für die niedersächsische Land- und Agrarwirtschaft. Das Vereinigte Königreich ist der zweitwichtigste innereuropäische Absatzmarkt für Niedersachsen. Das machte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf einer Anhörung im Niedersächsischen Landtag in der vergangenen Woche klar.

Niedersachsen liefert nach Großbrittanien vor allem

  • Schweinefleisch,
  • Geflügelfleisch,
  • Milch und Milchprodukte.
  • Exportschlager sind Frühstücksspeck, Schinken, Rohwaren für die Herstellung von Fleischerzeugnissen sowie hochveredelte Convenience-Produkte.

Niedersächsische Arbeitsplätze in Gefahr

    Hortmann-Scholten warnte vor folgenden Entwicklungen:

    • Die niedersächsische Agrarwirtschaft erwirtschaftet einen Handelsbilanzüberschuss von gut 560 Millionen Euro. Bei einem Brexit sind deshalb Konsequenzen für niedersächsische Arbeitsplätze im Agrarbereich nicht auszuschließen.
    • Auch eine bundesweite Beeinträchtigung des Agrarhandels ist zu befürchten. Es seien vor allem neue britische Anforderungen an Nachweise zur Tier- und Pflanzengesundheit zu befürchten, die den Handel behindern und neue Unsicherheiten schaffen könnten.
    • Untersuchungen des Thünen-Instituts Braunschweigs wäre die Schweine- und Geflügelfleischerzeugung am stärksten betroffen. Das gilt sowohl für einen harten Brexit (klarer Bruch mit der EU) wie für einen weichen Brexit (weiterhin enge Anbindung an die EU). Bei der harten Variante würde der Produktionswert um über 2,7 Prozent sinken, bei der weichen um 0,9 Prozent.
    • Da Großbritannien bei einem Brexit als Nettozahler ausfalle, würden im EU-Haushalt elf Milliarden Euro fehlen. Diese müssten durch höhere Beiträge der verbleibenden 27 EU-Mitglieder und Einsparungen im Haushalt kompensiert werden.

    In diesem Zusammenhang warnte Hortmann-Scholten vor den Folgen von Kürzungen im Agraretat. „Nur mit einem stabilen Budget können die Herausforderungen der gemeinsamen Agrarpolitik gemeistert werden“, sagte der Kammerexperte.

    Dazu gehörten neben der Einkommenssicherung der landwirtschaftlichen Unternehmen auch die Sicherstellung von Agrarumweltleistungen und Maßnahmen gegen den Klimawandel.

    Mit Material von LWK Niedersachsen
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