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Kommentar

Bundestagswahl 2017: Wenn es Landwirten zu bunt wird

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
28.09.2017

Schwarz oder gelb wählen, aber Jamaika bekommen? Das Wahlverhalten der Bauern spricht eine klare Sprache, resumiert LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Traditionelle Farbkominationen sind nicht mehr Trumpf. Seit dem Wahlsonntag wissen wir, dass zwei Parteien keine Regierungskoalition mehr sind.

Eine dritte Farbe muss ins Spiel kommen, damit es zur Mehrheit reicht. Erst recht, weil Rot vorerst aussetzen will.Jamaika heißt der neue Trend. Benannt nach der schwarz-gelb-grünen Flagge der legendären Karibikinsel, auf der alle immer gute Laune haben, weil sie den ganzen Tag entspannte Reggaemusik hören und durch selbst erzeugte Rauchwolken in die Sonne blinzeln.

Nach der Bundestagswahl ist nicht vor der Wahl

Dieses Klischee ist so falsch wie eine Jamaika-Koalition für die Landwirtschaft entspannt zu werden verspricht. Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen: Angesichts dieser Konstellation stellt sich manches anders dar als vor der Wahl.
Ein Grund dafür ist, dass es im Bund vier Parteien braucht, um Jamaika zu bilden. Schwarz besteht eben auch aus der CSU, die nun nach gemeinsamen Zielen mit den Grünen und den Liberalen suchen muss.

Verschwindet Landwirtschaft in Verhandlungsmasse?

Die Flüchtlingsfrage und der Klimaschutz - Stichwort Dieselmotor – dürften zwei ganz entscheidende Knackpunkte sein, an denen alle beteiligte Parteien vor ihren Wählern unbedingt Rückgrat beweisen müssen. Der Landwirtschaft droht damit allerdings die Rolle der Verhandlungsmasse zuzufallen.

Genau das darf aber auf keinen Fall geschehen. Die Bauern und ihre Familien arbeiten gerade mit Hochdruck daran, eine zukunftsfähige Landwirtschaft aufzubauen, die nicht nur sichere Nahrungsmittel produziert, sondern auch Stabilität in den ländlichen Räumen.

Ländliche Räume ohne Nährboden für Protestwahlverhalten

Ein tieferer Blick auf die Wahlergebnisse spricht eine klare Sprache: Zum einen finden extreme Parteien mit radikalen Ansichten in der Berufsgruppe der Landwirte viel weniger Widerhall als in der übrigen Bevölkerung.

Zum anderen bilden ländliche Regionen mit einem starken Agrarbusiness wenig Nährboden für Perspektivlosigkeit und Protestwahlverhalten.

Vor der Niedersachsenwahl klare Zeichen setzen

Die stärkste Kraft der künftigen Bundesregierung ist gut beraten, wenn sie noch vor der Niedersachsenwahl klare Zeichen setzt. Die CDU wurde von über 60 % der Landwirte gewählt. Von solcher Zustimmung können andere Parteien zu träumen.

Mit dieser absoluten Mehrheit verbinden viele die Erwartung, dass sich die Partei selbst um Zukunftsfragen der Agrarbranche kümmert, sie zumindest nicht auf dem Altar der Koalitionsverhandlungen opfert. Der Kanzlerin, die sich im Sommer auf dem Deutschen Bauerntag klar hinter die Landwirte gestellt hatte, wird jetzt viel staatsmännisches Geschick abverlangt.

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