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Kommentar

Direktzahlungen: Geld aus Brüssel früher auszahlen

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
20.07.2018

Es gibt einen einfachen Weg, dürregeschädigten Landwirten aus der Liquiditätsklemme zu helfen. Zeit genug bleibt.

Sommerlich-warme Luftmassen bleiben wetterbestimmend – so beginnt der Blick auf das Agrarwetter in dieser Ausgabe. Wie schon in zu vielen Wochen zuvor. Die für den Wetterbericht zuständigen Kolleginnen versuchen es mit Galgenhumor: Eigentlich könnten wir den von voriger Woche stehen lassen.

Das tun sie natürlich nicht. Aber der etwas makabre Scherz macht den Ernst der Lage auf den Ackern, Wiesen und Weiden nur allzu deutlich. Die jüngste Ernteschätzung des Landvolks geht von einem Minus von zwei Millionen Tonnen Getreide gegenüber dem Vorjahr aus. Und das fiel nach dem Regendesaster bereits unterdurchschnittlich aus.

Fast schon bedrohlich ist die Futterversorgung zu nennen. Auf dem Grünland wächst kaum noch Futter nach, der Mais bleibt im Wachstum stecken. In östlichen Nachbarländern stehen bereits Kühe zum Verkauf, weil das Futter nicht reichen wird.

Der Ruf nach Dürrehilfen

Auf Bundesebene wird der Ruf nach Dürrehilfen laut. Für Hilfsmaßnahmen bei solchen Extremwetterereignissen sind zwar die Länder zuständig. Erreicht die Notlage nationale Ausmaße, könnte auch der Bund tätig werden.

Solche Hilfsmaßnahmen sind für die Betroffenen in jedem Fall wichtig. Allerdings ist bekannt, dass sie mit einem aufwändigen Prozedere verbunden sind. Oft dauert es dann Monate, bis das dringend erwartete Geld endlich in den Betrieben ankommt.

Ernteausfallversicherungen schaffen keine Entlastung

Auch die auf dem Deutschen Bauerntag in Wiesbaden ausführlich diskutierte Möglichkeit steuerbegünstigter Ernteausfallversicherungen schafft in diesem Jahr keine Entlastung. Denn solche Angebote gibt es noch nicht. Und sollten sie tatsächlich einmal verfügbar sein, müssen Betriebe sie sich auch leisten können.

Drei oder vier wetterbedingte Missernten hintereinander schienen vor einigen Jahren noch unvorstellbar. Inzwischen sind sie in einigen Regionen eine reale Bedrohung geworden. Manchen Betrieben dort würde selbst das Geld für eine Ausfallversicherungen auf die nächste Ernte fehlen.

Es bleibt noch genug Zeit

Doch es gibt eine sehr praktikable Möglichkeit, den Höfen Luft zu verschaffen. Damit sie allen zum Jahresende auflaufenden Zahlungsverpflichtungen nachkommen können, ist die vorgezogene Überweisung der Direktzahlungen eine große Hilfe.

Alle Kontrollen und Abgleiche vorfristig abzuwickeln, stellt für die Landwirtschaftskammer zwar eine große Herausforderung dar. Jedoch bleibt noch genug Zeit, sich auf das Arbeitshoch einzustellen - sofern die Entscheidung recht bald fällt. Der Ball liegt jetzt beim Ministerium in Hannover.

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