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Marktkrise

Einkommen der Landwirte brechen ein

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
17.03.2016

Rückgänge im Unternehmensergebnis von 10 bis 30 % zeichnen sich nach Schätzungen der Kammer für die Betriebe in Niedersachsen ab. Politiker bekunden Betroffenheit, hüllen sich über konkrete Hilfen aber in Schweigen.

Bestätigen sich die aktuellen Vorschätzungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sehen Landwirtschaftsbetriebe aller Ausrichtungen im laufenden Wirtschaftsjahr dramatischen Einbrüchen der Unternehmensergebnisse entgegen.

Nach Erhebungen vom Januar sinkt das Ergebnis im Gesamtdurchschnitt um etwa 17 % von rund 44.600 Euro im schon unterdurchschnittlichen Wirtschaftsjahr 2014/15 nochmals auf nun 36.500 Euro. Zum Vergleich: Im fünfjährigen Mittel seit 2010 wurde mit knapp 64.600 Euro abgeschlossen.

Schwere Zeiten für Futterbau- und Veredlungsbetriebe

Am schwersten trifft es erwartungsmäß Futterbau- und Veredlungsbetriebe. Sie verlieren jeweils rund 27 % zum Vorjahr. Den Familien stünde demnach lediglich ein Jahresergebnis von 24.000 Euro (Futterbau) bzw. 28.200 Euro (Veredlung) für Investitionen und die eigene Entlohnung zur Verfügung. Bei Ackerbau- und Verbundbetrieben zeichnet sich ein Minus von jeweils zehn Prozent ab.

Botschaft ernst nehmen

Vorgestellt wurden die Zahlen am Donnerstag voriger Woche beim Parlamenarischen Abend der Kammer in Hannover. Unter den 120 Gästen waren neben Landtagsabgeordneten auch Sozialministerin Cornelia Rundt, Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne).

Landtagspräsident Bernd Busemann forderte dazu auf, die schlechten Nachrichten aus der Branche ernst zu nehmen. Der ländliche Raum müsse auch weiterhin für Stabilität, für „Anpacken und Zusammenhalt“ stehen. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass hart arbeitende Menschen das Gefühl beschleicht, nicht mehr gewollt zu sein.

Landwirte nicht im Stich lassen

Auch Minister Meyer betonte, wie wichtig es sei, die Landwirte nicht im Stich zu lassen. Dass es sich um eine Wirtschaftskrise handele, machte er an einer Zahl deutlich: „ Zehn Cent weniger pro Kilo Milch bedeuten 600 bis 700 Millionen Euro weniger Einnahmen für die niedersächsischen Milchbauern.“

Die Politik müsse nun eingreifen, damit Landwirte den Preis erhielten, den ihre Produkte verdienten. Konkrete Maßnahmen des Landes kündigte er jedoch nicht an.

Dank an Landwirtschaftskammer

Der Minister dankte der Kammer für die Abwicklung der Direktzahlungen, die sich durch die neuen EU-Vorgaben um 20 % bürokratieaufwändiger gestaltet habe. Darüberhinaus spiele die Kammer eine entscheidende Rolle bei der Beratung, Innovationsförderung und Neuausrichtung der Betriebe.

Landwirtschaftskammer als zuverlässige Agrarverwaltung

In seiner Begrüßung beschrieb Kammerpräsident Schwetje die Bedeutung der Landwirtschaftskammer als verlässlichen Partner für Politik und Praxis. Das Land setze auf die Kammer als zuverlässige Agrarverwaltung. „Landwirte, Gärtner, Forstwirte und Fischer, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, schätzen das Wissen unserer Fachleute. Die vielen positiven Rückmeldungen bestätigen uns in unserer Arbeit“, sagte Schwetje.

Der Kammerpräsident versicherte, dass es oberste Prämisse bleibe, die Aufgaben für unsere Kunden, darunter auch das Land Niedersachsen, in gewohnter Weise erledigen. Dafür brauche man jedoch vom Land die dafür notwendige Finanzierung. Er setze darauf, „dass im Zuge der Novellierung des Kammergesetzes wieder geregelte Verhältnisse eintreten“.

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