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Kommentar

Nach der 'Wir machen Euch satt'-Demo: Dialog als ständige Aufgabe

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
26.01.2017

Zur Demonstration „Wir machen Euch satt!“ kamen weniger Bauern als erwartet. Das aber ist keineswegs ein Problem, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Waren es nun 700 oder doch nur gut 500 Teilnehmer, die sich in gelben Westen vor dem Berliner Hauptbahnhof zum Verbraucherdialog versammelten? Eigentlich egal, denn so oder so kamen über den breiten Bauerndaumen geschätzt nur halb so viele wie im vorigen Jahr. War die Demonstration also etwa kein Erfolg?

Großdemo gegen kleine Dialogbewegung

Mitnichten. Denn zum einen war das Medieninteresse groß, und kaum ein Bericht über die danach folgende bunte Großdemo gegen Agrarindustrie oder das, was viele dafür halten, kam ohne den Hinweis auf die kleine Dialogbewegung „Wir machen Euch satt!“ aus.

Zum anderen fand der größere und vermutlich sogar wirksamere Teil der Demonstration gar nicht in Berlin statt, sondern in Braunschweig, Celle, Hohenkirchen, Meppen, Nordhorn, Soltau oder Stade. Und das war gut so, schließlich lautete das Motto des Tages: „Dialog statt Protest“. Vor allem auf den Dialog mit den Nachbarn und Verbrauchern kommt es doch an. An sie richtet sich die Aufforderung: Frag‘ doch mal den Landwirt!

Bernhard Barkmann, Landwirt im südlichen Emsland und einer der Organisatoren der Berliner „Wir machen Euch satt!“-Aktion, rief seine Berufskollegen deshalb am Schluss völlig zu Recht dazu auf, den begonnenen Dialog nach Hause zu tragen und dort immer wieder neu aufzunehmen. Das ist wichtiger, als es paar Sekunden Fernsehbilder von einer großen, lärmenden Menge sind.

Berliner Demo bringt auch Landwirte miteinander ins Gespräch

Eine weitere Beobachtung, die für die Berliner Aktion spricht: Sie bringt nicht nur Präsenz in den Medien und sozialen Netzwerken, nicht nur Dialog mit den Verbrauchern, sondern auch Landwirte miteinander ins Gespräch. Vor dem Hauptbahnhof ließen sich AbL-Funktionäre ebenso sehen wie Bundestagsabgeordnete der Grünen. Der DBV-kritische Bauernbund Brandenburg erhielt Redezeit, und die Mitglieder des märkischen Landesbauernverbandes spendeten dem Redner Applaus.

Zugegeben, beim Thema Wolf, das er sich wählte, sind die Gemeinsamkeiten im Moment besonders offenkundig. Aber wenn der Dialog erst mal im Gang ist, entdeckt man vielleicht noch mehr davon.

Dialog bleibt ständige Aufgabe

Die auf der Grünen Woche ausgerollten Lieblingsthemen von Umweltpolitikern oder Tierschutzorganisationen lassen erwarten, dass ein Zusammenrücken schon bald nötiger denn je werden könnte. Tierwohl-Milch im Discounter, Agrarpolitik als reine Umweltpolitik, der ländliche Raum als Naturreservat - das sind nur einige Schlaglichter auf kommende Diskussionen. Keiner sagt, dass lauter Protest nicht nötig ist, ab und an. Dialog aber bleibt eine ständige Aufgabe.

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