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Kommentar

„Scharnier“ zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

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Katja Schukies, LAND & Forst
am
05.09.2018

Land ist knapp. Für die Städte, für Bauern - und den Naturschutz. Dabei müssen sich landwirt- schaftliche Nutzung und Naturschutz nicht ausschließen.

Rund 60 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Noch, denn die Konkurrenz um die Fläche ist groß. Vor allem die Siedlungs- und Verkehrsflächen wachsen: Jeden Tag schlucken sie rund 9,5 ha Landwirtschaftsfläche. Bei diesem Tempo wird einem durchschnittlichen niedersächsischen Bauernhof mit rund 85 ha innerhalb von nur neun Tagen die Existenzgrundlage entzogen. Ultramoderne Logistikzentren, der Bau der A 39 und viele LKW-Rastanlagen entlang der Autobahnen lassen grüßen.

Katja Schukies, Leitung regionale Berichterstattung

Gleichzeitig leidet die Natur: Wo Straßen und Häuser Flächen versiegeln, Gärten zu vermeintlich pflegeleichten Steinwüsten mutieren und intensive Landwirtschaft das Landschaftsbild beherrscht, bleibt Insekten, Rebhuhn oder Kiebitz wenig Lebensraum – und wenig zu beißen.
Doch damit nicht genug. Viele Bauvorhaben verlangen „Ausgleich und Ersatz“ – Kompensationsmaßnahmen, um der Natur Fläche zurückzugeben. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Auch hier greifen Städte und Kommunen gern auf Landwirtschaftsflächen zurück.

„Scharnier“ zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

Immer mehr Bedeutung gewinnen daher der Vertragsnaturschutz und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Nutzern und Schützern. Dieses Feld beackert seit genau 20 Jahren erfolgreich die Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen. Sie ist landesweit gut vernetzt und weiß die Grundeigentümer an ihrer Seite. Nicht umsonst beteiligen sich Jahr für Jahr rund 150 Landwirte an ihren Maßnahmen. Auch die Gremien der Stiftung haben eine hochkarätige Besetzung. Daher sieht sie sich selbst als „Scharnier“ zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, Wissenschaft und praktischer Umsetzung.

Neue Konzepte gefragt

Die Stiftung will Biodiversität auch auf knapper Fläche sicherstellen. Dazu setzt sie gemeinsam mit den Grundeigentümern auf Blühstreifen, Feldvogelinseln und andere wildtierfreundliche Maßnahmen. Doch es braucht auch neue Konzepte, vor allem die „produktionsintegrierten“ Naturschutzmaßnahmen. Um diese dreht sich das Dialogforum „Biodiversität in der Agrarlandschaft“, das die Stiftung Kulturlandpflege in dieser Woche in Schneverdingen durchführt. Wie wichtig das ist? Viele Landwirte wollen zur Biodiversität und zum Artenschutz beitragen. Es dürften umso mehr werden, je besser die Naturschutzmaßnahmen zur betrieblichen Realität passen. Der Nutzen für alle Seiten ist dank der unermüdlichen Arbeit der Stiftung fast unbezahlbar. Und er entspringt genau ihrem Motto: „Naturschutz mit dem Grundeigentümer, nicht gegen ihn.“

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