Login
Kommentar

Glyphosat: Was erlaube sich Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt?

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Ralf-Stephan-land-forst-chefredakteur-niedersachsen
LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan © Philipp von Ditfurth
von , am
06.12.2017

Der Alleingang von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt schlägt hohe Wellen. Es geht – schon wieder – gar nicht mehr um Glyphosat.

Auf der Liste legendärer Wutausbrüche vor laufender Kamera steht die Abrechnung des Fußballtrainers Trapattoni mit seinen schlaffen Bayern-Spielern weit oben. Noch 16 Jahre danach belebt seine Frage „Was erlaube Strunz?“ die deutsche Alltagssprache.Vergleichbar groß scheint bei einigen die Wut über die Entscheidung von

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Sachen Glyphosat zu sein. Auf „Was erlaube Schmidt?“ lassen sich die empörten Reaktionen seit seiner Zustimmung zur verlängerten Zulassung des Wirkstoffs zusammenfassen. Ja, was erlaubt er sich eigentlich?

Christian Schmidt hat Warnschuss abgefeuert

Vor allem hat er sich erlaubt, als zuständiger Minister überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Damit füllte er einen seit Monaten bestehenden Leerraum, den deutsche Innenpolitik in Brüssel hinterließ.

Dass ein Land wie Deutschland in einer solchen Frage keine Meinung hat, sondern sich der Stimme enthält und damit 28 Mitgliedstaaten blockiert, ist eine Peinlichkeit, die sich nicht wiederholen darf. Schmidt hat den Warnschuss abgefeuert.

Viel Beifall für den Bundeslandwirtschaftsminister

Mindestens genauso wichtig: Plötzlich setzt sich doch noch die Wissenschaft durch. In den parteipolitischen Ränkespielen drohte sie schon gar keine Rolle mehr zu spielen. Den Ton gaben in Unterschriftensammlungen und Umfrageergebnisse gegossene Emotionen an.

Dass dies nicht der neue Standard für weitreichende wirtschaftliche und umweltpolitische Entscheidungen wurde, erlaubte sich Schmidt ebenfalls zu verhindern.

Auffällig war, wie viel Beifall es für den scheidenden Bundesminister von Kommentatoren gab, die des Agrarlobbyismus unverdächtig sind. Der Vernunft wurde doch noch zum Sieg verholfen, hieß es in der Tagesschau, der Süddeutschen oder der Braunschweiger Zeitung. Den Verfassern ging es dabei weniger um den Wirkstoff als um den Politikstil, der sich breitgemacht hatte.

Die Zeit von Glyphosat geht dem Ende zu

Natürlich ist es ebenfalls kein guter Stil, die innerhalb einer Regierung geltenden Verhaltensregeln zu verletzen. Schmidt dürfte sich darüber im Klaren gewesen sein, dass er seiner Karriereplanung nicht gerade einen Schub verpasste. Dass er sich trotzdem auf die Seite wissenschaftsbegründeter Politik schlug, spricht für ihn.

Glyphosat-Anwender können ihm dafür auf zwei Wegen Respekt beweisen. Zum einen sind Fachleute überzeugt, dass sich der Mitteleinsatz reduzieren lässt. Das sollte sichtbar werden. Und zum anderen sollte niemand einfach darauf hoffen, dass in fünf Jahren erneut ein Alleingang über die Zulassungsverlängerung entscheidet. Die Zeit von Glyphosat geht auf ihr Ende zu.

Auch interessant