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Kommentar

Initiative Tierwohl: Durch Weglaufen wird nichts besser

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
26.10.2016

Beide Tierschutzorganisationen haben die Intiative Tierwohl verlassen. Das hilft eher den Mitgliedern als den Tieren, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Zugegeben, mit Bildern wie aus dem schwäbischen Schweinemastbetrieb möchte man seinen Namen möglichst nicht in Verbindung gebracht sehen. Deshalb dürfte es kein Zufall sein, dass der Kieler Verein ProVieh die Initiative Tierwohl verließ, kurz nachdem im Stern-TV Aufnahmen von gravierenden Tierschutzvergehen in einem auditierten Betrieb liefen. Die aufgebrachten Mitglieder und Spender dürften aufgeatmet haben.

Zu früh für Grabreden

Nach dem Tierschutzbund ging nun ein weiteres Gründungsmitglied. Ist die von der Landwirtschaft und dem Handel getragene Initiative damit am Ende? Das in kurzer Zeit Erreichte spricht eine andere Sprache: Über 255 Millionen Schweine, Hähnchen und Puten in mehr als 3.000 Betrieben kommen in den Genuss von Maßnahmen, die die Initiative Tierwohl fördert. Keine andere Initiative, kein Tierschutzlabel kann Vergleichbares aufweisen. Für Grabreden ist es also zu früh.

Es geht zu langsam

Doch es wird nun noch schwieriger werden, die Vorzüge dieses freiwilligen Verbundes zu erklären. Tierschutzbund und ProVieh beklagen, es gehe alles zu langsam, die Maßnahmen reichten nicht aus. Das mag man für übertrieben halten. Die eigentliche Crux besteht aber darin: Mittlerweise müssen selbst solche Organisationen, die unterm Strich immer noch klar zur Notwendigkeit einer modernen Nutztierhaltung stehen, dem Druck von Radikalverweigerern und Tierrechtlern nachgeben.

Ihr Heil suchen sie nun in eigenen Aktivitäten. Die aber können nur Erfolg haben, wenn sie in das immer mal wieder angekündigte staatliche Tierschutzlabel münden. Warum ein gesetzliches Siegel notorische Stalleinsteiger davon abhalten sollte, weiter ihr Unwesen zu treiben, gehört dabei zu den offenen Fragen.

Den Dialog mit Tierschutzorganisationen suchen

Der Initiative Tierwohl bleibt nichts anderes übrig, als weiter um Vertrauen und um Geld zu werben. Die Bereitschaft der Tierhalter ist nach wie vor groß. Um die Beteiligten wie auch das gesamte Vorhaben zu schützen, müssen aber die Kontrollen geschärft werden. Bei den über 6.000 Audits wurden gerade einmal in drei Prozent Verstöße gegen die Kriterien festgestellt. Das konnte man bisher als Erfolg sehen. Nach den Bildern aus dem auditierten Stall in Schwaben ist klar, dass dieses gute Gefühl sehr trügerisch war.

Und man wird neue Wege für den Dialog mit jenen Tierschutzorganisationen suchen müssen, die Tierhaltung in Deutschland wollen. Auch wenn es nun schwieriger ist, weil man nicht ständig an einem Tisch sitzt.

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