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Kommentar

Klimaschutz: Wer schützt die Landwirte?

Maren Diersing-Espenhorst
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Maren Diersing-Espenhorst, LAND & Forst
am
27.06.2019

Regional einkaufen für den Klimaschutz und für unsere Landwirte, fordert LAND & Forst-Chefredakteurin Maren Diersing-Espenhorst.

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich bin total verwirrt – mal wieder. Was war eigentlich letzte Woche das Ziel des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union? Kaffeeklatsch? Teestunde? Schnittchen futtern?

Klimaschutz kann es ja wohl nicht gewesen sein. Denn auf die Klimaneutralität der Gemeinschaft bis 2050 hat man sich in Brüssel nicht einigen können. Treibhausgasneutral bedeutet übrigens, dass verbleibende Emissionen komplett ausgeglichen werden, zum Beispiel durch Aufforsten oder Speichern der Treibhausgase.

Anfang 2020 soll die neue Klimastrategie der EU fertig sein und den Vereinten Nationen übermittelt werden. Ob das etwas wird, sei mal dahingestellt, denn vor allem Polen, Ungarn und Tschechien stellen sich quer.

Junge Menschen für unseren Planeten

Also, warum reisten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Co. mit den nicht so wirklich klimafreundlichen Regierungsflugzeugen nach Belgien? Das bringt mich zu einer weiteren, mich irritierenden Frage: Wieso, um alles in der Welt, reist man unter anderem aus Indien zu einer Fridays for Future-Demo nach Aachen?

Und wie ist man dort hingekommen? Mit dem Fahrrad? Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, liebe Landwirte, ich finde es bewundernswert, dass und wie sich die jungen Menschen für unseren Planeten einsetzen. Schließlich geht es um ihre und unsere Zukunft.

Verantwortung auf europäische Landwirte schieben

Deshalb kann ich auch nachvollziehen, dass bei der Gemeinsamen Agrarpolitik 2020 Klima- und Umweltschutzziele ganz oben auf der Agenda stehen. Was mich aber wirklich wütend macht, ist, dass man – so fühlt es sich für mich jedenfalls an – die gesamte Verantwortung für unseren Planeten auf die Schultern der europäischen Landwirte lädt.

Na gut, seien wir fair, auch die Energiekonzerne werden angegriffen. Die Bürger selbst scheinen sich keiner Verantwortung bewusst zu sein. Sie fliegen weiter munter in den Urlaub, kaufen Südfrüchte zu allen Jahreszeiten, genießen am liebsten argentinisches Rindfleisch und sind überzeugt von asiatischen Plastikprodukten.

Regional einkaufen für den Klimaschutz

Das hat nichts mit Gemeinschaft und Solidarität zu tun. Wir sollten als Gesellschaft gemeinsam an sinnvollen Wegen aus der Misere arbeiten. Dazu gehört es auch, dass, wie von Bauernpräsident Joachim Rukwied gefordert, häufiger regionale Produkte im Einkaufskorb landen. Das schont die Umwelt, fördert die heimische Landwirtschaft und ist einfach lecker. Damit beweisen wir als Verbraucher Geschmack.

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