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Landvolk-Mitgliederversammlung

Kommentar: Vorsicht, Bescherung!

© Philipp von Ditfurth
Ralf Stephan, LAND & Forst ,
am
16.12.2015

Warme Worte passen gut in die Vorweihnachtszeit. Nicht immer sind sie glaubwürdig.

Es bereitet wenig Mühe, die aktuelle Agrarpolitik des Bundes zu kritisieren: das Programm zur homöopathischen Liquiditätshilfe, die unsinnigen Verschärfungen in der geplanten Düngeverordnung, der praxisferne Stichtag für Blühstreifen, der ausbleibende Erfolg bei der Umschichtung der Superabgabe in den EU-Milchmarkt, die Taten- bzw. Machtlosigkeit in der Embargopolitik. Solche Vorlagen lässt ein Vollblutpolitiker nicht ungenutzt.Auf der Landvolk-Mitgliederversammlung kamen aus dem Munde des zuständigen grünen Landesministers denn auch Sätze, die selbst hartgesottene Verbandsfunktionäre erst einmal stutzen ließen. Man dürfe mit den Auflagen jetzt nicht überziehen, hörten sie. Und dass er gegen das, was der Bund in der Düngeverordnung plane, ganz auf ihrer Seite stehe. Ohnehin habe Niedersachsen tolle Landwirte, was auch am radikalen Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung abzulesen sei.

Weihnachtsstimmung im Konferenzsaal

Für einen kurzen Moment zog ein Hauch von Weihnachtsstimmung durch den Konferenzsaal: Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen... Der war schnell ausgehaucht, als Delegierte an frühere Aussagen des Redners erinnerten. In der Tat muss man nicht allzu tief in der Vergangenheit wühlen, um nachzulesen, was Niedersachsens Agrarminister über Landwirte und ihr Verhältnis zu Tieren oder zur Umwelt an anderer Stelle sagt. Tierqual in riesigen Anlagen, grausame Praktiken im Umgang mit Nutztieren, Niedersachsen als Kernland der Massentierhaltung, Artensterben, überdüngte Felder, gefährdete Gewässer, Ausbeutung von Menschen aus Osteuropa, die auf unseren Feldern als ErntehelferInnen schuften - das sind ebenfalls Meyer-Originaltöne. Nachzulesen in seiner Bewerbung für den Parteirat der Grünen (www.gruene.de). Sie wurde vor knapp vier Wochen mit großer Mehrheit angenommen.

Parteirat-Meyer auf dem Holzweg?

Ein Minister, der so klar für „seine“ Bauern Partei ergreift, wie es Meyer vor dem Landvolk tat, müsste eigentlich mit tosendem Beifall bejubelt werden. Im konkreten Fall liegen die Dinge anders. Offenkundiger konnte das Glaubwürdigkeitsproblem nicht zutage treten, das der Minister inzwischen hat. Nach dem höflichen Applaus formulierten die Delegierten deshalb auch nur einen einzigen Wunsch an ihn: „Sie haben dazu beigetragen, Verbraucher, Nachbarn, Politik und Medien auf die Bäume zu treiben, jetzt helfen Sie uns auch, sie wieder herunterzuholen.“ Dem Minister-Meyer, wie er beim Landvolk redete, sollte dies ein Leichtes sein. Dann aber wäre Parteirat-Meyer ja völlig auf dem Holzweg.

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