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Studie zur Biodiversität

Konventioneller Ackerbau günstiger für Artenvielfalt

AgE/agrarheute
am
27.01.2016

Gemessen am Ernteertrag leistet der konventionelle Ackerbau einen größeren Beitrag zur Biodiversität als der ökologische Landbau. Das zeigt eine Studie des Berliner Humboldt Forum for Food and Agriculture (HFFA).

Viele Studien belegen: Ökolandbau ist besser für die Artenvielfalt. Das gilt aber offenbar nicht, wenn man diesen Effekt in Bezug zum Ertrag setzt. Berliner Forscher stellten das fest - und zogen sich den Ärger von Ökoverbänden zu. Die Studie stellte der Industrieverbands Agrar (IVA) jetzt auf der Grünen Woche in Berlin vor.

Ökolandbau: Bewirtschaftete Ackerfläche zählt

Die Essenz dieses Vergleichs: Ökolandbau ist nur dann vorteilhafter für den Erhalt der Artenvielfalt, wenn man allein die bewirtschaftete Ackerfläche zum Maßstab nimmt. Bezogen auf den Ertrag gehe dagegen bei der konventionellen Bewirtschaftung deutlich weniger Artenvielfalt verloren.

 

Flächenertrag konventioneller Landwirtschaft doppelt so hoch

Nach Angaben des HFFA-Geschäftsführers und Studienautors Dr. Steffen Noleppa liegt die Ursache für diesen Effekt in dem mehr als doppelt so hohen Flächenertrag der konventionellen Landwirtschaft. Noleppa stützt sich dabei auf Daten aus dem Testbetriebsnetz des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Danach haben Ökobetriebe im Untersuchungszeitraum im Mittel um 51 % geringere Erträge erzielt als die konventionellen Vergleichsbetriebe, wobei der Abstand in den letzten Jahren sogar gewachsen sei. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Ökoflächenbedarf für die gleiche Erntemenge mehr als doppelt so hoch sei.

 

Auch Ökolandbau bringt 67 Prozent weniger Artenvielfalt

Laut Noleppa sind die tatsächlichen Unterschiede bei den Verlusten an Artenvielfalt in beiden Verfahren gar nicht so groß. Verglichen mit einem natürlichen Ökosystem weise eine Agrarfläche in ökologischer Bewirtschaftung bereits eine um 67 % geringere Artenvielfalt auf, da auch der Biobauer seine Kulturpflanzen vor Unkräutern, Pilzen oder Schädlingen schütze. Dagegen gehe die Artenvielfalt im konventionellen Landbau nicht zuletzt durch den chemischen Pflanzenschutz im Mittel um 86 % gegenüber einem natürlichen Ökosystem zurück.

Vergleich ökologisch/konventionell sollte mehrdimensional erfolgen

Nach Ansicht der Autoren braucht es bei der vergleichenden Bewertung der Effekte des ökologischen und des konventionellen Landbaus auf die Artenvielfalt eine mehrdimensionale Perspektive. Eine nur auf die Fläche bezogene Betrachtung übersieht das primäre Ziel des Ackerbaus, nämlich die Produktion von Nahrungsmitteln und anderen Agrarrohstoffen. Angemessener sei daher, die Biodiversitätsverluste zur Erntemenge je Flächeneinheit in Beziehung zu setzen.

Mehr zum Thema und welche ungenutzten Möglichkeiten es noch gibt lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 04/2016 auf Seite 8. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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