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Kommentar

Landespolitik in Niedersachsen: Das Ende des grünen Pullovers

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Die stellvertretende LAND & Forst-Chefredakteurin Sabine Hildebrandt © Jan Philipp Eberstein
von , am
08.11.2017

Am 14. November tritt in Hannover ein neuer Landtag zusammen. Was bleibt von der Phase Meyer?

Den Titel „Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ kann Christian Meyer künftig nur mit dem Zusatz a.D. führen – außer Dienst. Für den Mann mit dem grünen Pullover und dem gutmütigen Gesichtsausdruck eines Beichtpfarrers ist auf der Regierungsbank im Leineschloss kein Platz mehr.

Christian Meyer hat als erster grüner Landwirtschaftsminister in der Geschichte des Landes Spuren hinterlassen. Spuren, die so tief sind, wie die Reifenabdrücke der Maishäcksler, die sich durch den Morast gekämpft haben. Spuren, die von Verletzungen zeugen, weil sie bis an das Innerste der Bauernseele gehen. Spuren, die sich nicht verwischen lassen.

2.000 landwirtschaftliche Betriebe schlossen die Hoftore

Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb über den 42-Jährigen: „Man ahnt, wie sehr er (...) den praktizierenden Großbauern auf die Nerven geht als Mensch von der Uni, der sie nicht nur mit Besserwisserei quält, sondern mit einer Moral, die ihr Geschäft infrage stellt.“

Ganz davon abgesehen, dass auch viele Bauern studiert haben, ist der Grüne Meyer besonders den „Kleinbauern“ auf die Nerven gegangen. Während seiner Amtszeit schlossen 2.000 Betriebe für immer ihre Hoftore.

Dazu kamen noch mehr Bürokratie, zunehmende Kontrollen, höhere Auflagen. Genau das Gegenteil hatte Meyer immer behauptet. Er wollte mit seiner Politik den kleinstrukturierten Familienbetrieb fördern. Viele Landwirte kapitulierten.

Programm Christian Meyer

Christian Meyer kannte in den vier Jahren seiner Amtszeit nur ein Programm. Und das hieß Christian Meyer. Mit der Zielsicherheit eines PR-Profis platzierte er bei jeder Gelegenheit seine Lieblingsbegriffe „Massentierhaltung“ und „Agrarwende“.

Für jedes komplizierte Problem hatte Meyer einfache Antworten, auch wenn seine Fachleute im Ministerium die Hände über dem Kopf zusammen schlugen.

Landwirte per se unter Generalverdacht

Popularität und Populismus gehörten für den Ex-Minister offenbar zusammen. Das war es aber nicht, was die Bauernseele belastete. Geradezu quälend war seine Respektlosigkeit. Meyer stellte die Landwirte per se unter Generalverdacht. Immer wieder goss er wider besseres Wissen Öl ins Feuer.

Die Bauern verloren ihren politischen Anker. Und manchmal auch den Halt. Knapp fünf Jahre emotionale Achterbahnfahrt gehen für die Landwirte zu Ende. Was bleibt?

Das Themenspektrum, über das dringend sachlich diskutiert werden muss, hat sich erweitert. Nichts ist erledigt, nur weil der Gesprächspartner im Ministerium wechselt. Die Bauern sind gut beraten, die Dinge anzupacken, um sich nicht von selbstgefälligen Karriere-Politikern treiben zu lassen.

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