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Wahlkampf

Landtagswahl in Niedersachsen: Heimspiel, A-Team oder Jamaika?

Landtagswahl Niedersachsen
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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
04.10.2017

Die Niedersachsen haben am Sonntag, 15. Oktober, die Wahl. Welche agrarpolitischen Schwerpunkte bieten die Parteien an? Wir haben die Kandidaten gefragt.

Drei Wochen nach der Bundestagswahl müssen rund sechs Millionen Niedersachsen erneut an die Wahlurnen. Am Sonntag, 15. Oktober, wird der 18. Niedersächsische Landtag gewählt.

Wer als Chef in das frisch renovierte Leineschloss einzieht, ist völlig offen. 137 Plätze sind in 87 Wahlkreisen zu vergeben.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gibt sich siegessicher, Herausforderer Bernd Althusmann (CDU) setzt auf die Wirkung seines „A-Teams“.

Die kleinen Parteien spüren den Rückenwind aus dem Bund, wo über die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP verhandelt wird. Welche Standpunkte vertreten die Spitzenkandidaten gegenüber der Landwirtschaft? Nachfolgend die Ergebnisse unserer Befragung.

Landtagswahl 2017 in Niedersachsen: SPD-Kandidat Stephan Weil

Landtagswahlen-Niedersachsen-Stephan-Weil

Die Herausforderungen der niedersächsischen Landwirtschaft in 140 Zeichen?

Unter schwierigen Marktbedingungen den steigenden Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden – am besten gemeinsam mit der Politik.

Braucht Niedersachsen weiterhin eine Agrarwende?

Wir wollen Agrarland Nr. 1 bleiben. Die Anforderungen in Sachen Umweltschutz, Tierschutz und Verbraucherschutz sind gestiegen und diesen Erwartungen muss sich die Landwirtschaft stellen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der Betriebe beschränkt und abhängig vom Markt. Deswegen stehe ich für ein schrittweises und gemeinsames Vorgehen. An die Stelle der Konfrontation ist eine gute, sachliche Zusammenarbeit getreten.

Wie stehen Sie zur Düngeverordnung?

Mir ist bewusst, dass die neuen Regelungen den Landwirten Anpassungen abverlangen. Ich freue mich, dass es auch durch die gute Arbeit der Landwirtschaftskammer gelungen ist, in Niedersachsen die Menge der Düngeüberschüsse zu reduzieren. Perspektivisch halte ich es für sinnvoll, überschüssigen Dünger besser zu verteilen und verstärkt in die Ackerbauregionen zu transportieren.

Gehört der Wolf ins Jagdrecht?

Das Artenschutzrecht verpflichtet die Niedersächsische Landesregierung dazu, den Wolf zu schützen – ob sie will oder nicht. Daran würde auch eine Regelung im Jagdrecht nichts ändern. In besonders belasteten Regionen muss auch eine Regulierung möglich sein.

Landtagswahl 2017 in Niedersachsen: CDU-Kandidat Bernd Althusmann

Landtagswahl-Niedersachsen-Bernd-Althusmann

Die Herausforderung der niedersächsischen Landwirtschaft in 140 Zeichen?

Es gilt, dass Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern wieder zu normalisieren. Gleiches gilt für die Produktionsformen untereinander.

Braucht Niedersachsen weiterhin eine Agrarwende?

Wir setzen auf eine zukunftssichernde Agrarpolitik, nicht auf eine Agrarwende. Wir müssen im Konsens das Vertrauen der Landwirte und Verbraucher zurückgewinnen.

Wie stehen Sie zur Düngeverordnung?

Insgesamt stellen die Änderung des Düngegesetzes und der Düngeverordnung die landwirtschaftlichen Betriebe vor große Herausforderungen. Nach einer schwierigen Abwägung halten wir diese im Ergebnis jedoch für tragbar. Denn es ist uns gelungen, einerseits Umwelterfordernisse noch stärker zu berücksichtigen und damit weiter zur Reduzierung der Nährstoff- einträge in Gewässer beizutragen. Landwirte haben andererseits auch weiterhin die Möglichkeit, ihre Pflanzen ausreichend zu versorgen. Es bleibt zudem eine gewisse Flexibilität, um regionale Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen.

Gehört der Wolf ins Jagdrecht?

Um den Wolfsbestand gezielt regulieren zu können, gehört der Wolf ins Jagdrecht. Zudem muss der Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen klar geregelt werden.

Landtagswahl 2017 in Niedersachsen: FDP-Kandidat Stefan Birkner

Landtagswahl-Niedersachsen-Stefan-Birkner-FDP

Die Herausforderung der niedersächsischen Landwirtschaft in 140 Zeichen?

Wettbewerbsfähigkeit sichern, politisch motivierte Angriffe abwehren, transparent wirtschaften und Digitalisierung voranbringen.

Braucht Niedersachsen weiterhin eine Agrarwende?

Die Landwirte klagen zu Recht über einen Strukturwandel durch politisch verursachte Kosten. Niedersachsen braucht deshalb keine Agrarwende, wir brauchen eine Wende in der Agrarpolitik.

Wie stehen Sie zur Düngeverordnung?

Die von Schwarz-Rot in Berlin zusammen mit grünen Länderministern zu verantwortende Düngeverordnung ist ein Bürokratiemonstrum, das für unsere Landwirte viel Arbeit und hohe Kosten bedeutet. Sie verhängt Einschränkungen der Düngung, auch dort, wo es gar keine Probleme gibt, und muss dringend geändert werden. Sie verbietet den Landwirten zum Teil die ordnungsgemäße Landwirtschaft. Wenn Stickstoff nicht mehr zur Strohrotte eingesetzt werden kann, verschlechtert das die Bodenfruchtbarkeit und verhindert die bedarfsgerechte Verteilung der Wirtschaftsdünger im Land.

Gehört der Wolf ins Jagdrecht?

Der Wolf muss ins Jagdrecht aufgenommen werden, um eine Bestandsregulierung im Sinne eines nachhaltigen Interessenausgleichs zwischen Mensch, Weidetierhaltung und Artenschutz zu erreichen.

Landtagswahl-Niedersachsen-Anja-Piel-Gruene

SF

Landtagswahl 2017 in Niedersachsen: Grünen-Kandidatin Anja Piehl

Die Herausforderung der niedersächsischen Landwirtschaft in 140 Zeichen?

Der Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck, zu expandieren, und den steigenden Ansprüchen an Naturschutz, Tierwohl und gesunde Ernährung.

Braucht Niedersachsen weiterhin eine Agrarwende?

Ja, die sanfte Agrarwende verbindet die Interessen der Landwirte nach guten Einkommen und gesellschaftlicher Akzeptanz mit den Wünschen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Eine Abkehr von diesem dialogorientierten Weg mit allen gesellschaftlichen Gruppen und eine einseitige Ausrichtung auf „Wachsen oder Weichen“ wäre fatal.

Wie stehen Sie zur Düngeverordnung?

Wir wollen eine einfache und ehrliche Stoffstrombilanz und sie so schlank wie möglich halten, um unnötigen Arbeitsaufwand für die Landwirte zu vermeiden. Mit der Landwirtschaftskammer und dem Ausbau der Düngeberatung sind wir auf einem guten Weg für eine Reduzierung des Düngeüberschusses.

Gehört der Wolf ins Jagdrecht?

Die Aufnahme ins Jagdrecht würde aufgrund von Bundes- und Europarecht keine Änderungen beim Wolfsmanagement ermöglichen. Dafür aber die Jäger in die Verantwortung nehmen. Wichtiger ist, dass der Bund, der dafür als einziger zuständig ist, endlich den Erhaltungszustand der Wolfspopulation in Deutschland feststellt.

Was sagen die kleinen Parteien über Niedersachsen?

Die Linke

  • Wölfe: Förderung der Rückkehr der Wölfe statt Abschuss und finanzielle Landeshilfen für präventive Schutzmaßnahmen, insbesondere für SchäferInnen.
  • Umwelt: Völlige Einstellung des Torfabbaus in Niedersachsen und Realisierung von Nationalparkgebieten auf Moorflächen; Ausbringungsverbot von Glyphosat.
  • Tierhaltung: Reduktion des Fleischkonsums; artgerechte Tierhaltung fördern durch bessere Standards für Platzangebot und Auslauf. Verbot von Antibiotika als Masthilfe, schärfere Kontrollen.

Alternative für Deutschland

  • Allgemein: Landwirtschaft wieder in die nationale Verantwortung zurückführen.
  • Förderung: Begrenzung der Förderung landwirtschaftlicher Betriebe auf die ersten 150 ha pro Hof; Abschaffung des EEG; die Bildung von Erzeugergenossenschaften wird unterstützt.
  • Tierhaltung: Für eine möglichst artgerechte Form der Tierhaltung; Schächten gehört verboten.
  • Umwelt: Beendigung des Gülle-Tourismus.
  • Ackerbau: Patente auf Feldfrüchte und Nutztiere sind sittenwidrig.
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