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Krise in der Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Betriebe brauchen stärkere Stützen

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
10.03.2016

Die Krise in der Landwirtschaft lässt sich nicht leugnen. Doch handfeste Reaktionen lassen auf sich warten. Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst, kommentiert die aktuelle Situation.

Niedersachsen erlebte aufregende agrarpolitische Tage. Im Landtag schlugen die Wogen hoch, als die Opposition den Landwirtschaftsminister aufforderte, vor dem gesamten Parlament über Gründe für die schleppende Auszahlung von Greeningprämien zu berichten.


Beim Parlamentarischen Abend der Landwirtschaftskammer mit Abgeordneten und Regierungsmitgliedern sollte es vorrangig um ein LWK-Kernanliegen gehen, das künftige Kammergesetz. Die Grußworte und den Fachvortrag beherrschte aber die wirtschaftliche Lage der Betriebe.

Bei der Sache bleiben

Die gute Nachricht: Obwohl im Landtag die Fetzen flogen, drehte es sich am Ende um die Sache. Von nahezu inhaltsleeren Schaukämpfen, wie sie sich unsere nördlichen Nachbarn in der Debatte um den „Kieler Schnitzelkrieg“ lieferten, ist man in Hannover weit entfernt. Das bleibt hoffentlich auch dann so, wenn sich die Lage auf den Höfen noch weiter zuspitzen sollte.

Noch drei Wochen bis zur Greeningprämie

Unbefriedigend verlief die Woche dennoch, weil für die krisengeplagten Landwirtschaftsbetriebe nichts Zählbares herauskam. Die mehr als dreieinhalbtausend Familien, die immer noch auf ihre Greeningprämie warten, wissen nun zwar, woran es liegt und dass sie noch wenigstens drei Wochen auf ihr Geld verzichten müssen - mehr aber nicht. Einige werden nun ein weiteres Mal beim Händler anrufen müssen, um ihn zu vertrösten.

Landesregierung soll handeln

Auch beim Kammerabend mit den Parlamentariern gab es nichts Konkretes. Dem Bekenntnis des Ministers, den Landwirten in der Wirtschaftskrise beistehen zu wollen, müssen nun von der Landesregierung allmählich auch Taten folgen.

Einzelhandel nutzt Machtposition aus

Zu tun ist genug: zusätzliche Belastungen für die Betriebe müssen sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene zurückgestellt werden, zudem Programme aufgelegt werden, mit denen Banken und Landwirtschaftsbetriebe ihre Kredite absichern können.

Ein Riesenthema: die kaltschnäuzige Art, wie der Einzelhandel seine Machtposition ausnutzt. Während die Erzeugerpreise für Milch und Schweinefleisch ständig neue Tiefen erreichten, müssen die Verbraucher beim Einkaufen tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr.

Wenigstens ein Feigenblatt

In Frankreich zahlt der Discounter Lidl immerhin drei Cent pro Liter Milch seiner Hausmarke in einen Hilfsfonds für Milchbauern ein. Ein Feigenblatt, aber wenigstens das.

Selbst darauf werden wir wohl bis zum St.-Nimmerleins-Tag warten müssen. Deshalb, liebe Politiker in Land und Bund: Handeln Sie! Mit schönen Worten allein lässt sich auf Dauer kein Lieferant bezahlen.

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