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Krisenstress

Landwirtsfamilien unter Druck

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
25.05.2016

Die Krise in der Landwirtschaft hält an. Die Zeit für Entscheidungen drängt. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan hat sich Gedanken gemacht, was jetzt dringend gebraucht wird.

Der Volkswagen-Konzern befindet sich, das ist bekannt, in einer tiefen, hausgemachten Krise. Für die nach Tarif bezahlten Angestellten äußert sich das in einer deutlich reduzierten Bonuszahlung: Statt der im vorigen Jahr gezahlten Sonderprämie von 5.900 Euro gibt es in diesem Jahr nur 3.950 Euro zusätzlich zum Gehalt.

Krisen wirken unterschiedlich

Nicht falsch verstehen, bitte: Hier soll kein Sozialneid geschürt werden, sondern lediglich ein Vergleich möglich werden, wie unterschiedlich sich Krisen in den Familien Betroffener auswirken. Denn bei sehr vielen Schweinehaltern und Milchbauern sieht es derzeit ganz anders aus.

Mag man es auf den Veredlungsbetrieben mit der Zeit gelernt haben, den Schweinezyklus zu ertragen - ein so anhaltendes Tal aber ist selbst hier nicht ohne tiefe Einschnitte im Privaten durchzustehen.

Milcherzeuger kennen Durststrecken

Doch auch den Milcherzeugern waren in Quotenzeiten Durststrecken nicht unbekannt. Dass Berufskollegen aussteigen, erlebten sie schon damals mit. Nun jedoch hat es sie mit einem nie dagewesenen Preisabsturz getroffen.

Außenstehenden, noch dazu solchen mit tarifvertraglich gesichertem Einkommen, fällt es schwer, sich in diese Lage zu versetzen. Da müssen nicht nur Investitionen zurückgestellt werden, sondern auch private Anschaffungen.

Wo Kühe für immer vom Hof gehen

Bis in das soziale Umfeld sind die Auswirkungen zu spüren, wenn zum Beispiel der runde Geburtstag nicht angemessen gefeiert wird, Kinder nicht wie gewohnt auf Ausflüge geschickt werden können.

Und wo die Kühe für immer vom Hof gehen, bleibt das nicht ohne Folgen für das „Innenleben“. Wer sein Leben lang für sie da war, Tag für Tag zum Melken ging, fragt sich nun plötzlich nach dem Sinn seines Arbeitslebens.

Krisenstress als schmerzliche Erfahrung

Der Druck, der auf den Familien lastet, ist enorm. Stress ist man gewohnt, Krisenstress aber für viele eine neue, schmerzliche Erfahrung. Mehr denn je kommt es auf den Zusammenhalt in den Familien, aber auch zwischen Nachbarn und Kollegen an. Das ist die Basis, reicht aber nicht.

Mindestens ebenso wichtig ist, dass die schier endlosen politischen Diskussionen möglichst rasch ein Ende haben und für die Betriebsinhaber - so oder so -  endlich Klarheit besteht.

Professioneller Rat muss sein

Angesichts des Ausmaßes des Krise stellt sich nicht zuletzt die Frage, ob die Möglichkeiten ausreichen, Betriebsleiter und Familienangehörige in schwierigen Situationen mental zu begleiten.

Professioneller Rat und Hilfe in Lebenskrisen sind unschätzbar wertvoll und tatsächlich nicht umsonst zu haben. Deshalb gehört solche Betreuung eigentlich in jedes Krisenprogramm.  

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