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Kommentar

Milchland Niedersachsen: Beim Preis längst nicht spitze!

Jan-Gerd Ahlers, LAND & Forst
am
25.08.2016

Niedersachsen ist Milchland. Doch seine Erzeuger werden im Vergleich zu anderen nicht angemessen entlohnt, findet LAND & Forst-Redakteur Jan-Gerd Ahlers.

Landwirte sind ziemlich belastbar und haben gelernt, wie man nach schwierigen Zeiten wieder auf die Beine kommt. Wie sonst könnte es Familienbetriebe geben, die schon über Generationen geführt werden?

Wenn zu der vielen Arbeit gerade auf den Milchviehbetrieben aber anhaltende Niedrigpreise und noch geringere Wertschätzung in der Gesellschaft hinzukommen, be- und überlastet das viele Familien. Auswirkungen auf die Lebensqualität und sogar auf die Gesundheit sind spürbar.

Geld ist auf allen Milchviehbetrieben knapp

Obwohl es, noch weit hinten am Ende des Tunnels etwas Licht für künftige Milchpreise zu geben scheint, ist das Geld nach dieser langen Durststrecke auf allen Betrieben knapp. Überall fehlen mindestens 10 ct/kg. Das macht bei einer Leistung von 8.000 kg/Jahr einen Verlust von 800 Euro je Kuh. Bei 100 Kühen also 80.000 Euro im Jahr! Nicht jeder Hof kann über einen längeren Zeitraum diese Summe mit Rücklagen auffangen.

Aussitzen ist jedoch definitiv nicht die richtige Strategie. Beratung kann helfen, auch um Einnahmequellen wie Alterskassenzuschüsse oder Wohngeld anzuzapfen. Liquiditätspläne sind meistens geschmiedet, die Darlehen sind aber auch zurückzuzahlen. Nur gesunde Betriebe werden es schaffen, in fünf Jahren 80.000 Euro zu tilgen.

Und die Politik?

Gut gemeinte Steuerentlastungen und Finanzhilfen sind willkommen, aber nicht nicht viel mehr als ein Trostpflaster; sie versüßen allerdings ohnehin geplante Abstockungen oder den Ausstieg.

Viele Betriebe reagieren seit Jahresanfang marktwirtschaftlich und liefern weniger, ein Schritt in Richtung Gleichgewicht. Das ist kein Wunder bei Grundpreisen von unter 20 Cent. Aber selbst, wenn Molkereien bis zum Jahresende einige Cent mehr zahlen als bisher, dürfte im Jahresmittel der Milchpreis (weit) unter 25 Cent bleiben.

Große Molkereien schon seit Jahren unterm Schnitt

Das Milchpreisniveau in Niedersachsen ist im bundesweiten Vergleich ohnehin schwach. Gerade große Molkereien liegen schon seit Jahren erheblich unter dem Schnitt. Gegenüber der Einkaufsmacht des Handels hat sich ihre Größe immer noch nicht ausgezahlt. Bei den nächsten Preisverhandlungen mit Aldi & Co. im Herbst müssen sie aber endlich deutlich mehr herausholen als bisher.

Die Bereitschaft vieler Verbraucher, die heimischen Bauern nicht im Stich zulassen, sollte dabei ebenso nachdrücklich eingebracht werden wie die Binsenweisheit, dass Nachhaltigkeit und Tierwohl Geld kosten. Gerade, weil sich viele Betriebe in dieser Hinsicht mit hohen Investitionen bestens aufgestellt haben, brauchen sie das Geld. Jetzt. Und dringend.

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