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Interview mit Stephan Weil

"Milchpreis muss harter Arbeit und Qualität entsprechen"

Milchkühe am Futtertrog
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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
16.06.2016

Ministerpräsident Stephan Weil hat seine Kritik an den Wirtschaftssanktionen gegen Russland bekräftigt. Was er davon hält, lesen Sie hier.

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland halte er für falsch. Die Maßnahmen lösten kein einziges Problem, die Milchbauern müssten jedoch die Zeche zahlen, ergänzte Weil angesichts der aktuellen Marktkrise im Milchsektor.

Weitere Unterstützung für Milchviehhalter

In diesem Zusammenhang sprach sich der Regierungschef für weitere wirksame Unterstützungsmaßnahmen für die krisengeschüttelte Branche aus. „Es macht uns große Sorgen, wenn etwa allein bei der in Niedersachsen produzierten Milchmenge im letzten Jahr rund eine Milliarde Euro weniger auf den Höfen ankam. Dieses Geld der Bauern fehlt im ländlichen Raum“, stellte er fest.

Milchpreis von Überproduktion gedrückt

Die Landesregierung setze sich auf allen Ebenen für einen Milchpreis ein, der der harten Arbeit und der Qualität, die hinter der Milcherzeugung steckt, entspreche. Weil betonte zugleich, man müsse aber auch darüber reden, dass der Milchpreis vor allem von einer starken Überproduktion gedrückt werde.

Tierschutzplan gemeinsam mit Landwirtschaft umsetzen

Auf die Frage, ob seiner Regierung eine politische Vorreiterrolle in Tierschutzfragen wichtiger sei als die Stabilität der Landwirtschaft, antwortete der Ministerpräsident: Damit Niedersachsen Agrarland Nummer eins bleibe, seien „an verschiedenen Stellen Veränderungen unausweichlich“. Diese müssten, wo immer möglich, gemeinsam organisiert werden, „dann gern auch als Vorreiter“.

Als Beispiel nannte er den niedersächsischen Tierschutzplan. Gerade hier gehe es um die Suche nach wirtschaftlich vertretbaren und vorbildlichen Lösungen – nicht gegen die Landwirtschaft, sondern gemeinsam mit der Landwirtschaft.

Mehr Tierschutz bedeutet mehr bezahlen

Zur damit verbundenen Rolle des Lebensmitteleinzelhandels und der Verbraucher sagt Weil: „Wir brauchen in der Tat auch viel mehr Verantwortung beim Verkaufen und beim Konsumieren. Wer mehr Tierschutz haben möchte, sollte auch bereit sein, mehr zu bezahlen.“

Der Handel müsse sich bewusst machen, dass er der wichtigste Signalgeber für die Verbraucherinnen und Verbraucher sei. „Wenn er besonders günstige Angebote macht, schürt er eine Preiserwartung, die nicht nachhaltig durchzuhalten ist, und setzt Landwirte und Verarbeiter unter einen massiven Druck“, sagte Ministerpräsident der LAND & Forst.

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