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Kommentar

Moderne Agrarproduktion: Welche Ziele dürfen es denn sein?

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
20.02.2017

Die „Bauernregeln“ der Umweltministerin machten deutlich, wie Landwirte der Politik als Spielball dienen, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Nach den Protesten aus der Bauernschaft machte die Bundesumweltministerin einen Rückzieher: Die umstrittenen neuen „Bauernregeln“ wird es nicht geben. Frau Hendricks verdient für diese Entscheidung Respekt. Denn Politikern geht es nicht anders als Bauern oder Redakteuren: Fehler zuzugeben ist nicht so ganz leicht.

Gute Diskussion per Bauernregeln nicht möglich

Immerhin hat sie eingesehen, dass sich eine gute Diskussion auf solchem Niveau nicht führen lässt. Die Themen sind jedoch damit nicht vom Tisch. Der Streit darüber, welche Landwirtschaft Deutschland künftig prägen soll, wird weitergeführt. Gerade die Bundesumweltministerin und ihre Unterstützer haben davon klare Vorstellungen.

Nur sind es eben die Vorstellungen von Umweltpolitikern und -aktivisten. Wirtschaftliche und soziale Erwägungen spielen bei ihnen, wie Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter kürzlich vor Landwirten in Bremen offen bekannte, eine untergeordnete Rolle.

Ökonomische und soziale Nachhaltigkeit einfordern

So bleibt es an der Landwirtschaft hängen, immer wieder auch ökonomische und soziale Nachhaltigkeit einzufordern. Denn was Politiker bei ihrer Kritik an der modernen Agrarproduktion allzu gerne vergessen: Sie ist das Ergebnis von politischen Entscheidungen der Vergangenheit.

Es war ein SPD-Kanzler, der 1999 auf dem denkwürdigen Deutschen Bauerntag in Cottbus die Landwirte mit drastischen Subventionskürzungen dazu drängte, sich nun doch endlich an den freien Märkten auszurichten.Und es war eine rot-grüne Bundesregierung, die ein Gesetz auf den Weg brachte, das den Maisanbau für die Erzeugung erneuerbarer Energien massiv förderte - genau den Maisanbau, den die sozialdemokratische Umweltministerin auf ihren Plakaten für schwindende Artenvielfalt verantwortlich macht.

Zielkonflikte diskutieren

Dieses unfreiwillige Eingeständnis macht deutlich: Vieles, auch mehr Artenvielfalt, lässt sich nur gemeinsam erreichen. Dazu muss in aller Klarheit auch über Zielkonflikte geredet werden.

Es ist wohlfeil, Biogas zu fordern, aber auf den Mais zu schimpfen. Mehr Platz für Nutztiere im Stall vorzuschreiben, aber keine Neubauten zuzulassen. Eier aus der Region zu wünschen, aber Bürgerinitiativen gegen Hühnerställe zu bilden. Rinder auf der Weide sehen zu wollen, aber dem Wolf freien Lauf zu lassen. Der Minimalbodenbearbeitung das Wort zu reden, aber Totalherbizide zu verbieten.

Diese Liste der Zielkonflikte ließe sich gewiss fortsetzen. Wenn es das Bundesumweltministerium wirklich ernst meint mit dem Dialog, dann sollte es damit möglichst bald beginnen. Die Zeit läuft und läuft und läuft.

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