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Nährstoffbericht

Niedersachsen: Zuviel Stickstoff in sieben Landkreisen

Güllefass und Schleppschlauchverfahren auf dem Feld
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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
28.03.2018

Neues Düngerecht erhöht den Druck: Sieben Landkreise in Niedersachsen überschreiten die Stickstoff-Obergenze. Hier Details aus dem aktuellen Nährstoffbericht.

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Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hat heute den Nährstoffbericht 2016/17 vorgestellt:

  • Die Stickstoff-Obergrenze von 170 Kilogramm je Hektar wird nach den gültigen Vorschriften der Düngeverordnung in sieben viehstarken Landkreisen nicht eingehalten. Es sind dies die Kreise Emsland, Cloppenburg, Grafschaft Bentheim, Rotenburg, Vechta, Oldenburg und Ammerland. Der Kreis Leer bilanziert exakt 170 kg/ha. Neben tierischem Dung wurden erstmals auch pflanzliche Gärreste bei dieser Obergrenze mit angerechnet, deshalb war diese Überschreitung bereits erwartet worden.
  • Die Menge an Dung und Mist aus der Tierhaltung ging im Vergleich zu 2015/16 sogar leicht zurück.
  • Zugenommen hat jedoch der Gärrestanfall, nachdem einige neue Biogasanlagen in Betrieb gingen.
  • Der gesamte Dung- und Gärrestanfall beträgt rund 59 Millionen Tonnen.
  • Beim Stickstoff hat sich der Düngesaldo im Vergleich zum Vorjahresbericht auf rund 68.000 Tonnen Stickstoff (entspricht 26 Kilogramm je Hektar) leicht reduziert.

Otte-Kinast: Mit vereinten Kräften handeln

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    Die Ministerin fordert vor der Landespressekonferenz in Hannover: „Die neuen Bewertungen im Nährstoffbericht aufgrund der novellierten Düngeverordnung führen uns vor Augen, dass viel zu viel Stickstoff und Phosphat im Nährstoffkreislauf vorhanden sind. Das gilt es mit vereinten Kräften zu ändern“.

    Sie kündigte zwei Neuerungen an, mit denen sie auf diese Entwicklung reagieren will:

    1. Zum einen sollen in den nächsten Monaten sogenannte Risikogebiete identifiziert werden. Ihr Ziel ist es, sie bis zum Jahresende auszuweisen. In diesen Gebieten sind die Grundwasserkörper und oberirdischen Gewässer besonders mit Phosphat und Nitrat belastet. Grundlage hierfür ist der Paragraf 13 der Düngeverordnung, der den Bundesländern die Ermächtigung gibt, in diesen Gebieten ergänzende Maßnahmen umzusetzen. Um welche der in der Verordnung genannten Maßnahmen es sich handelt, soll ebenfalls in den nächsten Monaten in Abstimmung mit beteiligten Akteuren festgelegt werden. Zum Beispiel könnte es zur Auflage gemacht werden, Wirtschaftsdünger vor dem Ausbringen auf seinen Nährstoffgehalt zu untersuchen.
    2. Die zweite Neuerung besteht darin, der Düngebehörde künftig besseren Zugang zu bereits vorhandenen Düngedaten zu veschaffen: Dabei gehe es nicht darum, dass die Betriebe noch mehr Daten melden müssen. Die von ihnen bereits gemeldeten Daten könnten besser ausgewertet werden. Dadurch können etwaige düngerechtliche Abweichungen frühzeitiger und gezielter als bisher festgestellt werden. „Diese Maßnahme dient auch dem Schutz jener Betriebe, die sich an die gute fachliche Praxis halten“, sagte die CDU-Politikerin.

    Erfreulich sei, so die Ministerin, die hohe Bereitschaft vieler Akteure, die Situation zu verändern. Als Beispiele nannte sie die Runden Tische zum Nährstoffmanagement, die es in 14 Landkreisen gibt, sowie den Masterplan, der vorige Woche im Oldenburger Münsterland vorgestellt wurde.

    Gerhard Schwetje: Ein Mengen- und ein Verteilungsproblem

    Kammerpräsident Gerhard Schwetje kommentierte die Ergebnisse des Nährstoffbnerichtes: „Wir befinden uns nicht am Tag eins, sondern mitten in einem Prozess“. Es gebe bei den organischen Nährstoffen ein Mengenproblem und ein Verteilungsproblem.

    Um dies zu lösen, benötigten Landwirte praxisgerechte Lösungen, Wirtschaftsdünger und Gärreste aufzubereiten. Der Nährstoffüberschuss lasse sich nicht allein über die Verteilung lösen. „Es muss auch mehr Mineraldünger durch Wirtschaftsdünger ersetzt werden“, forderte Schwetje.

     

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