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Nährstoffproblematik: Aktionismus hebelt Fachargumente aus

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Albrecht Schulte to Brinke
am
11.09.2019

Nun stehen sie fest, die Roten Gebiete Niedersachsens - mit persönlicher Betroffenheit für viele Landwirte. Ein Kommentar.

Kernproblem bleiben zweifelsfrei die zu strengen Vorgaben, die uns die Politik in Berlin aufbrummen will. Die Landwirte sollen in nitratsensiblen Gebieten bei der Stickstoffdüngung um 20 Prozent unter dem Pflanzenbedarf bleiben - pauschal, ohne Blick auf Nährstoffbilanzen oder Bedarfspläne in den Roten Gebieten.

Das hat mit guter fachlicher Praxis nichts mehr zu tun, das ist Aktionismus pur auf der Berliner Bühne!

Nationale Vorschriften gegen EU-Umweltziele

Darunter werden Kulturen wie die Qualitätsweizenerzeugung für die Mühlen, der Gemüsebau und auch die Zwischenfrüchte leiden. Die Folgen können wir Landwirte bald in unserem Bodenprofil ablesen: Die Humusauflage wird zurückgehen.

Damit laufen nationale Vorschriften den aus Brüssel vorgegebenen Umweltzielen einer Humusanreicherung zuwider. Wasser- und Bodenschutz bringen wir damit nicht voran! Die Dänen haben uns diese Erkenntnis voraus, hier hätte die Bundesregierung bei gutem Willen aus Fehlern lernen können.

Die strenge Vorgabe gilt für nitratsensible oder sogenannte Rote Gebiete. Niedersachsen hat dazu am Dienstag endlich die Karten vorgelegt, die 39 Prozent der Landesfläche betreffen. Damit gelten die harten Einschnitte für die Düngung auf mindestens einer Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen!

Nach unserer ersten Sichtung wurden die Gebiete um die sogenannten roten Messstellen sehr großzügig ausgewiesen. Wir hätten uns einen genaueren Blick gewünscht: Wo gibt es tatsächlich Probleme? Was sind die Ursachen? Wie können wir diese abstellen?

Nährstoffströme zu 100 Prozent transparent

Immerhin betont Landwirtschaftsministerium Barbara Otte-Kinast, Nährstoffströme seien zu 100 Prozent transparent. Dann fehlt mir das Motiv, für ein derart grobes Raster der nitratsensiblen Gebiete. Es ist schließlich eine Entscheidung mit einer enormen Tragweite. Jeder Landwirt wird nun genau prüfen müssen, ob und in welchem Ausmaß seine Flächen zu den Roten Gebieten zählen.

Die äußerst komplexe Sachlage muss leider innerhalb einer sehr kurzen Frist von gerade drei Wochen aufgearbeitet werden. Auch das sorgt nicht unbedingt für Akzeptanz. Da kann auch die Tatsache, dass Niedersachsen bei den zusätzlichen Auflagen einigermaßen moderat geblieben ist, kaum für Entspannung sorgen.

Wasserschutz ist ein wichtiges Anliegen. Fachlich fundierten Argumenten verschließen wir Landwirte uns nicht. In der Nitrat-Debatte zwischen Berlin und Brüssel aber erkenne ich nur noch Populismus, keine fachlichen Begründungen. Der Umwelt wird damit nicht geholfen, uns Landwirten aber enormer Schaden zugefügt, das ist eine Bilanz ohne Gewinn! Es ist entgegen unseren Warnungen leider einiges den Bach runter gegangen…

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