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Kommentar

Niedersachsen: Wo gehts hin mit der Tierhaltung in Südoldenburg?

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
01.03.2017

An ein und demselben Tag gab es von Niedersachsens Landesregierung zwei gegensätzliche Aussagen über das Oldenburger Münsterland. Wohin solls denn nun gehen?

Mittwoch voriger Woche reiste der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil westwärts nach Dinklage. Dort nahm er an einer Fachtagung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland teil. Sie befasste sich mit dem Wertewandel in den Zuchtzielen.

Was bewegt sich in der Tierzucht?

Angesichts des Themas kann man davon ausgehen, dass bei den Experten vor Ort weniger Weils fachlicher Rat gefragt war. Erwartet wurde wohl eher ein politisches Signal: Der SPD-Ministerpräsident dieses Landes macht sich persönlich ein Bild davon, was sich in dieser so wichtigen Branche bewegt und wie Tierzüchter auf Signale aus der Gesellschaft reagieren.

Offenbar überzeugt ihn das Gehörte. Vor der Presse lobt Weil, wie offensiv die Branche die Probleme angehe, die die Verbraucher bewegten. Das Oldenburger Münsterland bezeichnet er bei diesem Anlass als einen der leistungsfähigsten Agrarwirtschaftsräume Europas. Weil, als VW-Aufsichtsrat zwangsläufig wirtschaftserfahren und krisenerprobt, nennt die Region ein „Kraftzentrum für das ganze Bundesland“.

Zwei Signale für Tierhalter in Südoldenburg

Fast zur selben Zeit findet in Hannover ebenfalls eine Pressekonferenz statt. Landwirtschaftskammer und Landwirtschaftsminister stellen den aktuellen Nährstoffbericht vor. Auch hier ging es um ungelöste Probleme, die mit dem Oldenburger Münsterland zu tun haben. Die intensive Tierhaltung – tragender Wirtschaftszweig dieses „Kraftzentrums“ – produziert Nährstoffe, für die es in der Region keine Verwendung gibt.

Die Kammer sieht vor allem in innovativen technischen Lösungen einen Ausweg und ist damit sehr nah beim Ministerpräsidenten. Der zuständige Minister aber bringt einen anderen Weg ins Gespräch: Am Abbau von Tierbeständen wird nach seiner Einschätzung kein Weg vorbeiführen.

Für die Tierhalter in Südoldenburg konnten die politischen Signale eines einzigen Tages gegensätzlicher nicht sein. Wie steht die Landesregierung denn nun zu ihrer Region? Zählt die Wirtschaftskraft oder ist etwa schon Wahlkampf?

Kein Stilllegungsplan für Tierhalter

Außer Frage steht, dass es für die Probleme absehbar eine Lösung braucht. Unbestritten ist ebenso, dass sich die wenigsten Tierhalter dagegen wehren würden, ihr Geld mit kleineren Beständen zu verdienen.

Trotzdem kann die Lösung nicht darin bestehen, einfach Ställe stillzulegen. Was einmal zu ist, bleibt zu. Das würde dieses „Kraftzentrum für das ganze Bundesland“ schwächen. So viele davon hat Niedersachsen nun auch wieder nicht. Deshalb werden Lösungen nötig sein, die ein klein wenig cleverer sind als ein Stilllegungsplan.

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