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Jagdrecht

Niedersachsens Jäger wollen Wolf nicht im Jagdrecht haben

Ein Wolf schaut sich um.
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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
06.10.2017

CDU und FDP wollen den Wolf in Jagdrecht aufnehmen, um schneller gegen auffällige Tiere vorgehen zu können. Niedersachsens Jäger sagen: Es geht auch anders.

Die derzeitigen Oppositionsparteien CDU und FDP wollen den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen. Für sie ist das der Schlüssel, um auffällige Tiere und „Problemwölfe“ bei Bedarf unkompliziert entnehmen zu können. Die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) lehnt das jedoch ab.

Wolf genießt ganzjährige Schonzeit

Denn an der Rechtslage würde sich nichts ändern, stellte LJN-Vizepräsident Ernst-Dieter Meinecke am Mittwoch vor Journalisten in Hannover fest. Als bedrohte Tierart würde der Wolf auch im Jagdrecht ganzjährig Schonzeit genießen.

Für die Jäger könnte sich die Situation sogar verschlechtern: Sie würden mit dem (theoretischen) Jagdrecht zugleich die konkrete Verpflichtung zur Hege dieser Wildart übertragen bekommen.

Zudem befürchten Revierpächter, künftig für die Schäden der Nutztierhalter aufkommen zu müssen. Eine solche Regelung gibt es bereits bei Ackerkulturen, die zum Beispiel durch Wildschweine geschädigt werden. 

In Sachsen, wo der Wolf bereits ins Jagdrecht aufgenommen wurde, finanziert das Land das Wolfsmonitoring, das bis dahin aus dem Haushalt bezahlt worden war, seitdem aus Mitteln der Jagdabgabe.

Einzelne Wölfe oder Rudel zur Abschreckung töten

Ganz klar spricht sich die Landesjägerschaft Niedersachsen aber dafür aus, einzelne Tiere oder Rudel auch zur Abschreckung zu töten.

Eine bloße Vergrämung mit Gummigeschossen sei nicht effektiv genug, sagte Meinecke.  „Die Tötung auffälliger Tiere entfaltet einen Lerneffekt für die Artgenossen.“

Drei Kriterien für Wolfpolitik

Die Landesjägerschaft fordert deshalb, die Tötung von Wölfen generell vorzusehen und dafür eindeutige Kriterien zu bestimmen. „Wir sehen für die Wolfspolitik eine dreigliedrige Zukunft“, sagte Meinecke. Folgende Kriterien sind vorgesehen:

  • Entschädigungen für von Wölfen getötete Nutztiere durch das Land,
  • die Prävention in Form von Beratung und Förderung wolfssicherer Zäunen und
  • die konsequente Entnahme auffälliger Wölfe.

 Im ländlichen Raum gebe es kaum noch Verständnis dafür, dass Wölfe am helllichten Tag durch Ortschaften laufen. „Denn den Leuten wurde ja gesagt, dass Wölfe eigentlich scheu seien und Menschen meiden würden.“ Das erlebten viele nun anders und seien verunsichert, stellte der LJN-Vizepräsident fest.

 

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