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Kommentar

Ökolandbau für alle?

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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
08.09.2016

Beim Ökolandbau war Niedersachsen immer Schlusslicht. Nun soll unser Bundesland ein Musterschüler werden. Geht das?

Minister Christian Meyer weiß offensichtlich genau, welche Begriffe er in seinen Pressekonferenzen bringen muss, damit die Medien darauf anspringen. Er spricht dann von „Trendwende“, „Rekordzuwächsen“ und „Aktionsplan“. So was schreibt sich leicht, denn wer möchte nicht seinem Leser suggerieren, er sei Teil eines historischen Moments.

Die Verkündung des „Aktionsplans Ökolandbau“ durch den Landwirtschaftsminister sollte so einen Moment schaffen. Vollmundig erklärte Meyer, dass er bis 2025 die Zahl der Ökobetriebe im Land verdoppeln will. Das wiederum bedeutet, dass sich das Flächenwachstum im Ökolandbau von derzeit zwei auf dann acht Prozent pro Jahr steigern müsste.

Erträge im Ökolandbau deutlich geringer

Zu den Fakten: In Niedersachsen wirtschaften derzeit 1.650 Betriebe auf 82.000 Hektar. Der Anteil der Öko-Landwirtschaft an der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt bei drei Prozent, bundesweit aber bei sechs Prozent.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichte 2015 Berechnungen, die konventionelle und ökologische Betriebe mit ähnlichen Standortbedingungen, Größe und Ausrichtung vergleichen. Das Ergebnis: Die Erträge im Ökolandbau sind deutlich geringer. Um wirtschaftlich bestehen zu können, benötigen sie höhere Preise oder mehr Fläche.

Doch woher sollen Öko-Bauern diese in einem total überhitzten Pachtmarkt bekommen? Gerade in den viehstarken Veredelungsregionen ist nichts zu holen. Die erhöhte Umstellerprämie ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vor allen Dingen in der zweijährigen Übergangsphase.

Fakten sprechen nicht Meyers Märchensprache

Inzwischen warnen sogar Kommentatoren aus den eigenen grün-alternativen Reihen vor dem „Ertrinken in der Biomilch“. Zum einen gebe es kaum mehr Molkereikapazitäten für Umsteller. Zum anderen seien Bio- und konventionelle Erzeugerpreise miteinander verknüpft. Eine Überproduktion habe einen Preisverfall zwangsläufig zur Folge. Wie viel Bio kann der Markt überhaupt verkraften?

Die Fakten sprechen also nicht Meyers Märchensprache. Es ist unaufrichtig, den Landwirten – und den Verbrauchern – zu suggerieren, dass mit einem „Aktionsplan“ auf einen Schlag die Agrarwelt wieder rund ist.

Egal ob Umstellung auf Öko oder Ausbau des Biobetriebes – beide Varianten kosten viel Kraft, Geld und Durchhaltevermögen. Und ob sich das am Ende auszahlt, entscheidet der Markt – nicht Herr Meyer, der auch nicht das unternehmerische Risiko tragen muss.

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