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Kommentar

Pro & Contra zum Tempolimit

Autobahn A7 mit Verkehrsschild Richtung Osnabrück und einer nur leicht befahrenen Straße.
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Katja Schukies, LAND & Forst
am
01.03.2019

Auch die LAND & Forst Redaktion hat unterschiedliche Meinungen zum Tempolimit 130 auf deutschen Autobahnen.

Entschleunigt bei Tempo 130

Cord Leymann

PRO Es ist verstörend: Meine Schwiegermutter lebt in der Nähe von Paris. Wenn wir sie mit dem Auto besuchen, lassen sich die ersten 370 Kilometer nur mit allerhöchster Anspannung und Konzentration erledigen. Ich ertappe mich immer wieder verkrampft am Lenkrad. Der Urlaub beginnt für mich ab Aachen: In Belgien gelten als Limit auf der Autobahn 120 km/h, in Frankreich maximal 130 km/h. Man fährt viel ruhiger und entspannter. Und mal ehrlich: Warum gibt es in vielen Ländern auf dieser Welt bereits ein Tempolimit? Haben wir Deutschen andere Informationen oder fehlen uns gar welche?

Auf deutschen Straßen ist ein großes Stück Rücksicht und „Miteinander“ abhanden gekommen. Wenn das Rechtsfahrgebot und der Mindestabstand bei Pkw/Lkw eingehalten würden, liefe es stressfreier auf den Straßen und man könnte locker von rechts nach links wechseln und zurück. Wenn ich mal schneller als 130 fahre, schwingt immer gleich die Angst mit: Was machen die anderen Verkehrsteilnehmer? Ich muss hochkonzentriert sein und für die anderen mitdenken.

Zeitlich bringt die Raserei, durch die Verkehrsdichte oder Baustellen, kaum etwas. Für die Umwelt und um die Unfallzahlen zu senken, kommen wir nicht an einer Reduzierung der Geschwindigkeit vorbei.

Emotionales Nein zum Limit

Corinna Mayer

CONTRA  Nichts liegt mir ferner als unkontrolliert mit überhöhter Geschwindigkeit über Autobahnen zu preschen, aber stets 130 km/h fahren zu müssen, liegt mir genauso fern. Denn in Niedersachsen gibt es erstens noch Autobahnen, wo man zeitweise echt einsam ist, und zweitens Uhrzeiten, an denen fast nichts los ist.

Zum Beispiel fahre ich oft die Strecke von Hannover zu meiner Mutter nach Osnabrück. Egal, ob Samstag oder Sonntag – auf der A30 zwischen Bad Oeynhausen und Osnabrück ist meist gähnende Leere. Ein paar Wochenendausflügler, mal ein Lkw. Bei so freier Bahn und gutem Wetter fahre ich gerne etwas schneller, denn ich mag Autofahren, ich mag Geschwindigkeit. Und Zeit einsparen mag ich auch.

Gleiches freitagabends (nach 22 Uhr) auf der A7 von Hamburg nach Hannover. Wo sich tagsüber Stoßstange an Stoßstange bei 100 km/h drängeln, herrscht abends sogar hier kein Platzmangel.

Damit mich jeder richtig versteht: Auf keinen Fall möchte ich noch mehr drängelnde Lichthupe-betätigende, angebliche Superstarke auf den Straßen. Und je mehr Verkehr, desto mehr Rücksicht muss aufeinander genommen und das Tempo angepasst werden. Aber bei freier Fahrt möchte ich gerne entscheiden dürfen, nach wie viel Stundenkilometer mir und meinem Auto ist.

 

Die vier wichtigsten Punkte in der Tempolimit-Debatte lesen Sie hier.

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