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Tierhaltung

Sauenhaltung: Niedersachsen will Kastenstandhaltung abschaffen

Sauen stehen fressend im Kastenstand
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
16.08.2017

Niedersachsens Regierung hat jetzt den Antrag auf Entschließung des Bundesrates zur Sauenhaltung im Kastenstand frei gegeben.

Die nieder­sächsische Landesregierung will die Haltung von Sauen in Kastenständen langfristig abschaffen. Das Kabinett hat  einen Antrag Niedersach­sens auf Entschließung des Bundesrates zur Sauenhaltung im Kastenstand frei gegeben. Damit soll die Bundesregierung aufgefordert werden, die Tierschutz-Nutztierhaltungsverord­nung ( TierSchNutztV ) zu ändern.

Eine Ausnahme ist eine Frist von maximal fünf Tagen während der Rausche (Brunst) und Be­sa­mung der Sauen im sogenannten Deckzentrum.

Sauenhalter müssen beträchtlich umrüsten

Es ist davon auszugehen, dass die Sauenhalter ihre jetzigen Anlagen dann teilweise mit beträchtli­chem Aufwand umrüsten müssen. Daher wird der Bund aufgefordert, hierfür Fördermittel bereitzustellen.

Für Neu- und Umbau­ten soll der Ausstieg aus dem Kastenstand sofort gelten. Mit folgenden Übergangsfristen soll ein starker Strukturwandel einhergehend mit einer Abwande­rung der Sauenhaltung aus Deutschland vermieden werden:

  • Für bestehende Ställe ist eine an­gemessene Übergangsfrist, längstens zehn Jahre, vorgesehen.
  • Eine Verlän­gerung der Über­gangsfrist um weitere zwei Jahre soll erfolgen, wenn der Inhaber des Betrie­bes spätestens ein halbes Jahr vor Ablauf der Übergangsfrist einen Bauantrag für erforderli­che Umbaumaß­nahmen vorlegt.
  • Im Einzelfall soll die Nutzung der bisherigen Haltungsein­richtung für eine weitere Frist von längstens weiteren drei Jahren genehmigt werden.

Abferkel- und Säugebereich sauengerecht anpassen

    Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer betonte, dass es kurzfristig darüber hinaus erforderlich sei, die Ausgestaltung der jetzigen Abferkel- und Säugebereiche den tierschutzge­rechten Bedürfnissen der Sauen anzupassen. Auch hierzu werde die Bundesregierung aufge­fordert, rechtliche Klarstellungen in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu verankern.

    Meyer sagte: „Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit und Hilfe für eine tierschutz­gerechte Haltung. Wenn der Bund eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung weiter verweigert, gefährdet er die Sauenhaltung in Deutschland." Die Folge wäre ein regio­naler Flickenteppich beim Tierschutz, den nur große Betrieb leisten könnten.

    Niedersachsen hat kürzlich eine Tierwohlprämie von 150 Euro pro Sau für freies Abferkeln ohne Kastenstand von der EU genehmigt bekommen. Damit sollen Tierhalter, die bereits jetzt ohne Kasten­stand arbeiten, honoriert werden.

    Bisher Sauen bis zu einem Monat im Kastenstand

    Bisher werden Sauen üblicherweise bis zu einem Monat im Deckzentrum in Kastenständen ge­halten. Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Magdeburg im November 2015 und einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes vom November 2016 verstößt diese Haltung von Sauen in den heute praxisüblichen Kastenständen gegen die derzeitigen Mindestanforderungen nach § 24 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.

    So hatte das OVG Magdeburg entschieden, dass die in einem Kastenstand gehaltenen Sauen die Möglichkeit haben müssen, jederzeit ungehindert aufzustehen, sich hinzulegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken zu können. Die jüngste Agrarministerkonferenz unter dem Vorsitz Niedersachsens hatte daraufhin einen entsprechenden Beschluss zum Ausstieg aus dem Kasten­stand gefasst.

    Landvolk: Zehn Jahre Übergangsfrist ist zu kurz

    Das Landvolk bemängelte, die Übergangsfrist von zehn Jahren sei zu kurz. Die Änderung in der Sauenhaltung stelle die Landwirte vor viele Probleme - etwa weil Stallneubauten oder Umbauten kaum noch genehmigt würden.

    Nur bei einem längeren Anpassungszeitraum lasse sich die Sauenhaltung in Niedersachsen halten. Ansonsten kämen die Ferkel aus anderen Ländern, wo dem Tierwohl weitaus weniger Beachtung geschenkt werde.

    ISN: Ausgestaltung muss geändert werden

    Die ISN Interessengemeinschaft der Schweinehalter war dem Minister vor, Fakten und Themen durcheinander zu werfen. Meyer habe behauptet, „sein“ Gesamtpaket sei mit der ISN abgestimmt. Das ist so nicht richtig.

    ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack kommentierte: „Fakt ist: Wenngleich wir noch dringenden Änderungsbedarf bei der Ausgestaltung sehen, begrüßen wir ausdrücklich, dass nun endlich Bewegung in das Thema ‚Haltung der Sauen im Deckzentrum‘ kommt.“

    Klar sei, dass die Landwirte ganzheitliche Konzepte bräuchten, sowohl für das Deckzentrum als auch für den Abferkelbereich. Nur so könne ein Sauenhalter seinen Betrieb zukunftsfähig weiter entwickeln.

    Mit Material von dpa, Landvolk, ISN
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