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Kommentar

Im Sommerloch erst mal abkühlen und neu denken

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
26.07.2018

Die Notlage vieler Betriebe ruft viele Stimmen auf den Plan. Sommer(loch)theater nervt aber nur noch, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Das Sommerloch gibt es in der Landwirtschaft bekanntlich nicht. Seine Auswirkungen treffen sie aber immer wieder. Zum Beispiel, als nach den ersten Ernteprognosen die Warnung auftauchte, nun würden Brötchen teurer werden.

Dagegen, Lebensmittel angemessen zu bezahlen, ist rein gar nichts zu sagen. Nur, liebe Bäcker, bleibt bei der Wahrheit und nennt die echten Ursachen: steigende Tariflöhne, höhere Stromkosten, zunehmender Verwaltungs- und Schulungsaufwand, wachsende Gebühren und Zwangsabgaben – was auch immer.

Aber nicht das Mehl für 0,8 Cent, das in einem Weizenkleingebäck steckt. Das würde Euch dazu zwingen, beim nächsten Abschwung der Getreidepreise Nachlässe zu gewähren. Und der kommt ganz sicher.

14 Stunden Sonne und 30 Grad Hitze

Für Politiker, die sich um die Zukunft der Landwirtschaft Sorgen machen, eignet sich die Sommerbühne in diesem Jahr besonders. Dazu zwei Gedanken. Zum einen sind Wochen, in denen die Sonne 14 Stunden pro Tag unbewölkt scheint und die Temperaturen 30 Grad locker überschreiten, kein wirklich guter Zeitpunkt, um die Vorzüge der Weidehaltung zu thematisieren.

Es gibt diese Vorteile unbestritten. Aber Milchviehhalter berichten derzeit, dass Kühe ihre schattigen Komfortställe mit luftigen Wänden, Ventilatoren und Sprinklern durchaus zu schätzen wissen. Alles hat also seine Zeit.

Auf das Helfen beschränken

Und: Wer Landwirten helfen will, die mittlerweile auf betriebliche Katastrophen hinauslaufenden Dürrefolgen zu bewältigen, sollte sich genau darauf beschränken. Sonst könnte der Eindruck entstehen, es gehe ihm in Wirklichkeit um etwas ganz anderes.

Wie bei dem Vorschlag, den der Grünen-Vorsitzende und Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, jetzt unterbreitet hat. Er will mittels Obergrenzen erreichen, dass Betriebe nur so viele Tiere halten, wie sie mit selbsterzeugtem Futter versorgen können.

Betroffene Landwirte ohne Hilfe

Die wahre Absicht, Tierbestände im Land zu reduzieren, ist deutlich genug erkennbar, brauchbare Hilfe für betroffene Bauern hingegen nicht. Zumal die Rechnung schon auf den ersten Blick nicht aufgeht. Die größte Futternot herrscht im Osten, wo die Dürre seit Monaten jeden Halm verbrennt. Gerade in diesen Regionen liegen die Viehdichten aber schon heute weit unter dem Wert von zwei Großvieheinheiten, der Habeck vorschwebt.

Deshalb legen wir auch diesen Vorschlag unter Sommerlochaktivitäten ab und raten: Erst mal abkühlen und dann in Ruhe überlegen, wie man Landwirten in dieser extremen Wettersituation tasächlich helfen kann.

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