Login
Kommentar

Da spinnen nicht nur die Eichenprozessionsspinner

Maren Diersing-Espenhorst
Thumbnail
Maren Diersing-Espenhorst, LAND & Forst
am
19.07.2019

Der Eichenprozessionsspinner als naturgewordene Manifestation der politischen Spinnereien? Maren Diersing-Espenhorst kommentiert.

Moin liebe Leserinnen und Leser, die Welt ist voller Spinner. In den USA sorgt Trump mit, nennen wir es freundlich einmal, skurrilen Twitternachrichten für Kopfschütteln im weltweiten Netz. Denkt man an die Türkei und im Besonderen an Herrn Erdogan, möchte man den Kopf am liebsten in den ausgetrockneten Ackerboden stecken. Und in Russland spinnt Putin sein gruseliges Netz.

Als würden alle diese Spinner nicht schon reichen, sorgt in unserem wunderschönen Niedersachsen nun auch noch der Eichenprozessionsspinner für Sorgenfalten. Man könnte fast denken, er sei die naturgewordene Manifestation der politischen Spinnereien.

Gruselige Nester der Eichenprozessionsspinner

Der Betrieb meiner Familie ist – wie so viele alte Höfe – von einem kleinen Eichenwald umgeben. Früher, so habe ich einmal gehört, wurden diese Eichen gepflanzt, um den Hof vor Blitzeinschlägen zu schützen. Als meine Geschwister und ich Kinder waren, boten uns die Waldstückchen den perfekten Schutz, um kleine Buden zu bauen.

Heute ist es mit dieser Sicherheit vorbei. Meine Nichten und Neffen dürfen nicht mehr in die Nähe der majestätischen Bäume. Gleich am kleinen Weg durch den Wald entdeckt man die ersten Nester mit den gruseligen Eichenprozessionsspinnern. Weder Menschen noch Tiere sollten in Kontakt mit den Nestern kommen.

Von Juckreiz bis zum allergischen Schock

Juckende Ausschläge sind das kleinere Übel. Schlimmer wird es, wenn die feinen Härchen der Larven eingeatmet werden, dann können Atemnot und ein allergischer Schock die Folgen sein.

Das stellt uns – wie viele andere – vor Herausforderungen: Wie wird man die Viecher wieder los? Absaugen? Mit Sprühkleber einnebeln? Abfackeln? Letzteres ist, bei der teilweisen Trockenheit in unserem Land, keine gute Idee. Und absaugen ist auch schwierig: Wohin mit den abgesaugten Nestern? Also ist guter Rat, wie Sie sehen, teuer.

Mercosur für Landwirte nicht fair

Dass ist aber nicht nur beim Eichenprozessionsspinner der Fall. Auch Mercosur lässt mich und bestimmt einige von Ihnen ratlos zurück. Ich bin kein Globalisierungsgegner und halte weltweiten Handel für unumgänglich – zumal es ihn ja nun wirklich schon seit Jahrhunderten gibt. Aber es muss für alle Seiten fair zugehen.

Und das scheint mir beim Handelsabkommen mit Südamerika, zumindest für die Landwirte, nicht der Fall zu sein. Es ist nicht gerecht, dass Lebensmittel auf den europäischen Markt strömen, die nicht den hiesigen Produktions- und Qualitätsstandards entsprechen und die heimischen Erzeuger noch weiter unter Konkurrenz- und Preisdruck setzen. Wer kommt nur immer auf diese ganzen Spinnereien?

Auch Landwirt Mönch aus Engden (Grafschaft Bentheim) lebt mit dem Eichenprozessionsspinner...

Auch interessant