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Gastkommentar

Tierwohllabel: Liebe Politiker, macht endlich Eure Hausaufgaben!

Nadine Henke
Nadine Henke, Tierärztin und Sauenhalterin aus Bruchhausen-Vilsen
am
22.02.2019

Nadine Henke, Tierärztin und Sauenhalterin aus Bruchhausen-Vilsen, kann das Wort "Tierwohl" nicht mehr hören.

Die Kriterien des staatlichen Tierwohllabels wurden vorgestellt – und sorgen für viel Wirbel. Das Geschrei ist riesengroß. Alle wollen mehr Tierwohl. Für mich gibt es inzwischen fast kein anderes Wort mehr, was so inhaltsleer ist wie "Tierwohl". Ich kann es nicht mehr hören.

Lebensmitteleinzelhandel und Landwirtschaft haben sich gemeinsam sehr intensiv damit beschäftigt und die Initiative Tierwohl ins Leben gerufen. Erst danach musste die Politik natürlich nachziehen.

SPD: Aus Freiwilligkeit ein verpflichtendes Tierwohllabel

Ministerin Julia Klöckner hat die Kriterien für das staatliche Tierwohllabel vorletzte Woche vorgestellt. Die Teilnahme soll freiwillig sein, sagt sie. Das sieht die SPD jedoch ganz anders, obwohl sie auch Teil der Regierung ist.

Zitat Rainer Spiering: "Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass aus der Freiwilligkeit ein verpflichtendes Tierwohllabel wird. Zudem sollten sich die Kriterien deutlicher von dem gesetzlichen Standard abgrenzen."

Warum mischt sich Regierung in Markt ein?

Ich frage mich, warum muss sich die Regierung in den Markt einmischen – das ist nicht ihre Aufgabe. Währenddessen lässt sie wichtige Arbeiten, die uns Schweinehalter maßgeblich betreffen, einfach mal ruhen.

Seit Jahren warten wir auf eine Anpassung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die uns verlässliche Rahmenbedingungen bringen soll. Wie wäre es, wenn sich darum mal gekümmert wird?

Ein staatliches Tierwohllabel, was über unsere gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards hinausgeht, ist für mich eine absolute Verfehlung.

Armutszeugnis der eigenen Politik

Was möchte uns die Politik damit sagen? Dass sie ihre eigenen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht gut findet?

Ich bin fassungslos. Und die Aussage von Herrn Spiering ist das I-Tüpfelchen – wir brauchen also ein verpflichtendes Tierwohllabel, was sich deutlich vom gesetzlichen Standard abgrenzt? Merken die Verantwortlichen nicht, dass diese Aussage ein absolutes Armutszeugnis ihrer eigenen Politik ist?

Langes Warten auf neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung

Liebe Politiker, wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit der Wahrnehmung politischer Aufgaben?

Ich weiß, es ist schöner, sich lächelnd vor die Kameras zu stellen und Kampagnen oder Tierwohlkennzeichnungen zu präsentieren als politisch zu arbeiten. Wir warten schon sehr lange auf die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.

Wir brauchen keine staatliche Tierwohlkennzeichnung, sondern verlässliche gesetzliche Vorgaben. Nur so bekämen wir endlich mal Planungssicherheit. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, das ist die Aufgabe der Politiker.

Sie sollten endlich ihre Hausaufgaben machen!

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