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Meinungen

USA: Farmer fordern Schub fürs Land

US-Flagge flattert im Wind
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
17.11.2016

Der Bauernverband AFBF verlangt vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump, die Probleme auf dem Land ernsthaft anzugehen. Stimmen dazu aus den Staaten.

Der künftige US-Präsident verdankt seinen Wahlsieg vor allem den ländlichen Regionen. Nach der Präsidentenwahl in den USA hat die American Farm Bureau Federation (AFBF) eine stärkere politische Fokussierung der Verantwortlichen auf die Probleme im ländlichen Raum gefordert. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einer neuen Regierung, um wichtige Themen anzugehen“, erklärte AFBF-Präsident Zippy Duvall.

Das Land vernachlässigt

Dazu gehöre das Agrargesetz und die Steuerreform, aber ebenso die Entwicklung einer Handelsagenda, die Barrieren abbaue und Möglichkeiten für umfangreichere Exporte schaffe. „Jetzt ist es an der Zeit, dass die gewählten Abgeordneten für das ländliche Amerika einstehen und sich um die Menschen kümmern, die sie nach Washington gebracht haben“, so der Verbandspräsident.

Die wichtigen Themen, mit denen sich die US-Agrarpolitik auseinanderzusetzen habe, seien keine Frage der Parteifarbe. Duvall rief die Abgeordneten daher auf, die Gräben zwischen den Lagern zu überwinden und die Herausforderungen anzugehen. Ein wichtiges Handlungsfeld sieht der AFBF-Präsident im Umgang mit Regulierungen.

Wahlsieger Donald Trump hatte im Wahlkampf die Schließung der Umweltbehörde EPA versprochen, die viele Farmer für Umweltauflagen während der Obama-Regierung verantwortlich machen. Davon rückte der republikanische Politiker zwar inzwischen ab, jedoch wird er führende Positionen in dieser Bundesbehörde neu besetzen.

Bauernverband AFBF fordert Reform

Der Bauernverband dürfte dies begrüßen, ist für ihn doch eine Reform nötig, die Agrarbetriebe eher fördere als sie zu gefährden. „Die Landwirte sorgen sich um die Umwelt. Wir hoffen, dass die neue Regierung die Anstrengungen der Betriebe um mehr Nachhaltigkeit erkennt“, betonte Duvall. Seine harte Haltung gegenüber Einwanderern wird der künftige Präsident sicher überdenken müssen.

Da die Farmer zu einem großen Teil (legale und geschätzt zwei Millionen illegale) Einwanderer beschäftigen, könnte ein Immigrationsstopp zu geringerer Produktion und höheren Preisen führen. Eine Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln wird es ebenso wie Einschränkungen der Biotechnologie vermutlich auch künftig nicht geben.

Gemäß einer repräsentativen Umfrage vor der Wahl wollten 55 % der insgesamt 662.000 Landwirte mit einer Fläche von weniger als 200 Acres (rund 80 ha) Trump wählen, nur 18 % von ihnen Hillary Clinton. 

Mit Material von AgE, agrarheute.com/red

US-Journalist Chris Clayton: „Mehr Export, als mit TTIP möglich wäre“

Chris Portrait

Der US-Journalist Chris Clayton von der Fachzeitschrift „The Progressive Farmer“, Omaha, Nebraska glaubt, dass es eine der ersten Amtshandlungen von Donald Trump sein wird, aus dem Freihandelsabkommen über die transpazifische Partnerschaft (TTIP) auszusteigen: „Dafür hatte sich unsere Agrarbranche in den letzten Jahren stark eingesetzt. Die Agrarexporte erzielten unter Präsident Obama zwar neue Rekordhöhen, dennoch glauben viele Trump-Unterstützer unter den Landwirten, dass sich noch bessere Handelsabschlüsse mit weit größeren Exportmöglichkeiten aushandeln lassen. Allerdings bezog der künftige Präsident dazu bisher noch keine klare Stellung. Die Gespräche mit der Europäischen Union werden vermutlich vorerst pausieren.

Unsere Farmer erwarten von Trump, dass die zahlreichen Verordnungen Obamas hinsichtlich von Umweltschutzauflagen gelockert werden. So hatte er es ihnen zumindest versprochen. Auch was die Förderung und Subventionen anbelangt, wurden die Landwirte von der Obama-Regierung enttäuscht. Der neue US-Kongress könnte mit neuen Gesetzen die Agrarsubventionen anheben – was allerdings auf eine Schwierigkeit stoßen würde: Trump möchte zugleich Steuern senken und müsste die Staatsausgaben reduzieren, um diese Steuersenkungen auszugleichen.“

Mit Material von Christian Mühlhausen

US-Journalistin Holly Spangler: „Unsere Landwirte sind enttäuscht und unzufrieden“

Holly Spangler

„Das Ergebnis der US-Wahl hat praktisch alle überrascht, berichtet Holly Spangler, Redakteurin und Bloggerin beim „Prairie Farmer“. „Zum anderen müssen wir feststellen, dass es offensichtlich weitaus mehr Unterstützer Trumps gibt als wir bisher ahnten. Und schließlich wurde die Spaltung des Landes in das ländliche und städtische Amerika deutlich: Besonders das ländliche Amerika hat seine Unzufriedenheit in dieser Wahl sehr deutlich ausgedrückt. Hier im Herzen des ländlichen Mittleren Westens sind die Landwirte und Kleinunternehmer unzufrieden mit Obamas Politik. Besonders die Überregulierung durch die Umweltschutzbehörden und das Gesetz für eine bezahlbare Gesundheitsversorgung sorgte für Enttäuschung.

Nach Ansicht der Wähler steht Hillary Clinton für einen Fortbestand dieser Politik. Natürlich sind Trumps Hetzreden und Ansichten über die Handelsabkommen umstritten. Weder Trump noch Clinton befürworten TTIP, der landwirtschaftliche Sektor hingegen unterstützt dies. Erste Einblicke in Trumps Agrarpolitik konnten wir bereits gewinnen, erwarten aber noch mehr Details.Die Wahl macht noch etwas deutlich: Die Landwirte beschleicht das Gefühl, dass sie in den Medien falsch dargestellt werden. Sie werden als ungebildet, unbelesen, verzweifelt oder intolerant bezeichnet, was aber nicht wahr ist. Sie wollen in guter Nachbarschaft leben, wollen eine vernünftige Einwanderungsreform, wünschen Rassen- und Geschlechtergleichstellung und sind außerdem sehr gebildet. Wir geben die Hoffnung nicht auf und warten gespannt, was als nächstes kommt.“

Mit Material von Christian Mühlhausen
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