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Umweltpolitiker gegen Landwirtschaft

Viel mehr als billiges Essen

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
19.05.2016

Umweltpolitiker betrachten Bauern scheinbar nur noch als Störfaktor. Da wird es Zeit für ein Machtwort, meint Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst.

Kühe als Klimakiller, einseitige Schuldzuweisungen in der Nitratdiskussion, die Forderung nach einem Ende der Direktzahlungen, radikale Positionen gegenüber dem Pflanzenschutz. Die Breitseiten enden nicht, die Umweltbehörden auf Bundesebene nahezu pausenlos auf die Landwirtschaft abfeuern.

Schmidt kritisiert Umweltministerium

Da tut es gut, wenn jetzt dem eigentlich zuständigen Minister der Kragen platzt und er sich die ständigen Einmischungen in sein Ressort verbittet. Das Umweltministerium gehe zu weit, stellte Christian Schmidt diese Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung fest.

Es sei kein „Überministerium“, Landwirtschaft und Umwelt hätten gleichberechtigte Interessen, die es auszugleichen gelte. Diese Klarstellung war nach den endlosen Eskapaden Berliner Umweltpolitiker der letzten Zeit überfällig.

Was meint die Bundeskanzlerin?

Noch glaubwürdiger wäre sie allerdings aus dem Mund der Bundeskanzlerin. Denn inzwischen ist man sich ja nicht mehr sicher, ob es sich um eine Einzelmeinung eines nicht besonders auffälligen Ministers in ihrem Kabinett handelt oder ob es tatsächlich noch der Grundhaltung dieser Bundesregierung entspricht, die Landwirtschaft nicht hehren Umweltzielen zu opfern.

Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor

Dass Landwirtschaft keineswegs nur als Störgröße zu betrachten ist, sondern Nahrungsmittel produziert, als Wirtschaftsfaktor den ländlichen Raum stärkt und Kulturlandschaften erhält, ist auch in den aktuellen Preisdebatten ein starkes Argument.

Werden diese Zusammenhänge nämlich vernachlässigt, landet man zwangsläufig beim gnadenlosen Markt, der Angebot und Nachfrage wieder in Einklang bringen soll.

Landwirtschaft als Strukturfaktor

Ist es tatsächlich das, was die Gesellschaft will? Oder hat sie mit dem Preis für einen Liter Milch und ein Kilogramm Fleisch nicht auch den „Strukturfaktor Landwirtschaft“ zu vergüten?

Dabei reden wir nicht allein von beschaulichen Landschaften, in denen sich Radler und Jogger tummeln. Wir reden von Aufträgen an Händler, Spediteure und Handwerker in der Region, über Steuereinnahmen von Kommunen und, liebe Verpächter, auch über Einkünfte aus Pachtzahlungen.

Es kann teuer werden

Alles das wird im Moment sehr leichfertig auf‘s Spiel gesetzt, wenn man Landwirten in wirtschaftlicher Not die kalte Schulter zeigt und auf das freie Spiel von Angebot und Nachfrage verweist.

Über eines sollte man sich an diesem Punkt der gesellschaftlichen Debatte schon im Klaren sein: Wenn es nur um möglichst billige Lebensmittel geht, werden die Bauernhöfe in der Nachbarschaft schneller als bisher verschwinden. Das kann am Ende sehr teuer werden.

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