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Kommentar

Vion-Schließung in Zeven: Schwerer Schlag für die Landwirtschaft

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan © Philipp von Ditfurth
von , am
15.03.2017

Mit dem Zevener Vion-Werk schließt wieder ein Schlachthof. Wie bitte sollen regionale Kreisläufe noch funktionieren, fragt LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Die Nachricht schlug in der Region ein wie eine Bombe: Vion stellt innerhalb der nächsten Wochen den Schlachtbetrieb am Standort Zeven ein. Betroffen sind vor allem rund 300 dort beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch für Servicefirmen, Handwerksbetriebe und Zulieferer fällt ein wichtiger Auftraggeber weg. Völlig zu Recht spricht der Landrat deshalb von einem schweren Schlag für die regionale Wirtschaft.

Liefernde Tierhalter entsetzt

Das Entsetzen unter den Tierhaltern ist mindestens genauso groß. Im Herbst erst meldete Vogler im Wendland Insolvenz an. Nun hört mit Vion der letzte leistungsfähige Schlachter dieser Größenordnung im Nordosten auf.

Für die liefernden Tierhalter bedeutet das eine erneute Schieflage in der Kalkulation: Längere Wege und damit höhere Kosten sind absehbar. Zudem verschlechtert sich mit dem Verschwinden eines Wettbewerbers die Position der Erzeuger bei den Preisgesprächen.

Mehr Transportweg, weniger regionale Produkte

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Nun wird es noch schwieriger, den immer wieder proklamierten Wunsch der Gesellschaft nach Lebensmitteln aus der Region zu erfüllen. Wieder einmal zeigt sich, wie wenig Einfluss die Politik auf Entscheidungen großer Unternehmen hat. Gesellschaftlich gewünscht, politisch gewollt – und trotzdem wird nichts draus.

Eine weitere Folge bekommt vor allem die Landwirtschaft zu spüren. Da das Schlachthofsterben keine norddeutsche Krankheit ist, sondern bundesweit grassiert, nehmen Transportzeiten flächendeckend zu. Gerade die weiten Wege zur Schlachtung sind aber bekanntlich ein beliebtes Angriffsziel von Tierschutzorganisationen.

Und sie passen überhaupt nicht zu den Anstrengungen um mehr Tierwohl. „Wir packen den Schweinen einen Ball zum Spielen in die Bucht, um am Ende stundenlang mit ihnen über die Straßen zu zuckeln“, kommentierte ein Tierhalter die Nachricht aus Zeven.

Tierhalter zahlen doppelte Zeche

Auf die reißerischen Fernsehberichte über das „millionenfache Tierleid“ auf den Straßen kann man nun regelrecht warten. Wie immer, werden es wieder allein die Landwirte und ihre Viehvermarkter sein, die viel Geld in möglichst komfortable Transportfahrzeuge und in die Positiv-PR stecken. Schlachtunternehmen werden – ebenfalls wie immer – abtauchen, wenn es draußen ungemütlich wird.

Die Landwirtschaft zahlt damit die Zeche gleich doppelt. Gegenüber der aufgebrachten Bevölkerung verteidigt sie die moderne Landwirtschaft und stellt sich damit zugleich schützend vor die Schlachtkonzerne. Wie lange will sie sich das eigentlich noch antun?

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