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Wesermarsch: Tierhalter demonstrieren für wolfsfreie Zonen

Wolf-Augustgroden-Wesermarsch
Über 100 Tierhalter am Deich in Augustgroden (Kreis Wesermarsch): Für sie hat der Wolf in den Weidegebieten an der Küste Niedersachsens nichts zu suchen. © Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
Birgit Greuner, LAND & Forst ,
am
16.05.2018

Schaf- und Rinderhalter können es nicht fassen: Zuerst bauen sie ihre Herden mit viel Einsatz auf und dann werden diese relativ schutzlos dem Wolf überlassen.

Schluss mit den „Märchen“ über den harmlosen Wolf und her mit wolfsfreien Zonen in den niedersächsischen Weidegebieten entlang der Küsten: Das forderten vergangenen Samstag Landwirte, Schäfer und  Landfrauen am Deich in Augustgroden im Landkreis Wesermarsch.

Trotz bestem Wetter für Grasernte und Maisaussaat hatten es sich über 100 Teilnehmer nicht nehmen lassen, zwei Stunden für ihr dringendes Anliegen zu demonstrieren: Wolfsfreie Zonen in den Weidegebieten zur Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichverbandes am Deich.

Dazu aufgerufen hatten der Kreislandvolk- und Kreislandfrauenverbände Wesermarsch und Friesland sowie der Landesschafzuchtverband Weser-Ems.

Küstenschutz mit Wolf geht nicht

Küstenschutz wird im Wesentlichen durch die großen Schafherden auf den Deichen sichergestellt. Wenn der niedersächsische Deich wolfssicher eingezäunt werden muss, kostet das bei über 100 km Küstendeich den Oldenburgischen Deichband Millionen, machte Burchhard Wulf vom II. Oldenburgischen Deichband deutlich.

Ganz zu schweigen von dem erhöhten Anfall von Treibsel, der ebenfalls mit zusätzlichen Kosten entsorgt werden muss. Wulf: „Küstenschutz mit Wolf geht nicht.“ Zaunbau ist auch in den übrigen Weidegebieten mit hohen Kosten verbunden. Zu rechnen ist mit 7.000 Euro je Hektar. Hinzu kommen die Unterhaltungskosten.

Natürlicher Wildwechsel durch Zäune stark behindert

Mit einem Zuschuss für das Zaunmaterial ist es da nicht getan, stellte Dr. Karsten Padecken, Kreislandwirt  aus der Wesermarsch, fest. Die Funktionssicherheit der Elektrozäune lässt sich nur durch regelmäßiges Abmähen des Grases erreichen.

Damit werden auch Saumkulturen zerstört, betonte Hartmut Seetzen vom friesischen Landvolk. „Die sind Lebensraum für Insekten und Kleinwild“. Ganz zu schweigen von einem natürlichen Wildwechsel, der durch Zäune stark behindert wird. 

So mancher Schafhalter wird aufgeben

Und an die Verletzungen der Weidetiere, die bei Panik vor dem Wolf durch jeden Zaun durchgehen, möchten die Tierhalter gar nicht denken. Derart traumatisierte Tiere lassen sich nicht mehr in den Griff bekommen, sind Schaf- und Rinderhalter sicher. „Mit Tierschutz hat das nichts mehr zu tun“, so Seetzen.

Dieter Vogt vom Landesschafzuchtverband Weser-Ems betonte, dass ab diesem Juni kein Weidetierhalter mehr Entschädigung nach Wolfrissen bekommt, wenn er keinen Schutzzaun gesetzt hatte. Ein Teufelskreis, der so manchen Schafhalter zum Aufgeben bewegen wird, ist er sich sicher. 

Menschen müssen lernen, dass der Wolf geschossen wird

„Der Wolf muss lernen, dass der Mensch eine Gefahr für ihn ist“, betonte Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolk Niedersachsen. Viel Beifall gab es für seine Feststellung: „Der Mensch muss lernen, dass der Wolf geschossen wird“.

Denn der Wolf zeigt nicht das „harmlose“ Verhalten, das zu Anfang angenommen wurde. Wenn nichts geschieht, wird er auch die Weideregionen an den Küsten dauerhaft besiedeln, Wolfszaun hin oder her.

Nach einem Treffen mit Umweltminister Olaf Lies in diesem März hegt Ehlers etwas Hoffnung, dass sich die Meinung zum Wolf ändern könnte. 

Landfrauen: Schluss mit der Märchenstunde über den Wolf

Mit dem freien Leben auf dem Lande ist es vorbei, wenn der Wolf kommt. Davon zeigten sich die beiden Landfrauenvertreterinnen Ute Cornelius (Wesermarsch) und Ellen Kromminga-Jabben (Friesland) überzeugt.

„Die Touristen kommen in unser Gebiet, weil sie den freien Blick und das freie Leben hier genießen wollen. Wollen wir das hohe Risiko eingehen, dass dies durch den Wolf nicht mehr möglich ist?“, fragten sie.

Auch für Kinder ist das gefahrlose Leben draußen dann vorbei. Es muss Schluss sein mit der Märchenstunde über den Wolf, forderten sie unter Applaus.

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