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Wolf

Wolfsbehörden enthalten ihrem Minister Informationen vor

Wolf-Niedersachsen-Landesregierung
Anne Friesenborg
am
26.10.2018

Die Debatte um das Rodewalder Wolfsrudel, das im Kreis Nienburg für Ärger sorgt, nimmt kein Ende. Jetzt war Umweltminister Lies selbst vor Ort.

Umweltminister Olaf Lies musste in seiner Eingangsrede zur Informationsveranstaltung des Wolfsbüros in Linsburg am Mittwoch (24.10.) erst einmal Schadensbegrenzung betreiben. Er stellte sich vor seine Mitarbeiter. Was sollte er auch anderes tun.

Doch am Vortag hatten gerade sie bei der Inforunde des Wolfsbüros zum Herdenschutz im Steimbker Ortsteil Sonnenborstel im Landkreis Nienburg für viel Ärger und Unmut gesorgt. Zeitweise drohten dort sogar die Emotionen aus dem Ruder zu laufen.

Veranstaltung zum Thema Herdenschutz nur für Tierhalter

Schon, als die vom Wolfsbüro verschickten Einladungen eintrafen, hatte es Ärger gegeben. Die Veranstaltung zum Thema Herdenschutz war demnach nur für Tierhalter gedacht, Einlass nur gegen Vorzeigen der Einladung, kein Zutritt für die Presse.

Nach den ersten Reaktionen muss es beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ein Umdenken gegeben haben. Kurzfristig kündigte der Minister an, einen Tag später bei der nächsten Zusammenkunft „für alle“ vor Ort zu sein.

Keine sachliche Gesprächsatmosphäre

Den Beamten aus der Landeshauptstadt gelang es bei der Inforunde in Sonnenborstel nicht, die Sorgen der Landbewohner zu zerstreuen, geschweige denn eine sachliche Gesprächsatmosphäre herzustellen. Im Gegenteil, durch empathielose Antworten drohte mehrfach die Situation zu eskalieren.

Pressesprecherin Bettina Dörr vom Wolfsbüro, die die Diskussion leitete, hatte Mühe, die Menge zu beruhigen. Viele Interessierte verließen wütend den Raum, bevor die Veranstaltung zu Ende war.

Keinerlei Verständnis in der Politik

Umweltminister Lies

Der Wolf sei nichts anderes als ein Fuchs; noch gebe es keinen Handlungsbedarf, da der dafür nötige Anteil der gerissenen Tiere noch nicht erreicht sei; die Gefahr für Menschen sei eher gering, und vor Ort habe es schließlich noch keine Vorfälle gegeben. Aussagen dieser Art brachten einen großen Teil der Zuhörer heftig auf.

Schon vorher hatte der Eindruck geherrscht, dass es für die Sorgen und Nöte der Menschen, die mit den Wölfen leben müssen, in der Politik keinerlei Verständnis gebe. Diese Vermutung fanden viele im Saal jetzt bestätigt.

Handfeste Beschwerden an SPD-Politiker

Ganz anders die gleiche Veranstaltung mit Umweltminister Olaf Lies am nächsten Abend im zehn Kilometer entfernten Linsburg. Viele Teilnehmer aus Sonnenborstel waren auch hierher gekommen. Deshalb wiederholten sich zahlreiche Fragen. Auch handfeste Beschwerden über das Auftreten seiner Mitarbeiter erreichten den SPD-Politiker von Angesicht zu Angesicht.

Berichte und Belege über Wolfsvorfälle

Die Teilnehmer stellten erstaunt fest, dass eine Reihe von Berichten und Belegen über Wolfsvorfälle in der Region gar nicht bis in das Ministerbüro durchgedrungen sind. So hatte der Nienburger Landtagsabgeordnete Dr. Frank Schmädeke dem Minister vor der Veranstaltung eine Videoaufnahme von der Nahbegegnung mit einem Wolf zukommen lassen. Allerdings war der Film nicht neu.

Er stammte von Anfang Februar und wurde schon damals an das Wolfsbüro weitergeleitet. Doch den Schreibtisch des für den Umgang mit dem Wolf zuständigen Ministers hatte er nie erreicht.

Jedes kleine Detail von Vorfällen mit Wölfen melden

Daher gab es im Saal Unverständnis, als Lies dazu aufforderte, doch wirklich jedes kleine Detail von Vorfällen mit Wölfen zu melden, weil er sich jede Meldung anschauen würde. Einige Vorfälle, die über den Wolfsberater gemeldet wurden, hatten ihn anscheinend gar nicht erst erreicht.

Akzeptanz für den Beutegreifer Wolf

Eines wurde auf der Veranstaltung mit dem Minister mehr als deutlich: Einige seiner Mitarbeiter vertreten offenkundig nicht die Linie ihres Dienstherren. Der Umweltminister hatte bald nach seinem Amtsantritt angekündigt, um Akzeptanz für den Beutegreifer Wolf bei der ländlichen Bevölkerung zu werben. Denn darin sieht er den Schlüssel für einen erfolgreichen Artenschutz. Diesen Anspruch bekräftigte er, als er in der vorigen Woche im Bundesrat die Initiative Niedersachsens für einen konsequenteren Umgang mit dem Wolf begründete.

Solange die nachgeordneten Behörden und Einrichtungen, wie das NLWKN und sein Wolfsbüro, ihren eigenen Kurs fahren, dürften seine Absichten kaum von Erfolg gekrönt werden.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 44/18.

Länderübersicht: Das kostet der Wolf

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