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Kommentar

Wolfsmanagement: Vor dem Ende der Akzeptanz

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
16.12.2016

Viele Tierhalter fragen: Wolf oder Weidehaltung? Dabei geht beides, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan. Es muss nur das Nötige veranlasst werden.

Seit ihrem Auftauchen sorgten die Wölfe nicht für so viele Schlagzeilen wie in den vergangenen Wochen. Darunter war ein trauriger Rekord: Im Landkreis Uelzen lagen morgens 23 Stück Damwild übel zugerichtet im Gatter. Noch fehlt die endgültige Bestätigung, doch es gibt kaum Zweifel, wer der Verursacher war.

Auffällig still bleiben jene, die sich sonst hörbar für den bedingungslosen Schutz der Rückkehrer aussprechen. Kein Wunder, sind doch alle ihre Argumente widerlegt: Canis lupus ist keineswegs von Natur aus scheu, tötet bei Weitem nicht nur für den Nahrungsbedarf, beschränkt sich nicht auf Mufflon oder Reh, überwindet selbst hohe Zäune, lässt sich von Eseln in der Schafherde gar nicht und von Schutzhunden nur bedingt beeindrucken.

Wolf gegen Weidehaltung

Die Vorfälle der letzten Tage machen deutlich, worum es in Niedersachsen mittlerweile geht: Wegen der rasanten Ausbreitung der Wölfe steht die Zukunft der Weidetierhaltung auf dem Spiel. Davor scheint die Landespolitik allerdings die Augen zu verschließen. Umweltminister Wenzel, in dessen Ressort geschützte Arten fallen, erledigt Bedenken mit dem Hinweis, dass trotz wachsender Wolfspopulation die Zahl der Risse nicht stieg.

Wolfsübergriffe und Nutztierverluste schwanken sehr

Das ist Augenwischerei. Denn erstens gibt es eine Dunkelziffer. Manche Schafhalter scheuen den bürokratischen Aufwand, um mit ein paar Euros den materiellen Wert eines Tieres ersetzt zu bekommen. Und zweitens zeigt ein Blick in die Statistiken der „alten“ Wolfsländer Brandenburg und Sachsen: Die Zahl der Übergriffe und der Nutztierverluste schwankt sehr stark.

Geringer ist sie immer dann, wenn im Vorjahr besonders viel Geld in Schutzmaßnahmen floss. Im Jahr darauf verpufft der Effekt – 2016 gab es in beiden Bundesländern die höchsten Verluste seit Beginn der Aufzeichnungen. Trotz rückläufiger Tierhaltung und seit 2011 verdoppelter Ausgaben.

Wolf aus Weideregionen fernhalten

Es wäre nun die Aufgabe des Landwirtschaftsministers, seinen Amtskollegen im Umweltressort dazu zu drängen, ein tatsächlich wirkungsvolles Wolfsmanagement durchzusetzen. Denn für den Tierschutz bei Nutztieren ist er zuständig, und der Ausbau der Weidehaltung sein erklärtes politisches Ziel.

Anders als oft unterstellt, muss man den Wolf nicht gleich ausrotten, um Nutztiere im Freien halten zu können. Es genügt, ihn aus Weideregionen fernzuhalten. Das rechtliche Instrumentarium, das dem Land Ausnahmen vom strengen Schutzstatus erlaubt, gibt es bereits. Was offenbar fehlt, ist der politische Wille der Landesregierung, die Weidehalter und ihre Tiere zu schützen.

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