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Kommentar

Wolfsmanagement: Immer noch zu wenig Druck

LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan
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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
29.03.2018

Niedersachsen bestimmt sein Verhältnis zu den Wölfen im Land neu. Und staunt, wie wenig Brüssel weiß.

Viel Zeit hat sich der Umweltminister genommen, um mit dem Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement zu reden. Der Zusammenschluss spricht vor allem für die Tierhalter im Land, die sich mit der Rückkehr des Raubtieres vor unlösbare Aufgaben gestellt sehen.

Ihr Eindruck nach dem Treffen: Olaf Lies versteht ihre Sorgen und tut sein Bestes, Artenschutz und Weidetierhaltung unter einen Hut zu bringen.

Dafür kann man ihm nur viel Glück wünschen. Dass es der SPD-Politiker redlich meint, dürfte unstrittig sein. Doch die Hindernisse, die es auf dem Weg zu einem realistischen Umgang mit den Wölfen zu überwinden gilt, sind hoch.

Das erlebte er in Brüssel, wo er hinsichtlich des strengen Artenschutzes für die Grauhunde vorstellig wurde. Entscheidende Stellen in den gemeinschaftlichen Behörden befinden sich in völliger Ahnungslosigkeit, vor welchen Problemen die Tierhalter hierzulande stehen.

Weidetierhaltung und Raubtiere passen nicht

Das überrascht durchaus. Denn dass die Tierhaltung auf Weiden und die Anwesenheit von Raubtieren nur schlecht zusammenpassen, ist in der Europäischen Union keine neue Erkenntnis.

Estland, Lettland, Litauen, Polen, Schweden, Frankreich, Bulgarien, Rumänien, Italien, Spanien - die Liste der Mitgliedstaaten mit einschlägigen Erfahrungen ist lang.

Der Eindruck, dass die deutschen Vertreter die hiesigen Probleme gegenüber der EU bisher nicht nur nicht offen vorgetragen, sondern anscheinend eher kleingeredet haben, drängt sich förmlich auf.

Wie ist so etwas möglich? Selbst Naturschutzverbände in Niedersachsen spüren, wie die Akzeptanz für die wölfischen Nachbarn in der Bevölkerung zu bröckeln beginnt. Sie engagieren sich schon beim Zäunebauen.

Nur: Damit wird das grundsätzliche Problem nicht gelöst. Und das lautet: Wie gelingt es, die Wölfe wieder auf Abstand zu Menschen und Weidetieren zu halten?

Tierhalter stehen zu oft alleine da

Die Antwort ist bekannt. Dass der Umweltminister nun EU-Vertretern den Ernst der Lage hier vor Ort klar machen will, ist ein guter Anfang. Unabhängig davon bleibt die Erkenntnis, dass diejenigen, die von der Rückkehr der Wölfe direkt betroffen sind, ihren vitalen Interessen gegenüber der Politik immer noch nicht genügend Nachdruck verleihen konnten.

Tierhalter stehen zu oft allein da. Nicht jedem Landeigentümer scheint bewusst zu sein, wie sehr der strenge Artenschutz in seine Angelegenheiten eingreift. Eigene Interessen allein durch seine Verbände vertreten zu lassen, reicht angesichts der großen Widerstände längst nicht aus. Es braucht sehr viele Stimmen, um in Brüssel gehört zu werden.

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