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Kommentar

In Zeiten des Klimawandels braucht Wald mehr Personal

Buchenwald
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Heidrun Mitze, LAND & Forst
am
08.08.2019

Waldbau im Klimawandel ist mit vorhandenen Kräften nicht zu stemmen. Der Wald braucht Personal, findet Redakteurin Heidrun Mitze.

Liebe Leserinnen und Leser, in unseren Wäldern sieht es dramatisch aus! Von Stürmen geworfen, von Trockenheit geschwächt und von Schadpilzen, Käfern sowie anderen Insekten befallen, mussten zunächst viele Fichten und Lärchen weichen. Nun nun sind auch mehrere unserer wichtigsten Laubbaumarten und sogar die eigentlich trockenheitstoleranten Kiefern betroffen.

Geld ist mit dem Holz keines zu verdienen. Stattdessen ist das unfreiwillige Aufräumen ein Versuch, das Ausbreiten der massiven Schäden zu bremsen und noch intakte Wälder zu retten. Diesen Wettlauf bestreiten Waldbesitzer, Förster und Forstunternehmer seit mehr als eineinhalb Jahren – eine Arbeit an der Belastungsgrenze. Nicht selten müssen Förster ihre Waldbesitzer psychologisch unterstützen.

Mehr Holz entnommen als nachwächst

Heidrun Mitze

Der Vater des Nachhaltigkeitsprinzips, Hans Carl von Carlowitz, wäre entsetzt, denn die Grundregel des Waldbaus ist seit 2018 zwangsweise außer Kraft gesetzt: Aus dem niedersächsischen Wald wird weit mehr Holz entnommen, als wieder nachwachsen kann – in manchen Gebieten ein Vielfaches des geplanten Jahreseinschlags.

Diese Katastrophe hat eine wichtige Erkenntnis zutage gebracht: In den Wäldern herrscht ein deutlicher Mangel an Fachkräften. Über Jahrzehnte wurde der Gürtel enger geschnallt. Immer weniger Försterinnen und Förster betreuen immer größere Waldgebiete.

Risikovorsorge muss sein

Auch wenn das Ausmaß der jetzigen Misere im Wald nicht absehbar war, so doch die Notwendigkeit zur Risikovorsorge. Das Wissen ist schließlich nicht neu, dass strukturreiche standortangepasste Mischwälder mit einem breiten Artenspektrum sowohl ökologisch wertvoller, als auch stabiler gegenüber Stürmen und anderen Wetterunbilden sind.

Das belegen die inzwischen 28 Jahre alten, verbindlichen Leitlinien der Landesforsten zur Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung (LÖWE). Und auch die Mischkulturvorgaben (WET) der niedersächsischen Waldbauförderung machen diese Intention deutlich.

Fachpersonal fehlt

Umfangreiche Forschungsarbeit zu einer zukunftsfähigen Baumartenwahl auf der Grundlage von Klimaszenarien ist durch die Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen bereits geleistet worden.

Es ist also vieles bereit, allein es fehlt an Fachpersonal für den Wissenstransfer und dessen Umsetzung in der Praxis. Waldbesitzer zu einem zukunftsfähigen Waldbau befähigen: Hier sollte die öffentliche Unterstützung ansetzen.

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