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Interview

Zwischen Unsicherheit und Zuversicht

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
17.12.2015

Niedersachsen und Bayern sind die wichtigsten Agrarregionen in Deutschland. Wir sprachen mit Werner Hilse und Walter Heidl, den Präsidenten der beiden Landesbauernverbände, über aktuelle Stimmungen und Perspektiven.

Im westlichen Niedersachsen begann ein Beratungsringleiter neulich seine Begrüßung mit den Worten: „Wir sind orientierungs- und hilflos“. Was zermürbt die Bäuerinnen und Bauern so stark?

Heidl: Es würde mich wundern, wenn er wirklich orientierungs- und hilflos wäre. Er gibt aber ein Gefühl wieder, das durch die katastrophale Marktlage, noch viel mehr aber von der öffentlichen Diskussion über Landwirtschaft und Nutztierhaltung ausgelöst wird. Die Art und Weise, wie diese Diskussion geführt wird, treibt die Bauern auf die Palme, weil sie es von der Sache her nicht nachvollziehen können. Ich versuche immer wieder zu erklären, dass es eine öffentliche und eine veröffentlichte Meinung gibt. Die öffentliche Meinung zur Landwirtschaft ist positiv. Wahrnehmen tut man aber die veröffentlichte, die aus den Medien. Die, welche die veröffentlichte Meinung prägen, verfolgen ein Geschäftsmodell. Das muss man entlarven. Die Politik - die Grünen -, die großen Medien und die sogenannten NGOs (Nichtregierungsorganisationen wie die Umweltverbände - d. Red.) werden nie aufhören, so lange das Thema etwas hergibt. Das muss unseren Bauern bewusst werden und gerade deshalb dürfen sie sich nicht von ihrer Öffentlichkeitsarbeit abbringen lassen.

Hilse: Bei uns in Niedersachsen führt gerade auch diese nicht durchschaubare Politik zu einer Perspektivlosigkeit auf den Höfen, lähmt den Willen, Verbesserungen durchzustezn. Wenn ein Landwirt nur die Fenster in seinem Stall tauschen will, dann wird der gesamte Betrieb in Bezug auf Emissionen durchleuchtet. Da sagt fast jeder: Jetzt bloß  nichts mehr anfassen! Was also jetzt neu dazugekommen ist, ist ein Politikrisiko. In der Vergangenheit konnte man bei einem Stallbau für mindestens 20 Jahre relativ sicher planen. Heute kommt die Politik und sagt plötzlich, so geht das nicht mehr. Klar ist, wir müssen Auswüchse bekämpfen, wir müssen hingucken, wo etwas wirklich nicht stimmt; aber alle in eine Haftung zu nehmen, das ist Unsinn. Das demotiviert. Wir haben in Niedersachsen fast keine Bautätigkeit mehr., was einer Veränderungssperre gleichkommt. Und auch für Ackerbauern wird das Korsett sehr eng, Stichwort Glyphosat, Stichwort Düngeverordnung. Ich vermisse als Praktiker, dass ich nicht mehr praktisch denken darf auf meinem Hof, sondern nur noch nach Gesetzen und Verordnungen.

Werden diese Horrorszenarien ein Dauerzustand sein?

Hilse: Wenn ich mich frage, wo habe ich als Bauer eine politische Heimat, dann muss ich feststellen, ich finde sie im Moment bei keiner Partei, auch nicht mehr in der CDU. Das sorgt bei vielen Berufskollegen für das Gefühl, keiner nehme mehr ihre Belange ernst.

Wie sieht es da in Bayern aus?

Heidl: Auch in der CSU nimmt die Entfernung zur Landwirtschaft zu, da fehlt zunehmend das Wissen. Insgesamt haben wir aber schon noch Zugang und können über die Landesgruppe im Bundestag auch Einfluss auf Entscheidungen nehmen, etwa beim Zuschuss zur Unfallversicherung.

Das vollständige Interview lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 51/2015 auf den Seiten 12 bis 14. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

 

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