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Agrarpolitik

Zur Stelle, wenn sie gebraucht wird

von , am
26.11.2013

Nicht nur für die Landwirtschaft ist sie wichtig: Die Landwirtschaftskammer stellt sich ebenso in den Dienst der Bürger. Bei der diesjährigen Kammerversammlung wurden dafür aktuelle Beispiele angeführt.

Kammerdirektor Hans-Joachim Harms, Präsident Arendt Meyer zu Wehdel (v. l.) und Landwirtschaftsminister Christian Meyer (r.) gratulierten den ausgezeichneten Jungunternehmern: (v. l.) Wiebke und Jens Hellwig aus Westerloy (Landkreis Ammerland), Heiner Lehmhus aus Rosenberg (Landkreis Friesland) und Heinrich Aue aus Harsum (Landkreis Hildesheim). Mehr Informationen zur Ehrung dazu im Kasten auf dieser Seite. © Ritzmann
Die im Februar in Importmais festgestellten Aflatoxine waren die erste besondere Bewährungsprobe des Jahres. Viele Futterbaubetriebe konnten ihre Milch nicht abliefern, Verbraucher reagierten verunsichert. Die zur Kammer gehörende LUFA Nord-West habe viele Milchproben zügig auf das Schimmelpilzgift untersucht und sehr schnell Entwarnung gegeben. "Die Betriebe konnten wieder ihre Milch abliefern, und die Konsumenten waren beruhigt", fasste Kammerdirektor Hans-Joachim Harms in seinem Bericht zusammen.
Zuverlässig und schnell

Solches Handeln entspreche dem Geist unseres Hauses, sagte er und ergänzte: "Wir sind präsent, wenn wir gebraucht werden." Das habe auch im Mai/Juni gegolten, als Starkregen viele Felder unter Wasser setzte und zu Stickstoffverlagerungen im Boden führte. Anhand weit verzweigter Versuchsfelder habe die Kammer jeweils konkrete individuelle Düngeempfehlungen aussprechen können. "Das ist der Umwelt und der Landwirtschaft gleichermaßen zugute gekommen", so Harms. Ebenso zuverlässig wurde die Soforthilfe für vom Hochwasser betroffene Landwirte im Auftrag des Landes Niedersachsen abgewickelt. Rund 800 Anträge auf Ausgleich hochwasserbedingter Schäden seien zügig und professionell abgearbeitet worden. Bereits im August hätten erste Bewilligungsbescheide verschickt werden können. "Das ist deutlich schneller als in den anderen vom Hochwasser betroffenen Bundesländern", stellte der Kammerdirektor fest.
Umfassend moderner

Den Mitgliedern der Kammer und ihren Gästen berichtete Harms außerdem von den anstehenden Investitionen, mit denen die Kapazitäten für Dienstleistungen modernisiert und ausgebaut werden. Größtes Vorhaben ist dabei der Ausbau des LBZ Echem, für den am Tag nach der Kammerversammlung der symbolische erste Spatenstich erfolgte.
 
Man sei nach Abstrichen an den Vorhaben und einer Fristverlängerung damit im Zeit- und Kostenplan, sagte Harms. Größte Investition im Bereich Pflanzenbau ist die grundlegende Modernisierung des Pflanzenschutzamtes am Standort Hannover-Ahlem.
Stabilisierung auf Höfen

Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel informierte zunächst über die wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft. Für den größten Teil der niedersächsischen Haupterwerbsbetriebe sorge der Blick zurück in das vergangene Wirtschaftsjahr 2012/2013 für Zufriedenheit, sagte er und stellte fest: "Das gemittelte Unternehmensergebnis von 74.800 Euro je Betrieb lag gut 14 Prozent über dem Niveau des Vorjahres und  hat nach den Achterbahnfahrten der Vergangenheit nunmehr im zweiten Jahr in Folge zu einer wohltuenden Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse auf den Höfen beigetragen".

Meyer zu Wehdel schränkte jedoch unter Hinweis auf gestiegene Futterkosten ein, dass dem Boom der Agrarmärkte nicht alle Betriebe gleich folgen konnten. Optimistisch stimme ihn, dass die überwiegende Anzahl der Haupterwerbsbetriebe einer Rentabilitätsbetrachtung standhalten könne und sogar eine positive Eigenkapitalveränderung zu verzeichnen war.

"Was weiterleben will, muss sich entwickeln, muss wachsen", sagte Meyer zu Wehdel, stellte aber zugleich die Frage, ob Wachstum allein über Mastplätze oder Hektare zu definieren sei oder nicht auch über Qualität, unter der er "Stärke, Leistungsfähigkeit und Substanz" versteht. "Im Kern geht es um die ganz einfache Frage: Geht da noch was?", spitzte der Kammerpräsident den Gedanken zu und antwortete selbst mit Ja.
Mit den Vorteilen werben

Um Erfolg zu haben, gebe es nur den einen Weg, Investitionen künftig viel besser und offensiver zu kommunizieren als in der Vergangenheit. Dazu gehöre es auch, immer wieder auf den Zusammenhang von florierender Landwirtschaft und Wohlstand in den Dörfern hinzuweisen. Dies sei aus dem Blick geraten. Investitionswillige Betriebsleiter sollten Bürgermeister und Lokalpolitiker rechtzeitig als Partner mit ins Boot holen, indem sie die positiven Wirkungen von Investitionen für das Dorf, die Kommune und den Landkreis erläutern: "Wir müssen nachweisen, welcher Nutzen entsteht." Ein Überraschungspaket frei nach dem Motto ‚Du wirst staunen, was hier noch alles passiert‘ hätte dagegen fatale Folgen.

Spitze des Fortschritts

Vizepräsident Heinrich Grupe vertiefte den Gedanken, indem er darauf hinwies, dass wachstumswillige Betriebe Mitarbeiter einstellten. "Die aktuellen Ausbildungszahlen beweisen, dass die grünen Berufe einen hohen Stellenwert für den ländlichen Raum haben", sagte er. Es handele sich um überwiegend hoch qualifizierte Arbeitskräfte mit hohen Erwartungen an die Aus- und Weiterbildung.

"Wer die bäuerliche Landwirtschaft erhalten will, muss an der Spitze des Fortschritts stehen", fasste Landwirtschaftsminister Christian Meyer seine Erläuterungen der neuen niedersächsischen Agrarpolitik zusammen. Als aktuelle Aufgaben bezeichnete er ein verbessertes Nährstoffmanagement, die Minimierung des Antiobiotikaeinsatzes in der Tierhaltung und die Umsetzung des Tierschutzplanes. Diese Herausforderungen zu bewältigen, werde nach seiner Ansicht zu mehr Akzeptanz für eine bäuerliche, zukunftsorientierte Landwirtschaft führen.

Meyer kündigte an, für das geplante Düngekataster der Kammer die qualifizierten Flächennachweise der Landkreise zur Verfügung stellen zu wollen, um einen Abgleich mit Meldungen zur Verbringensverordnung zu ermöglichen. Als bedenklich bezeichnete der Grünen-Politiker die Höhe der Ammoniak-emmissionen aus der Tierhaltung.
Die Mitglieder der Kammerversammlung hatte am Vormittag den Vorstand für das Jahr 2012 entlastet, das gegenüber dem Plan mit einem leicht verbesserten Ergebnis abgeschlossen wurde. Außerdem verabschiedeten sie den neuen Haushalt und wählten Theo Runge für den ausscheidenden Tobias Göckeritz in den Vorstand.
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