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Technik

Die Basis aller Entscheidungen

von , am
17.09.2013

Bodenbearbeitung und Aussaat im Getreidebau war das Thema der 200. Maschinenvorführung der LWK Niedersachsen. Fast 2.000 Besucher haben sich die neuesten Entwicklungen angesehen.

Diese Scheibenscharsämaschine mit einer Arbeitsbreite von sechs Metern fand viele interessierte Betrachter. © Kollek
Wer sich grundsätzlich rund um Neuheiten in Punkto Landmaschinen informieren möchte, geht zur Maschinenvorführung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wer sich schon fast für ein Produkt entschieden hat, geht ebenfalls hin, um sich das auserwählte Gerät und die Konkurrenz praktisch vorführen zu lassen. Wer Kollegen und Fachleute zum informativen Plausch treffen möchte, geht sowieso hin.

Vereinzelt wollten es Besucher genau wissen und nicht ausschließlich dem Firmen-Katalog glauben: Also wurde der Spaten gegriffen und nachgegraben, wo denn wirklich die Arbeitstiefe des Gerätes endet. Sofort versammelten sich andere Maschinenbegeisterte um den Spatenbesitzer - ein Wort gab das andere und schon war man mitten drin in einer Debatte über Kurzscheiben- und Großfederzinkenegge, Mulchsaatgrubber oder Grubberkombination.

Die diesjährige Maschinenvorführung fand vergangene Woche auf dem Klostergut Wöltingerode in Vienenburg (Lk. Goslar) statt. Thema war die Bodenbearbeitung und Aussaat im Getreidebau. 46 Maschinen und Geräte standen auf dem Plan, allein neun verschiedene Geräte zur Stoppelbearbeitung, drei Tiefenlockerer und diverse Grubber - vom Schwergrubber bis zum Aufsattelgrubber. Hinzu kamen 14 Sämaschinen, die jedoch, mit Ausnahme der Claydon-Direktsaatdrillmaschine, wegen des nassen Bodens nicht im praktischen Einsatz gezeigt werden konnten. Das war schade, schließlich ist die Vorführung das Besondere der Veranstaltung. "Alles andere kann man sich auf Messen und im Handel angucken", machten einige Besucher deutlich. Die LWK-Vorführung scheint hingegen fester Bestandteil der Kaufentscheidung für so manchen Landwirt zu sein. Im Internet informieren, bei der Maschinenvorführung das Gerät im praktischen Einsatz begutachten, auf der Agritechnica zuschlagen - so fassten viele Besucher ihre Vorgehensweise zusammen.

Neben Landwirten unterschiedlicher Couleur - vom Großbauern mit mehreren Ackerbaubetrieben bis zum Partner innerhalb einer Betriebsgemeinschaft - tummelten sich auch viele junge Leute auf dem großflächigen Gelände des Klostergutes. Fachoberschüler zum Beispiel, vom Lehrer mit Fragen wie "Was gibt es Neues bei den Grubbern?" losgelassen. Rede und Antwort standen ihnen neben den Vertretern der Firmen auch die Berater aus dem Fachbereich Energie, Bauen & Technik der Landwirtschaftskammer, schon aus der Ferne an ihren gelben Warnwesten zu erkennen. Während Harm Drücker, bei der Kammer unter anderem der Spezialist für Precision-Farming, den reibungslosen Ablauf der Maschinendemonstration moderierte, fanden die anderen Kollegen des Fachbereichs nach tagelanger Aufbauarbeit Zeit für Gespräche mit den Besuchern.

Bei den Maschinenbegeisterten erfreuten sich auch die Berater an den Firmen-Infoständen permanent reger Besucherströme. Vor, während und nach der Vorführung gruppierten sich die Menschen um die Geräte und mancher wunderte sich, dass "die Landwirte trotz der fortgeschrittenen Saison nicht müde, sondern interessiert und hochmotiviert an allem sind, was ihre Arbeit angeht". Dass bei so viel Technik der eine oder andere auch gerne einmal zurückblickt, wundert nicht. "Die großen Schlepper kann doch jeder fahren", bemerkte ein Urgestein aus der Umgebung an, "aber wer kann heutzutage noch mit dem Dreschflegel umgehen oder weiß, wie man Garben bindet?"

Dass zwischen Oldtimern von 1950 und Precision Farming mit seinen GPS-Empfängern und sensorgesteuerten Navigationssystemen noch viel Raum für eine gute fachliche Praxis ist, bewiesen die Besucher am Rande des Ackers. "Die Maschinen sind die Basis für unsere Arbeit heute, und die Entwicklung in den vergangenen 50 Jahren ist gigantisch", erklang es während der Vorführung. Aber jeder Einzelne müsse sich genau überlegen, welche Geräte er auf seinem Betrieb einsetze. Und dabei helfe nur: Informieren und ausprobieren.
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