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Technik

Den Boden im Griff haben

von , am
05.02.2014

Steillagen und schräge Flurstücksgrenzen sind eine Herausforderung für Landwirte in Sachen Bodenbearbeitung. Hier ein Beispiel aus Lohbach zwischen Solling und Weser.

Die alte Drillmaschine AT wurde mittlerweile durch eine Ultima ersetzt. © Mühlhausen/landpixel
Hier in Lobach nahe des Örtchens Bevern, wirtschaftet Ulrich Schaper auf dem väterlichen Ackerbaubetrieb: "Die Bodenverhältnisse sind sehr unterschiedlich. Von 40 bis 80 Bodenpunkten haben wir alles - und 80 Prozent sind Hanglagen", sagt der 49-Jährige. Ackerbaulich besonders anspruchsvoll sind die Tonböden, insbesondere die Kuppen: Dort richten Spätfröste besonders häufig Schäden an, dort vertrocknet zur Frühsommertrockenheit als erstes die Feldfrucht.

"Doch wir haben das Problem ganz gut in den Griff bekommen", sagt Schaper. Seit 1996 arbeitet der Betrieb komplett pfluglos. Auslöser waren die teils heftigen Erosionsschäden, die an den steilen Hanglagen entstanden sind: "Wir mussten zum Teil Erde in die Erosionsrinnen fahren, damit wir noch mit der Pflanzenschutzspritze durchs Feld fahren konnten", erinnert sich Schaper.

Zunächst Lehrgeld

Als Positivbeispiel hatte Schaper aus seiner Studienzeit in Witzenhausen den Betrieb Breun in Nordhessen vor Augen, der seit über 30 Jahren pfluglos arbeitet und mit ähnlichen Standortverhältnissen wie in Lobach klarkommen muss. Zunächst habe man Lehrgeld bezahlen müssen, nach fünf Jahren ohne Pflug sei man aber am Ziel angekommen: "Wir haben keine höheren Kosten gehabt und die Erträge sind nicht gesunken", erinnert sich Schaper an die Umstellungszeit. Im Laufe der Jahre habe man aber die Kosten für die Arbeitserledigung weiter senken können und noch einen weiteren Vorteil verzeichnet: "Die Erträge sind stabiler geworden, insbesondere auf den schwierigen Kuppen", so Schapers Fazit nach fast 20 Jahren ohne Pflug. Das habe auch sein Vater lobend anerkannt, der am Anfang der pfluglosen Bewirtschaftung sehr skeptisch gegenüber stand.

Einiges ausprobiert

Doch die pfluglose Wirtschaftsweise ist kein Selbstläufer. "Die Bodenbearbeitung wird bei pflügenden Betrieben oft unterschätzt, aber für uns ist sie das A und O, von ihr hängt sehr vieles ab", sagt Schaper. Er setzt mittlerweile vollständig auf Technik von Köckerling aus Verl. Das begann 2004 mit einer gezogenen Drillmaschine AT, die er bei einem Nachbarn im Einsatz gesehen hatte - und die auch bei widrigen Bodenbedingungen sehr gute Ergebnisse brachte.

Auch beim Grubber suchte Schaper lange Zeit, bis er mit dem Köckerling Vario drei Meter zunächst das für ihn optimale Gerät fand: "Das Gerät muss schwer sein, um überhaupt tief in die Erde zu kommen und Boden mit Stroh gut zu vermischen sowie lang, um eine gleichmäßige, ebene Fläche zu hinterlassen", sagt Schaper. Mit einer Tonne Gewicht pro Meter Arbeitsbreite und der durch die Länge bedingte langen Verweildauer von Boden und Stroh im Gerät habe man genau dies erreicht. Der Vario ermöglicht zudem einen flexiblen Einsatz zwischen fünf und 25 Zentimetern Tiefe - und diese Tiefe kann während der Fahrt bequem variiert werden.

Der Vario ist mittlerweile ersetzt worden durch einen vierbalkigen Köckerling Quadro mit 5,70 Metern für die tiefe Bodenbearbeitung sowie einem Allrounder mit 7,50 Meter für die flache. "Wir sind dadurch sehr schlagkräftig und können uns die Tage aussuchen, an denen wir die Arbeiten durchführen." Zwei Schlepper mit je 325 PS sorgen für die nötige Zugkraft, da die Technik für ein gutes Ergebnis eine gewisse Mindestfahrgeschwindigkeit erfordert. Ein typischer Arbeitsgang sieht so aus, dass beispielsweise zu Raps erst der Allrounder auf 7 cm sofort nach dem Drusch der Gerste eingesetzt wird, um die Restfeuchte für den Auflauf zu nutzen. Dann erfolgt eine organische Düngung durch Geflügelmist, ehe dann der Quadro auf 15 cm eingesetzt wird. Wenn Zeit und weiterhin viel Auflaufgetreide zu sehen ist, erfolgt eventuell ein weiterer Arbeitsgang mit dem Allrounder.

Walze verstopft nicht

Als wirkliche Innovation bezeichnet Schaper die nachlaufende STS (soil-to-soil)-Walze von Köckerling, bei der sich die an den Grubber nachlaufenden Ringe mit Erde füllen. Und da Erde nur bedingt an Erde haftet, verstopfen diese Walzenringe nie. Ein Striegelnachläufer sorgt dafür, dass eventuell gehäuftes Stroh noch auseinander gezogen wird. Bei der Drilltechnik ersetzte Schaper vergangene Woche die alte AT mit 4,50 Metern durch eine 6 m Ultima von Köckerling.

Auch beim Mähdrusch steht Schaper auf eigenen Beinen. Musste früher in der Ernte zusätzliche Mähdrescherkapazität eingekauft werden, ist Schaper heute mit zwei New Holland-Dreschern (eine Schüttler-, eine Rotormaschine) bestens ausgestattet und führt selber Lohndrusch aus. Die beiden Maschinen - eine für ebene, große Flächen, eine für Hanglagen - würden sich hervorragend ergänzen, insbesondere die Strohverteilung sei hervorragend.

Schapers Motto, nicht nur bei der Reparatur, ist: Möglichst viele Arbeiten selber erledigen, damit auf den teils schwierigen Böden immer der ideale Einsatztermin genutzt werden kann. "Wir roden unsere Rüben selbst mit einem Sechsreiher - und machen auch mal ein paar Tage Pause, wenn es zu nass ist." Bodenverdichtung zu vermeiden und gute Bodenstrukturen aufbauen - diese beide Aspekte ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Arbeitsschritte auf dem Hof. Dass Schaper keinen Mais anbaut, ist infolge nur konsequent, "denn da haben wir den Häckseltermin nicht in der Hand. Wir möchten uns unsere Böden bei nassem Erntewetter nicht kaputtfahren lassen." Auch die jährlich 1.000 Tonnen Geflügelmist und 1.000 Tonnen Kalk bringt Schaper selber aus, zusätzlich wird diese Arbeit anderen Betrieben in Lohn angeboten.
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