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Technik

Bodenschutz, Fahrkomfort und Zugkraft

von , am
26.02.2014

Je feuchter der Boden ist, umso mehr Kraft brauchen Maschinen bei der Bodenbearbeitung. Was Sie beachten sollten, um bei ausreichendem Bodenschutz auch noch Kosten zu sparen, lesen Sie hier.

Zu schweres Frontgewicht und zu hoher Reifendruck an der Hinterachse vermindern die Dieseleffizienz. Abhilfe: Ackerdruck mit ca. 0,8 bar Luftdruck in Reifen einstellen und Traktionsverstärker nutzen. © Volk
Traktor und Maschinen rollen umso leichter, je fester der Boden liegt und umso flacher wird die Spur. Bei ca. 40 % luft- und wassergefüllten Poren im fruchtbaren Boden, notwendig für die hohe Ertragskraft, tragen die ca. 60 % Festsubstanz die Last.

Beim Befahren und bei der Bearbeitung ist das richtige Zeitfenster entscheidend für Dieselaufwand und Bodenschutz. Zu trockener Boden braucht beim Lockern mehr Diesel, zu feuchter Boden erleidet Spuren, Verdichtungen und Ertragsverluste.

Es ist das Fachwissen des Landwirts das richtige Zeitfenster für die Maßnahme zu bestimmen. Um das tiefe Einsinken im Boden zu vermindern, kann er mit größeren, breiteren oder mehrfachen Reifen die Bodenkontaktfläche vergrößern. Diese Fläche kann auch vergrößert, genauer gesagt verlängert, werden durch den vom Reifenhersteller in der Betriebsanleitung empfohlenen Ackerluftdruck. Der flexible Radialreifen verlängert sich durch die flexiblen Reifenflanken und die Spur wird flacher. Wenn sich bei Zugarbeiten die Stollen mit dem Boden verzahnen, aber keine tiefere Spur gebildet wird, haben Sie gute Zugleistung mit weniger Schlupf. Tiefere Spuren entstehen durch hohe Masse auf kleiner Bodenkontaktfläche und durch Schlupf mit Fräswirkung der durchdrehenden Stollen im Boden. Die Spurbildung und der Schlupf über 15 % sind bestimmend für eine schlechte Energiewandlung des Traktors bei Zugleistungen.

Bei der Bodenbearbeitung bewegt sich der Traktor mit mehr oder weniger Einsinktiefe im Feld. Die Spurtiefe bedeutet Bodenverdrängung nach unten und durch Schlupf nach hinten. Gleichzeitig fährt der Traktor bei der Spurbildung mit den Reifen fortwährend gegen einen Erdwall. Dieses kraftzehrende und permanente Bergauffahren im Ackerboden wird Bulldozingeffekt genannt. Ein moderner Traktor setzt bei Zugleistungen auf dem Acker die Dieselenergie mit einem Wirkungsgrad von 0 bis 25 % um.

Entscheidend für die effektive Energiewandlung aus dem teuren Diesel hin zur Zugleistung sind:

Zeitpunkt der Bearbeitung;
passende(r) Traktor/Gerätekombination;
richtiger Zugpunkt am Traktor, richtige Geräteeinstellung;
für die Arbeit angepasste Ballastierung;
Reifenwahl und der richtige Reifendruck zwischen 0,6 und 1,6 bar.

Das Tanken bei einem 200 PS Traktor kann je nach Arbeitstag mit schwerer Bodenbearbeitung 300 € kosten. Bei 10 % Verbrauchsunterschied durch variablen Reifendruck und einen fachkundigen Fahrer sind 30 € je Tankfüllung gespart.

Welche Ausrüstung hilft weiter?

Gezogene Geräte mit eigenem Fahrwerk sind erste Wahl, denn sie vermeiden die extremen Achslastunterschiede der dreipunktgetragenen Anbaugeräte. Bei der tiefen, gezogenen Bodenbearbeitung z.B. mit dem Grubber sollte mit einem schweren Frontgewicht und einem Traktionsverstärker gearbeitet werden. Ein hydraulischer Oberlenker holt bis zwei Tonnen Gerätegewicht auf die Hinterachse und kann die Felgengewichte ersetzen. Mühsam, zeitraubend und gefährlich, sagen Praktiker über die Felgengewichtsdemontage. Felgengewichte kosten durch ihre mitgeschleppte Masse immer Diesel beim Gas geben, erhöhen den Bremsenverschleiß und belasten den Boden. Das schnell zu koppelnde Frontgewicht und der hydraulische Oberlenker als Traktionsverstärker sind die vorzügliche Wahl und helfen die Motorkraft besser in Zugleistung zu verwandeln.

Umgekehrt kann beim Gülle düngen ein drückender hydraulischer Toppzylinder mit tiefer Kugelkopfanhängung das schwere Frontgewicht ersetzen und Lenk- und Bremssicherheit erhöhen. Bei jeder Güllefahrt eine Tonne mehr Gülle zu transportieren erhöht die Ausbringleistung.

Bei schwerem Zug auf dem Acker mit dem Bodenbearbeitungsgerät sollte der Traktor waagerecht auf dem Boden ziehen. Die Achslasten haben sich dynamisch verschoben, je mehr Zugkraft das Gerät braucht, umso schwerer sollte das Frontgewicht sein. Durch den hydraulischen Traktionsverstärker holt man sich schlupfmindernde Last auf die Hinterachse. Die auf der Waage ermittelten statischen Achslasten sollten den Reifen/Bodenkontaktflächen entsprechen. Beim 200 PS Traktor in der Bodenbearbeitung bringt die Hinterachse ca. 60 % der Zugleistung und die Allradachse ca. 40 %. Den Frontballast wählen Sie passend für den bodenparallelen Zug. Sie beobachten aus 30 m seitlicher Entfernung die arbeitende Maschine und wählen mehr Frontgewicht, falls der Traktor die Nase hoch hält. Das Wiegen der Achslasten, jeweils mit angehobenem Gerät und abgelassenen dreipunktgetragenem Gerät, hilft bei der richtigen Luftdruckeinstellung.
Ihre sachkundige Beurteilung für die sinnvolle Ballastierung und den niedrigen Ackerdruck ist nötig, denn hoher Schlupf über 15 % und tiefe Spuren schädigen den Boden und kosten deutlich mehr Diesel. Niedriger Ackerdruck im Radialreifen mindert den spurfräsenden und kostspieligen Schlupf.

Große, breite und flankenhohe Radialreifen mit variablem Reifendruck, vom Fahrer in der Kabine gesteuert, sind entscheidend für bessere Traktion, also mehr Zugleistung und besseren Bodenschutz. Ein Zentimeter Spurtiefe im Acker kostet im Dieselverbrauch 10 % mehr Kraftstoff. Bei 10 cm tiefen Spuren verdoppeln Sie den Dieselverbrauch des Traktors.

"Straßen- und Arbeitsschuhe"

Mit variablem Reifendruck wird bessere Zugleistung durch weniger Schlupf erreicht. Hoher Schlupf durch Straßendruck im Acker oder auf der Wiese ist Verlust und kostet Diesel, Bodenschaden und Arbeitszeit. Deshalb ist variabler Reifendruck, eingestellt in der Kabine, der Schlüssel zu besserer Arbeit, mehr Bodenschutz, mehr Fahrkomfort auf dem Acker und weniger Rollwiderstand auf der Straße.

In Deutschland bieten unter anderem folgende Firmen landwirtschaftliche Reifendruckregelanlagen an: Pionieranbieter ist die Firma PTG, die ein "2-Leitersystem" favorisiert.

Bei der 2-Leiteranlage werden zwei Schläuche zum Rad geführt; eine Versorgungsleitung und eine Steuerleitung für das Radventil. Nur beim Umstellen des Reifendruckes werden die Leitungen und die rotierenden Dichtungen in den Drehdurchführungen unter Druck gesetzt. Ein pneumatisch geöffnetes und mit Federdruck verschlossenes Radventil unterbricht in der Versorgungsleitung den Druck. Die dünne Steuerleitung und die größere Versorgungsleitung addieren sich zur 2-Leiteranlage. Die 2-Leiteranlage gilt als sicher, denn bei einem Leck, mangelndem Vorratsdruck, oder einem Ausfall einer Komponente wird die Reifendruckregelanlage automatisch abgeschaltet. Das Sicherheitskonzept entspricht einer Federspeicherbremse, die häufig als Feststellbremse im Nutzfahrzeug eingebaut wird.

Daneben bietet die Firma StG, eine 1-Leiter-Reifendruckregelanlage an. Bei der 1-Leiteranlage steht in den Zuleitungen ständig der Reifendruck von 0,4 bis 2,5 bar an. Eingestellt wird bei StG der Reifendruck achsweise mittels elektrisch geöffneten oder verschlossenen Kugelhähnen am Traktor.

Alle Reifendruckregelanlagen haben einige wichtige Baugruppen gemeinsam: Druckerzeuger, Ventiltechnik, Leitungen, Drehdurchführungen, Radventile und das Terminal in der Kabine. Im landwirtschaftlichen Einsatz kann häufig der vorhandene Bremsenkompressor als Druckerzeuger genutzt werden, sofern die Druckwechselzeit vom Ackerdruck mit 0,8 bar auf Straßendruck mit z.B. 1,6 bar mit zehn Minuten Aufpumpzeit in der Fahrt akzeptiert wird.

Bei Lohnunternehmern wird am Traktor häufig ein Zusatzverdichter für die Druckluftlieferung angebaut. Bewährt haben sich hydraulisch angetriebene Schraubenverdichter mit hohem Volumenstrom von 1.500 Liter je Minute. Damit wird das Aufpumpen auf drei Minuten verkürzt z.B. vom Ackerdruck mit 0,8 bar auf 1,6 bar Straßendruck am 200 PS Traktor.

Bei der Gülledüngung kann am Fass ein hydraulisch angetriebener Kompressor mit hohem Luftvolumenstrom montiert werden, mit dem Traktor- und Fassreifen zügig gefüllt werden. Straßendruck auf der Straße bringt weniger Rollwiderstand, deutlich weniger Dieselverbrauch und mehr Verkehrssicherheit sowie längere Reifenbetriebsdauer.
Als Einstieg in den variablen Reifendruck können Sie Schnellkuppler in der Felge montieren. Der Ventileinsatz wird herausgeschraubt, ohne Demontage des Radventils und des schlauchlosen Reifens und durch einzuschraubende Schnellkuppler ersetzt. Damit kann der Reifendruck im Stand an den Acker oder die Straßenfahrt einfacher und schneller angepasst werden.

Die vier Schnellkuppler, das Manometer und der Füllschlauch im Kunststoffkoffer kosten als Traktionsbox ca. 180 €. Sie erhalten den Airbooster oder die Traktionsbox bei den Herstellern von Reifendruckregelanlagen.

Mit eigenen Erfahrungen zum variablen Reifendruck fällt die Entscheidung für eine in der Kabine bedienbare Reifendruckregelanlage beim Traktor leichter. Der Kauf einer Anlage für 3.500 bis 8.000 € am neuen Traktor ist häufig lohnend. 10 % weniger Dieselverbrauch, mehr Fahrkomfort (Rückenschonung), mehr Bodenschonung und mehr Zugleistung bei längerer Reifenlebensdauer sind die Vorteile des variablen Reifendrucks.

Beim Lohnunternehmer werden Großtraktoren und damit die Radialreifen bei der Bodenbearbeitung und der Aussaat mit hohen Gerätegewichten belastet, zumindest bei getragenen Geräten. Die hohen Motordrehmomente sind im Acker effektiv in Zugleistung zu verwandeln. Über die schnelle Straßenfahrt wird die Fläche angefahren. Hohe und flexible Reifenflanken und in der Kabine einstellbarer Reifendruck sind zu empfehlen und umso wirtschaftlicher, je mehr Traktorstunden gearbeitet werden.

Fazit

Durch richtigen Reifendruck  wird der Boden geschützt, Bodenpflege und Ertragsfähigkeit werden damit einfacher und selbstverständlicher. Nach Kosten/Nutzenkalkulationen des KTBL bezahlt sich die Reifendruckregelanlage häufig innerhalb von zwei Jahren.
 
Mehr Infos z. B. bei www.reifenregler.de
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